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70 Jahre Hessen: Hessisches Landesjubiläum: Streiten – aber nicht am Festtag

Von Bei der Sondersitzung „70 Jahre Hessen“ geht es im Landtag etwas feierlicher zu als üblich. Prominente Gäste lauschten den Parlamentariern, die auch in ihren Festreden nicht ganz auf Parteipolitik verzichten wollten.
"70 Jahre Hessen" - Sondersitzung Landtag Foto: Arne Dedert (dpa) Bei der Sondersitzung des Hessischen Landtags sprach Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) vor Abgeordneten und Ehrengästen.
Wiesbaden. 

Einladungslisten am Eingang, ein Sektempfang, extra viele Platzanweiser. So förmlich geht es sonst im Hessischen Landtag nicht zu. „70 Jahre Hessen“ – da hatte der Landtag zu einer Sondersitzung geladen. Die Krawatten waren etwas feiner, die Kleider festlicher, die Gäste zahlreicher. Neben den aktuellen Abgeordneten kamen auch viele ehemalige Parlamentarier, Ex-Minister, aber auch Bürgermeister und Landräte. Blickte man auf die Besuchertribüne im Plenarsaal, erinnerte man sich sofort an zurückliegende Jahrzehnte hessischer Landespolitik und ihre Akteure. Roland Koch, ehemaliger Ministerpräsident, Rupert von Plottnitz, Ex-Justizminister in Hessen, oder Karl Starzacher, einst Landtagspräsident und später auch hessischer Finanzminister, saßen dort beispielsweise.

SPD: Neuer „Hessenplan“

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel erinnerte aber an einen ganz anderen Prominenten, an den langjährigen sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Georg-August Zinn und dessen „Hessenplan“. Mit diesem Entwicklungsprogramm gelang dem Land unter anderem eine Integration der zahlreichen Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg. „Wir brauchen einen neuen Hessenplan, der vom Mut zu Reformen getragen werden muss“, forderte Schäfer-Gümbel.

Mathias Wagner, Fraktionsvorsitzender der Grünen, blickte auf die Gründung seiner Partei zurück und vor allem natürlich auf einen: den ersten grünen Landesminister Joschka Fischer. „Damals noch in Turnschuhen, heute mit Krawatte, aber drinnen steckt jedes Mal grün“, sagte der im dunklen Anzug gekleidete Wagner. „Mit den Grünen konnte man wenigstens streiten“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Boddenberg. Dies gelte jedoch nicht für die heutigen neuen Parteien aus dem rechtspopulistischen Spektrum. Sie hätten keine Antworten, sondern wollten spalten. Diese Parteien dürften keine Zukunft in deutschen Parlamenten haben, forderte Boddenberg.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Florian Rentsch verknüpfte seine Erinnerung an den Mauerfall mit einem Seitenhieb gegen die Linken: Die Menschen hätten sich nach seiner Wahrnehmung „mehr auf den Markt gefreut und weniger auf staatliche Steuerung“. An das Parlament gerichtet sagte Rentsch: „Ich wünsche mir, dass uns der Mut zum Streit nicht fehlt. Dies ist ein guter Ort dafür.“

Am Abend stieg im Wiesbadener Kurhaus eine große Party. 2300 Gäste waren eingeladen, darunter viele Bürger, die ihre Eintrittskarten bei Zeitungen, Fernseh- und Radiosendern gewonnen hatten. Das Programm war eine Zeitreise durch sieben Jahrzehnte. Für die Musik waren das Landesjugendjazzorchester, das Musikkorps der Bundeswehr sowie die Solisten Bill Ramsey, Madeline Bell und Humphrey Campbell engagiert worden. Für Donnerstag sind in der Landeshauptstadt ein Staatsakt im Staatstheater und ein Feuerwerk geplant.

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