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Ehemaliger Mainzer Bischof geehrt: Höchste Auszeichnung des Landes Hessen für Kardinal Lehmann

Von Kardinal Karl Lehmann war 33 Jahre lang Bischof von Mainz. Im benachbarten Wiesbaden erhielt der 80-Jährige gestern die Wilhelm-Leuschner-Medaille.
Leuschner-Medaille an Kardinal Lehmann Foto: Arne Dedert (dpa) Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU, rechts) überreicht Kardinal Karl Lehmann im Schloss Biebrich die Medaille.
Wiesbaden. 

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) würdigte den Kardinal Karl Lehmann als Brückenbauer in vielfacher Hinsicht und vergaß auch nicht, darauf hinzuweisen, dass zwei Drittel des Bistums Mainz in Hessen liegen. Der im Mai als Mainzer Bischof aus dem Amt geschiedene Lehmann, der im schwäbischen Sigmaringen geboren wurde, zeigte sich über die Ehrung ausgesprochen erfreut. Das ging sogar so weit, dass er sich quasi selbst einbürgerte: „Ich bin kein Berliner“, sagte Lehmann in Anspielung auf den berühmten Spruch John F. Kennedys und fügte hinzu: „Ich bin ein Hesse.“

Bouffier antwortete in seiner Laudatio mit einem Zitat seines Vorvorgängers Georg August Zinn: „Hesse ist, wer Hesse sein will“, sagte er und nahm den bekennenden Mainzer Lehmann gerne als Landeskind an. Humor ist aber nur eine der hervorstechenden Eigenschaften des Kardinals, die Bouffier in dessen Würdigung erwähnte. Lehmann sei ein herausragender Brückenbauer, sagte der Ministerpräsident, ein Mittler, nicht nur zwischen Kirche und Staat, sondern als Mann der Ökumene auch zwischen evangelischer und katholischer Kirche, christlichen und nichtchristlichen Religionsgemeinschaften und zwischen Kirche und Sport.

Und mit seinem stetigen Einsatz für Freiheit, Demokratie und soziale Gerechtigkeit erfülle er auch sehr gut das von den Preisträgern der Wilhelm-Leuschner-Medaille geforderte Profil.

Die Auszeichnung hat der damalige Ministerpräsident Zinn zum 20. Todestag des ehemaligen hessischen Innenministers, Gewerkschafters und schließlich von den Nationalsozialisten ermordeten Widerstandskämpfers Leuschner ins Leben gerufen und 1965 erstmals verliehen. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel, die erste weibliche Bundesministerin Elisabeth Schwarzhaupt, der Philosoph Jürgen Habermas, der Computer-Erfinder Konrad Zuse, der Verleger und Mitbegründer des „Mannheimer Morgens“, Karl Ackermann, und der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki.

Lehmann habe es verstanden, die Verbindung von Kirche und Gesellschaft neu zu beleben, würdigte Bouffier den diesjährigen Preisträger weiter.

Der Kardinal verbinde intellektuelle Brillanz mit Bodenständigkeit sowie den Ernst von Religion und Theologie mit Lebensfrohsinn. „Die Menschen mögen Sie, und Sie mögen die Menschen“, rief Bouffier Lehmann zu. Dieser sei als Oberhirte des Bistums Mainz ein Glücksfall gewesen. „Sie waren immer beliebt, aber nie beliebig und sind für Ihre Überzeugungen eingetreten“, fuhr der Ministerpräsident fort.

Der Kardinal selbst sagte, er habe Wilhelm Leuschner zwar nicht persönlich gekannt, aber schon als Kind von den Widerstandskämpfern gehört, vor denen er große Achtung habe. Für die politische Entwicklung in Hessen habe er sich immer interessiert. Dabei seien ihm die klaren Konturen der Parteien und der handelnden Politiker aufgefallen, die neben viel Streit auch ein erstaunliches Maß an Miteinander gezeigt hätten.

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