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Hochbegabt und trotzdem ausgebremst

Von Die Schule hat er schon hinter sich, mittlerweile studiert Felix Weimer Informatik – mit gerade mal 16. Um den Abschluss zu machen, braucht er aber das Abi. So einfach geht das aber nicht. Das Schulamt mauert.
Frankfurt. 

Dies ist die Geschichte von Felix. Felix ist 16 und hochbegabt. Während andere Schüler in seinem Alter noch fleißig pauken, könnte der Junge aus dem Main-Taunus-Kreis bald sein Studium in der Tasche haben. Doch Felix Weimer ist zu jung. So sieht es zumindest die oberste Schulbehörde des Landes Hessen.

Aber der Reihe nach: Als Felix 13 Jahre alt war, fühlte er sich beim Unterrichtsstoff bereits unterfordert. Mit dem Einverständnis des Schulamtes konnte er die Schule verlassen und galt fortan als "externer Schüler". Felix schrieb sich an der Fern-Uni Hagen für ein Informatikstudium ein – studieren kann man hier als besonders begabter Schüler auch ohne Abi-Zeugnis.

Zulassung verweigert

Doch für den Studienabschluss müsste er jetzt sehr wohl eine Abiturprüfung vorweisen. Die Schulbehörde verweigert ihm aber bislang die Zulassung zur Abiprüfung. Als "externer Schüler" muss man 19 Jahre alt sein, so die Regelung der "Oberstufen- und Abiturverordnung" in Hessen, um das Abit zu machen. "Dem Antrag auf Teilnahme an einer Abiturprüfung könne nicht entsprochen werden", ließ das Staatliche Schulamt in Gießen Ende August die Eltern von Felix wissen. Eine Regelung, die es für "externe Schüler" kurioserweise so nur in Hessen gibt. "Würde Felix in Bayern wohnen, könnte er ohne Probleme sein Abitur mit 16 ablegen", sagt seine Anwältin Sibylle Schwarz.

Aber kann man im Fall von Felix nicht eine Ausnahme machen? Seine Anwältin hatte um eine entsprechende Genehmigung gebeten. Doch die Antwort lautet: Nein.

Seit dieser Woche hat sich auch das Hessische Kultusministerium der Entscheidung des Staatlichen Schulamts angeschlossen. Felix wird nicht vorzeitig zugelassen, teilte das Ministerium auf eine Anfrage der Frankfurter Rundschau mit.

Ob das das letzte Wort ist, weiß auch Anwältin Schwarz noch nicht. Sie hat in dieser Woche Widerspruch gegen die Entscheidung beim Ministerium eingelegt. Insgeheim hofft sie, dass sich Kultusministerin Nicola Beer (FDP) persönlich kraft ihres Amtes dafür einsetzt, eine Ausnahmegenehmigung für Felix zu erwirken. Bliebe es aber bei der Entscheidung des Schulamtes, müsste der Überflieger noch drei Jahre warten, bis er endlich die Abiturprüfung ablegen kann. Wertvolle Zeit, die ihm verloren geht, findet Felix. Richtig verzweifelt sei er deshalb, sagt seine Anwältin.

Vorschläge vom Schulamt

Das Schulamt hat ihm zwar Vorschläge gemacht, wie er die Zeit überbrücken könne. Felix könne ja zurück auf die Schule gehen und die Oberstufe zu Ende machen. Das würde aber bedeuten, wiederum drei Jahre die Schulbank zu drücken. Ein weiterer Vorschlag stößt beim Turbo-Schüler noch weniger auf Gegenliebe. Felix sollte doch eine Ergänzungsschule besuchen, die ihm seine Hochbegabung bescheinigen und ihm damit den Zugang zum Abitur verschaffen könnten. Ergänzungsschulen zeichnen sich durch ein Unterrichtsangebot aus, das es im öffentlichen Schulwesen nicht gibt. Dementsprechend liegen ihre Arbeitsfelder zumeist in der beruflichen Bildung. Sie bieten Ausbildungen beispielsweise im Bereich der Kosmetik, Gesundheit oder Kommunikation an. Das möchte Felix aber partout nicht machen. Und dann wäre da noch ein Problem: Felix fehlt nach Ansicht des Schulamtes die mittlere Reife. Der Grund: Er verließ – als einer der ersten G8-Schüler – die Schule mit Genehmigung der Behörde nach der neunten Klasse. Früher gab es an dieser Stelle des Bildungsweges den Realschulabschluss. Felix erhielt aber nur den Hauptschulabschluss. Laut Schulgesetz müssen G8-Schüler, obwohl sie genauso viel gelernt haben wie G9-Schüler, das erste Jahr der Oberstufe absolvieren, um die Mittlere Reife zu bekommen. Da Felix aber nach der neunten Klasse die Schule verließ, fehlt ihm nach dem neuen G8-Modell das Pflichtjahr für die Mittlere Reife.

Klage in Kassel

Felix Weimer fordert Gleichbehandlung und klagt über seine Wiesbadener Anwältin in dieser Sache beim Verwaltungsgericht in Kassel. Die Klage wurde bereits von zwei Jahren eingereicht. Die Frankfurter Neue Presse berichtete damals über den Fall. Eine Entscheidung steht aber noch aus. Eine ungewöhnlich lange Zeit, meint auch seine Anwältin. "Die hätten schon längst in die Pötte kommen können", sagt sie.

Ein Ende der Geschichte ist vorerst nicht in Sicht. Entscheidet das Gericht in seinem Sinne, würde wenigstens die Voraussetzung für die Abiturprüfung erfüllt. Dann bliebe aber immer noch das Problem mit dem Alter.

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