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Turbo-Sommer: Hitzewelle geht weiter - Schäden auf hessischen Straßen

Tropische Nächte und heiße Tage lassen Hessen schwitzen. Abkühlung ist nicht in Sicht. Die Trockenheit sorgt für einen hohen Trinkwasserverbrauch, Straßenschäden und Einschränkungen bei Festen.
Symbolbild Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Symbolbild
Offenbach. 

Wer in den kommenden Tagen in der Nacht die Fenster aufreißt, darf kaum mit Abkühlung rechnen. Millionen Menschen in Deutschland schlafen wegen der Hitze schlecht - und es wird nicht besser werden. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet auch für die zweite Wochenhälfte vielerorts mit sogenannten Tropennächten. Das heißt, dass die Temperaturen nachts nicht unter 20 Grad fallen.

Tropennächte

Da sich zwischen den Gebäuden die Hitze staut, werden besonders Großstädter von warmen Nächten heimgesucht, sagte DWD-Sprecher Andreas Friedrich. Zudem seien auch Orte in Mittellagen besonders von Tropennächten betroffen, da sie in wärmeren Luftschichten liegen.

„Die Zahl an Tropennächten hat in den vergangenen Jahren zugenommen”, sagte Friedrich. Das sei ein weiterer Effekt der Klimaerwärmung. Der Deutschland-Rekord wurde allerdings noch nicht gebrochen. Im Juli 2007 wurde in Kubschütz in der Oberlausitz eine Tiefsttemperatur von 26,1 Grad gemessen.

Kein Ende der Hitze in Sicht

Nach dem Hitzerekord am Dienstag mit 37,7 Grad im nordhessischen Eschwege und 37,2 Grad in Schlüchtern-Herolz (Main-Kinzig-Kreis) folgen nun weitere warme Nächte und heiße Tage. Der Donnerstag startet mit viel Sonne, bis zum Nachmittag sind einzelne Gewitter möglich, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Mittwoch in Offenbach mitteilte. Die Temperaturen bewegen sich voraussichtlich zwischen 30 Grad in höheren Lagen und 36 Grad in Südhessen.

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Der Donnerstag beginnt tagsüber im Südosten und Osten noch mit kräftigen Gewittern. Das ist laut dem DWD-Meteorologen Thomas Ruppert allerdings nur der sprichwörtliche „Tropfen auf dem heißen Stein”.

Am Freitag kann es vor allem im Bergland zu einzelnen Hitzegewittern kommen. Es bleibt bei schweißtreibenden Temperaturen zwischen 31 und 37 Grad. Auch der Samstag bringt kaum Veränderung mit bis zu 36 Grad.

Die geringste Abkühlung brachte die Nacht den Menschen in Berlin. Mit 24,4 Grad Tiefstwert an zwei Messstellen erlebte die Hauptstadt die wärmste Nacht seit 1905. Nach Berlin war laut Messungen der Pfälzerwald der zweitwärmste Ort in den Nachtstunden. Dort wurden an der Station Weinbiet 24 Grad als Untergrenze registriert. In Frankfurt/Main sanken die Temperaturen nicht unter 23,7 Grad.

Folgen der heißen Tage

Derweil werden vielerorts Folgen der Hitzewelle sichtbar. Das Grünflächenamt Wiesbaden beispielsweise schließt laut einer Mitteilung vom Mittwoch wegen der Brandgefahr sämtliche städtische Grillplätze. Die Verkehrsbehörde Hessen Mobil kämpft mit Hitzeschäden auf Autobahnen und Bundesstraßen.

Auch Sommerfeste beeinträchtigt die Trockenheit. In Frankfurt wurde das traditionelle Abschlussfeuerwerk des Mainfests abgesagt. Die Brandgefahr an den ausgetrockneten Mainuferwiesen, Bäumen und Büschen sei zu hoch, teilte die Stadt Frankfurt mit. Ursprünglich sollte das Feuerwerk nach dem viertägigen Fest am kommenden Montagabend gezündet werden. Komplett abgesagt wurde das Musikfestival «Sound of the Forest» am Marbach-Stausee im Odenwald, das eigentlich am Donnerstag losgehen sollte - wegen erhöhter Waldbrandgefahr.

Der Trinkwasserverbrauch erreichte bereits am Dienstag einen neuen Spitzenwert. Er schnellte im Rhein-Main-Gebiet am letzten Tag im Juli auf rund 400 000 Kubikmeter Wasser nach oben, wie der Sprecher von Hessenwasser, Hubert Schreiber, sagte. Das waren noch einmal rund 30 000 Kubikmeter mehr als am bisherigen Spitzentag des Jahres, dem 25. Juli 2018. Zum Vergleich: Ein 50 Meter langes Olympia-Schwimmbecken fasst 3750 Kubikmeter Wasser. Am Dienstag wurde in Rhein-Main der Inhalt von rund 107 solcher Becken verbraucht. Der Rekord-Verbrauch von 409 000 Kubikmetern vom 3. Juli 2015 wurde aber nicht erreicht.

Glühende Hitze, ausgetrocknete Flüsse, verdorrte Felder: Vor 15 Jahren, im August 2003, machte schon einmal eine dramatische Dürre vielen Bauern in Deutschland zu schaffen - und löste staatliche Soforthilfe aus. Mehr als 12.000 Betriebe brauchten rasche Unterstützung, um zahlungsfähig zu bleiben. Der Bund schloss nach Angaben des Agrarministeriums mit Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen eine Vereinbarung und gab 36 Millionen Euro - insgesamt standen damit 72 Millionen Euro an Hilfen bereit.

In der aktuellen Dürrekrise fordert der Bauernverband Unterstützung von möglichst einer Milliarde Euro. Die Bundesregierung will erst nach Vorliegen der amtlichen Erntebilanz Ende August entscheiden, ob sie sich an möglichen Hilfen beteiligt. Dafür müssten Schäden von „nationalem Ausmaß” festgestellt werden. Zuerst sind die Länder für Unterstützung in solchen Krisenfällen zuständig.

Die Hitzewelle sei Auswirkung einer Großwetterlage über Skandinavien. „Seit April hat sich ein riesiges Hochdruckgebiet über Nordskandinavien bis in den nordrussischen Raum festgesetzt”, erklärte Friedrich. Dieses blockiere das wechselhaftere Wetter vom Atlantik, das es normalerweise in Mitteleuropa gebe.

(dpa)

Bilderstrecke Tropische Nächte in Deutschland auch in den nächsten Tagen
Selbst gebastelter Kühlbeutel gegen den heißesten Tag des Jahres: Im Bernburg war am Dienstag mit 39,5 Grad die bisher höchste Temperatur dieses Sommers gemessen worden.Die Getränkehersteller kommen mit der Nachfrage kaum noch mit, teilweise sind die Pfandflaschen knapp.Abfüllung bei einem Getränkehersteller: Wegen der Rekordhitze ist die Nachfrage riesig.
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