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Kein Geld in den Sommerferien: Hessen spart auf Kosten seiner Lehrer

Von Eigentlich sollten Vertretungslehrer in Hessen ihr Geld auch in den Sommerferien bekommen. Das sieht ein Erlass des Kultusministeriums aus dem Jahr 2009 vor. Aber die Regelung hat ihre Tücken. Die Gewerkschaft GEW ist alarmiert.
In den Sommerferien stehen viele Vertretungslehrer in Hessen ohne Geld da. In den Sommerferien stehen viele Vertretungslehrer in Hessen ohne Geld da.
Frankfurt. 

In dieser Statistik nimmt Hessen eine unrühmliche Rolle ein. Jedes Jahr zu Beginn der Sommerferien werden Vertretungslehrer von den Schulämtern entlassen, um dann nach den Sommerferien wieder eingestellt zu werden. Nach einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit hatten sich in den zurückliegenden Sommerferienmonaten in Hessen über 1000 Lehrer arbeitslos gemeldet. Damit belegt Hessen den zweiten Platz unter den Bundesländern. Nur in Baden-Württemberg hatten sich mit über 2000 Personen mehr Lehrer während der Sommerferien arbeitslos gemeldet.

Durch diese Praxis spart das Land Hessen Geld. Experten gehen von rund 3,5 Millionen Euro für die sechswöchigen Sommerferien aus.

Auch wenn an diesem Freitag mit Schulschluss schon die Herbstferien beginnen: Für Jochen Nagel, Chef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Hessen (GEW), ist das Thema Vertretungslehrer noch längst nicht vom Tisch. Schließlich hatte der damalige Kultusminister Jürgen Banzer (CDU) bereits 2009 versprochen, dass die befristet angestellten Pädagogen die Sommerferien „durchbezahlt“ bekommen. Dies hätten sie sich nämlich durch ihre Tätigkeit „erarbeitet“.

Durch einen entsprechenden Erlass wurde das geregelt. Doch diese Regelung, die bis heute Gültigkeit besitzt, hat auch seine Tücken. So wird der Vertretungslehrer nur „durchbezahlt“, wenn er mindestens 39 Wochen unter Vertrag gestanden hat, seine Tätigkeit unmittelbar vor den Sommerferien endet und die „zu vertretende Lehrkraft“ über die Sommerferien hinweg ausfällt.

Regeln vereinbart

Da die vielen befristeten Lehrerstellen der GEW ein Dorn im Auge sind, hat die Gewerkschaft mit dem Kultusministerium mittlerweile eine Vereinbarung getroffen, aus der hervorgeht, dass die befristeten Stellen bis zum Schuljahr 2018/2019 „gedeckelt“ werden. So sollen diese dann nur noch 5,2 Prozent der gesamten Lehrerstellen ausmachen dürfen. Darüber hinaus sollen befristet beschäftigte Lehrer, die am Ende des vergangenen Jahres mehr als 60 Monate beschäftigt waren, unbefristet eingestellt werden, wie GEW-Chef Nagel erläutert.

Das Kultusministerium macht in Sachen Vertretungslehrer eine eigene Rechnung auf. „Die Annahme, dass eine große Anzahl von Lehrkräften mit befristeten Verträgen vor den Sommerferien entlassen wird und im Anschluss wieder eingestellt wird, ist falsch“, stellt Ministeriumssprecher Stefan Löwer fest. Seit dem Erlass aus dem Jahr 2009 liege die Anzahl der davon betroffenen Lehrkräfte bei einer größeren Schwankungsbreite im Schnitt bei rund 500 Stellen. Setze man dies in Relation zur Anzahl der insgesamt befristeten Verträge, dann entspreche dies nicht mehr als einem Prozent, fügt Löwer hinzu. Seinen Angaben zufolge gibt es im hessischen Schuldienst derzeit 3000 befristete Stellen – bei insgesamt 50 000 Lehrern im Dienst.

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Eigentlich sollte es das nicht mehr geben: Lehrer, die vor den Sommerferien entlassen werden, um danach wieder eingestellt zu werden. Die FNP hat mit einer Betroffenen gesprochen.

clearing

 

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