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Senioren: Hilfe für die Helfer: Awo unterstützt Pflegebedürftige und ihre Angehörigen

Die Arbeiterwohlfahrt steht mit Rat und Tat zur Seite, wenn etwa ein Angehöriger in der Pflege ausfällt, oder ein Senior nach einem Krankenhausaufenthalt nicht mehr zu Hause gepflegt werden kann. Dabei gibt es für alle viel zu beachten.
Kümmern sich um Senioren: Daniel Bauer, Bettina Hendler (Mitte) und Sabine Simon-Wenda von der AWO Hessen-Süd.
Frankfurt. 

Wie kann ich meinen Angehörigen besser pflegen? Was kann ich tun, damit er oder sie besser isst oder trinkt? Solche Fragen zu beantworten ist die alltägliche Aufgabe von Sabine Simon-Wenda und Bettina Hendler, beide sind Pflegekoordinatorinnen im Pilotprojekt Pflegenotaufnahme der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Hessen-Süd.

Im Pflegefall setze oft ein Rollentausch ein, haben sie erfahren: Kinder würden häufig zu Eltern, die den Senioren schnell überbetreuen. „Angehörige sind meist viel zu vorsichtig, und autonomes Verhalten der Senioren wird oft – aus Liebe – nicht mehr respektiert“, weiß Simon-Wenda. Sie rät aber: „Wenn der ältere Mensch abends immer sein Bierchen hatte, dann geben sie ihm das“, rät Simon-Wenda. Zusammen mit zwei Tassen Kaffee sei dann schon für etwas Flüssigkeitszufuhr gesorgt.

Probleme verdrängt

Seit dem 1. Oktober läuft bei der Awo das Pilotprojekt „Pflegenotaufnahme“. Ein Beratungs- und Vermittlungsangebot auch außerhalb der Kernarbeitszeiten, über eine kostenlose Rufnummer ist das Team rund um die Uhr erreichbar.

Die Notaufnahme ist dann da, wenn die Pflege in der Häuslichkeit nicht mehr gewährleistet werden kann. „Häufig beschäftigen sich Betreuer und Angehörige erst in Akutsituationen mit dem Thema der stationären Unterbringung, weil auch Angehörige dieses Thema ein Stück weit tabuisieren“, weiß Daniel Bauer, stellvertretender Fachbereichsleiter Senioren und Leiter des Projekts.

Oft würden erste Anzeichen für Erkrankungen heruntergespielt. Es heiße dann, die Mutter sei seit ein paar Monaten ein bisschen vergesslich. „Wenn die gesundheitliche Entwicklung sich verschlechtert, sind Angehörige häufig zu nachsichtig und verdrängen die Probleme. Wir wollen mit einer frühzeitigen Beratung auch außerhalb der Kernarbeitszeiten und an Samstagen dem entgegenwirken“, sagt Bauer.

Fragen haben Angehörige von Pflegebedürftigen nämlich zuhauf. Was steht dem Betroffenen zu? Was steht mir als Pflegendem zu? Welche Möglichkeiten gibt es in der Kurzzeitpflege? Im Notfall können die Koordinatorinnen der Pflegenotaufnahme eine stationäre Unterbringung vermitteln.

Heimplätze finden

Sie helfen aber auch, wenn ambulant mehr Hilfe benötigt wird – etwa dadurch, dass ein Angehöriger bei der Pflege plötzlich ausfällt oder nach einem Krankenhausaufenthalt der Pflegebedarf steigt.

Zum Beispiel konnte die Pflegenotaufnahme einem älteren Herrn mit einer Kurzzeitpflege aushelfen, der mit dem höchsten Pflegegrad fünf im Rollstuhl sitzt und im Vogelsbergkreis lebt. Sein Sohn wohnt in Bad Homburg und kann sich nicht selbst kümmern. Die Pflegenotaufnahme hat schnell und unbürokratisch einen Heimplatz für die Kurzzeitpflege für ihn gefunden.

Über den akuten Pflegefall hinaus beraten die Pflegekoordinatorinnen auch präventiv, die Beratung richtet sich meist an Angehörige. Aber auch die Senioren selbst können sich beraten lassen.

„Ein Beratungsgespräch wird von Senioren sehr gut angenommen“, sagt Bettina Hendler. Ein solches Gespräch dauert 20 Minuten bis eineinhalb Stunden und kann über die Krankenkasse abgerechnet werden. „Wir werben bei Ortsbeiräten, in Hospizen, bei Landfrauenvereinen und Seniorenberatungsstellen: Holt euch die Informationen selbst, solange das alles noch geht!“

Eine Beratung durch die Pflegenotaufnahme habe auch eine psychologische Funktion: Sie helfe dabei zu akzeptieren, dass der Angehörige pflegebedürftig ist. „70 Prozent der Menschen werden zu Hause gepflegt. Die Angehörigen machen das meist richtig gut“, sagt Simon-Wenda: „Wir loben sie auch.“

Neutrale Beratung

Die Pflegekoordinatorinnen schulen auch pflegende Angehörige, üben konkrete Anwendungen, die im täglichen Pflegealltag gebraucht werden. Etwa wie man ein Wundliegen (Dekubitus) verhindert oder einer Versteifung der Gelenke vorbeugt. Eineinhalb Stunden pro Thema werden von der jeweiligen Krankenkasse bezahlt, nach vorheriger Antragstellung.

Viele Ältere litten an Krankheiten wie Parkinson, Arthrose oder Arthritis, berichtet Simon-Wenda aus ihren Erfahrungen. Auch der klassische Oberschenkelhalsbruch durch Unfälle im Haushalt komme öfter vor, als man denkt. „Viele verharren dann in ihrer Immobilität, das soziale Leben liegt brach, das Ergebnis ist oft Einsamkeit.“

Ein wichtiger Punkt. Die Awo will bei der Beratung bezüglich der Pflegeeinrichtungen neutral sein. „Wir konzentrieren uns nicht nur auf die Awo als Anbieter, stattdessen wird ein Netzwerk aufgebaut auch mit ambulanten Pflegediensten. Auch mit der Caritas zum Beispiel stehen wir in Kontakt“, sagt Bauer.

50 bis 60 Mitarbeiter beraten

Das Pilotprojekt des Awo Hessen Süd ist auf zwei Jahre angelegt. Weitere Pilotprojekte betreibt die Awo in Braunschweig, im Saarland und in Oldenburg.

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