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Was Bewerber zur Ausbildung zum Polizeikommissar mitbringen müssen: Höher, schneller, Polizist

Die Landtagsopposition schimpft über die miese Stimmung bei der Polizei. Berichte über die mangelnde Qualität von Bewerbern machen immer wieder die Runde. Der Beruf des Polizisten ist dennoch beliebt, die Zahl der Bewerber für eine Ausbildung zum Kommissar wieder hoch.
Foto: Arne Dedert (dpa)
Wiesbaden. 

Die Durchfallquote beim Eignungstest für angehende Polizeikommissare ist beachtlich, die Kritik über die extrem hohe körperliche und psychische Belastung der hessischen Beamten im Dienst enorm. Die Schlange der Bewerber für einen Job reißt dennoch nicht ab. Im Gegenteil: Mit 1155 Anwärtern startet dieses Jahr der größte Ausbildungsjahrgang in der Geschichte der hessischen Polizei. „Wir haben deutlich mehr Bewerber als Stellen“, berichtet die Leiterin des Eignungsauswahlzentrums an der Polizeiakademie, Eva Hertel, am Montag in Wiesbaden. „Und dafür haben wir die Qualität des Einstellungstests nicht abgesenkt.“

Nach der Flaute in den Jahren 2015 und 2016 mit unbesetzten Stellen habe es entsprechende Hinweise aus der Mannschaft gegeben, berichtet der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Andreas Grün, der dpa. „Da sind bei uns natürlich die Alarmglocken angegangen.“ Nach einem Gespräch mit dem Polizeiakademie-Präsidenten Gert Fischer habe er aber keinen Anlass mehr, an der Qualität des Auswahlverfahrens zu zweifeln. Die Messlatte bei den Einzelgesprächen liege sogar höher als früher, und bei Themen wie Deeskalationsstrategien, Psychologie und Soziologie sei viel geschehen.

Werbung in Kinos

Die Werbung für die Ausbildung wurde mittlerweile deutlich mehr auf das Internet, soziale Medien und in Kinos verlagert. Mit der wachsenden Terrorgefahr, dem Flüchtlingszustrom und den vielen Einbruchsdiebstählen gebe es auch einfach eine neue Zeitrechnung, erklärt Grün die Trendwende. Hertel und Innenminister Peter Beuth (CDU) erklären die Entwicklung mit im Februar rund 1000 Bewerbern mehr im Vergleich zum Vorjahr auch mit dem weiter hohen Stellenwert der Polizei in der Gesellschaft.

25 Bewerber sitzen am Montag in einem engen Büroraum der Akademie zu viert in langen Reihen und wollen Teil der neuen Zeitrechnung werden. Um 7.15 Uhr ist ihr erster Prüfungstag mit einem umfassenden PC-Test gestartet. Dabei geht es um Rechtschreibung, Konzentrationsübungen sowie einen strukturellen Intelligenztest. Drei Stunden später steht fest: Nur 13 Kanidaten dürfen zur Sportprüfung antreten, für den Rest der Gruppe ist der Traum von einer Polizeikarriere vorerst vorbei. Durchschnittlich die Hälfte der Bewerber fällt nach Angaben von Hertel beim PC-Test durch.

Auch bei der Sportprüfung in der nahegelegenen Sporthalle zeigt sich schnell, wer seine Nervosität nach der Einweisung von Ausbilder Rüdiger Zipp im Griff und das erforderliche Leistungsvermögen bei den Lauf-, Kraft- und Geschicklichkeitsübungen hat. Alle Teilnehmer pumpen sich voll aus, bekommen nach ihrem Parcours Applaus und werden abgeklatscht. Manche Gesichter werden nach der Leistung der Konkurrenten aber schnell lang.

Während sich die Bewerber über einen Leitfaden auf der Interneseite der hessischen Polizei auf die PC- und Sportübungen vorbereiten können, gilt Teil drei des Bewerbungsverfahren mit einer Gruppenaufgabe und einem Einzelinterview als schwierigster Part. Zum Abschluss des zweitägigen Verfahrens muss auch noch die körperliche Eignung bei einer Tauglichkeitsuntersuchung bestanden werden.

Extra ins Studio

Von so vielen Leuten beobachtet an einer Diskussion teilzunehmen, das sei schon sehr schwierig gewesen, berichtet Felix S., der beim letzten Einstellungstermin den Sprung zum dreijährigen Studium an der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung geschafft hat. Orhan D. hatte sich extra vorher in einem Fitnessstudio angemeldet. Auch Alina S. betont, dass das Verfahren ohne umfangreiche Vorbereitung nicht zu schaffen gewesen wäre.

70 Prozent Männer

Bei der Ausbildung zum Kommissar im gehobenen Polizeivollzugsdienst werden zwei Studiengänge angeboten: Für die Schutz- und für die Kriminalpolizei. Der Abschluss ist ein Bachelor of Arts. Rund 70 Prozent der Bewerber sind Männer und etwa 30 Prozent Frauen. Aus anderen Bundesländern kommen knapp 30 Prozent der Interessenten nach Hessen. Einen Migrationshintergrund haben rund 15 Prozent der angehenden Polizeikommissare. Ziel der Landesregierung ist es, mit der Ausbildungsoffensive 1010 zusätzliche Polizeivollzugsbeamte bis zum Jahr 2020 einzustellen. Für die dann fertig ausgebildeten Kräfte belaufen sich die Kosten im Jahr 2020 laut Innenministerium auf 61 Millionen Euro. Derzeit gibt es in Hessen knapp 14 000 Polizeivollzugsbeamte und rund 2000 Anwärter.

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