Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 26°C

Sicherheit: Hessentag 2017: Feiern in der Festung

Von London, Berlin, Nizza: Eine blutige Spur des Terrors zieht sich durch Europa. Immer wieder hatten es die Täter auf Großveranstaltungen abgesehen. Kein Wunder, dass es beim Hessentag und beim Steinmeier-Besuch allerorten vor Polizei nur so wimmelte. Aber es gibt auch Kritik am Sicherheitskonzept.
Helga Bühner, ihr Mann Dieter (von rechts) nebst Freunden lassen sich von Terrorgefahr den Hessentagsbesuch nicht vermiesen.
Rüsselsheim/Wiesbaden. 

„Festung Rüsselsheim“ steht auf dem Prospekt, das in einem gläsernen Infopavillon am Rüsselsheimer Bahnhof ausliegt. Nicht etwa, dass die Stadt die Bürger über die massiven Sicherheitsvorkehrungen während des Hessentags informieren möchte. Vielmehr geht es um eine der historischen Attraktionen Rüsselsheim, eine Wallanlage, die einst den Mainübergang schützen sollte.

Andererseits spiegelt die Bezeichnung Festung durchaus ein Stück weit die derzeitige angespannte Situation im Land wieder. Schließlich müssen die Behörden in diesen Tagen, dafür sorgen, dass neben dem Hessentag auch der Antrittsbesuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ohne Vorfälle über die Bühne geht.

Aber zunächst zum Hessentag. Was wurde vor dessen Start für ein Wind darum gemacht, welcher Aufwand, vor allem finanziell, ein solches Mega-Event bedeutet. Von Kosten in Höhe von 2,9 Millionen Euro – Tendenz steigend – sprach Patrick Burghardt, christdemokratischer Oberbürgermeister Rüsselsheims, das bei den Sicherheitsvorkehrungen federführend ist.

Bisher knapp eine halbe Million Besucher

Der Hessentag hat auch dank des guten Wetters bislang rund eine halbe Millionen Besucher nach Rüsselsheim gelockt. Wie die Stadt mitteilte, waren einschließlich Montag etwa 475 000 Menschen auf dem Landesfest gewesen.

clearing

Wer nun eine vor Polizei starrende Stadt erwartet hat, sieht sich aber getäuscht. Natürlich sind die Beamten und auch private Sicherheitsleute auf dem Hessentagsgelände allerorten präsent. Aber martialisch wirkt das alles nicht. In diese Richtung gehen am ehesten die massiven Betonsperren am östlichen Ende der Hessentagsstraße. Am Gegenpol in der Höhe der Landesausstellung hat die Polizei eine sogenannte Hydrauliksperre errichtet. Sie soll schwere Lastwagen an der Durchfahrt hindern, sagt Bernd Hochstädter, Sprecher der Polizeidirektion Südhessen, die für den Landkreis Groß-Gerau und damit für den Hessentag zuständig ist.

Die Sperren seien Teil eines Konzepts, über dessen Details sich die Polizei nicht in die Karten blicken lässt. Verraten will Hochstädter nur ein paar Punkte: Etwa dass es Videoüberwachung an neuralgischen Punkten gibt, dass die Hessentagswache der Polizei, die in einem ehemaligen Ratskeller unterm Rathaus, eingerichtet wurde, mit etwa 20 Beamten besetzt ist und dass in Rüsselsheim mehr Sicherheitskräfte als bei den bisherigen Hessentagen eingesetzt werden. Konkrete Zahlen verrät er nicht.

Dies gilt auch für den Antrittsbesuch des Bundespräsidenten in Hessen. Bei der Tour Steinmeiers seien mehrere hundert Kollegen im Einsatz gewesen, gab Markus Hoffmann, Sprecher der Polizeidirektion Westhessen in Wiesbaden, nur eine ungefähre Vorstellung, welche Dimension dies hatte. Erkennen konnte dies aber jeder, der in der Region am Montag und Dienstag unterwegs war an den Polizeiwagen, die auf Autobahnbrücken standen, an Absperrgittern in den besuchten Städten und Helikoptern, die in der Luft kreisten. Das ganze habe höchste Priorität gehabt wie die zurückliegenden Besuche der Queen und des holländischen Königspaars, sagt Hoffmann.

Noch einmal zurück zum Hessentag. Auch wenn die Sicherheitsvorkehrungen dort beträchtlich sind, gibt es auch kritische Stimmen. Die erwähnten Betonsperren seien eher Show als Sicherheit, sagt Holger C. Schmidt, der in der Nähe am Stande einer Firma für Kraft-Wärme-Kopplung sitzt. Vor allem könne jeder die Seile zwischen den Blöcken aushängen und durchfahren, was auch schon geschehen sei. Und besetzt sei die Stelle auch nicht immer.

Zumindest die Besucher scheint das alles nicht zu beunruhigen. „Ich habe keine Angst“, sagt Helga Bühner aus Mörfelden-Walldorf, die mit ihrem Mann Dieter und zwei Freunden gut gelaunt über die Hessentagsstraße flaniert. Vor dem Fest habe sie so etwas im Hinterkopf gehabt, sagt sie, auszuschließen sei es ja nicht, „Aber nein, heute, habe ich mich nicht bedroht gefühlt.“

Zur Startseite Mehr aus Rhein-Main & Hessen

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse