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Interview: Hundetrainerin Anita Balser über das Verhältnis zwischen Mensch und Hund

Mit der Usinger Hundetrainerin Anita Balser sprach unser Reporter Dieter Hintermeier über das ganz besondere Verhältnis zwischen Mensch und Hund, Erziehungsmethoden, wer sich einen Hund anschaffen sollte und wer nicht.
Die Usinger Hundetrainerin Anita Balser hat viel Erfahrung mit dem besten Freund des Menschen.

Frau Balser, erzählen Sie uns, wie sind Sie Hunde-Trainerin geworden?

ANITA BALSER: Das ist mittlerweile fast 27 Jahre her. Hunde und Menschen waren und sind für mich schon immer unglaublich faszinierend. Damals gab es noch keine Institute, die eine Hundetrainer-Ausbildung angeboten haben. So habe ich angefangen, Philosophie zu studieren und daneben bei allen damals namhaften Hundetrainern Seminare und Praktika zu machen. Es dauerte einige Jahre, dann warf ich alles über Bord, fokussierte mich ausschließlich auf die Beobachtung von Hunderudeln und leitete von ihrem Verhalten alles ab, was ich bis heute lehre.

Was zeichnet denn das besondere Verhältnis zwischen Mensch und Hund aus?

BALSER: Hunde leben mit uns, ohne uns zu bewerten oder zu verurteilen – und vor allem lieben sie uns bedingungslos. Das ist auf eine gewisse Art „das verlorene Paradies“, welches wir seit Kindertagen vermissen. Als Kinder wurden wir bedingungslos geliebt, wir mussten nichts sein und nichts haben. Genauso sieht uns der Hund.

Wie viel Erziehung braucht „ein guter Hund“?

BALSER: Mehr als Erziehung im Sinne von Kommandos braucht er eine stabile Beziehung. Diese entsteht, wenn das Verhältnis aus Respektelementen und Zuneigung ausgeglichen ist.

Sind Sie schon einmal bei der Erziehung eines Hundes gescheitert?

BALSER: Ja, bei meinem aller ersten Hund. Das war ein wilder schwarzer Schäferhund aus dem Tierheim, der alle anderen Hunde gehasst hat. Ich habe verzweifelt nach Hilfe gesucht, doch damals gab es keine Hundeschulen an jeder Ecke. Durch ihn kann ich bis heute nahezu jede Emotion eines Hundehalters verstehen, wenn dieser gezwungen ist, nur noch nachts spazieren zu gehen, um niemandem zu begegnen. Die Anita von heute hätte der Anita von damals einen Weg aus diesem Dilemma zeigen können.

Wie viel kann ein Hund lernen?

BALSER: Lernen im Sinne von Erlernen verschiedener Kommandos: viel mehr, als viele glauben, wenn denn die Ausbildung logisch ausgebaut ist. Diese Art von Lernen spielt bei mir allerdings keine Rolle, viel mehr begeistern mich die sozialen Fähigkeiten der Hunde und ihre Bereitschaft, den Menschen zu verstehen, obwohl er völlig anders kommuniziert.

Was spricht dafür, sich einen Hund anzuschaffen? Was spricht dagegen?

BALSER: Das Motiv spielt eine große Rolle für die Beziehung zum Hund. Wer einen Begleiter in seinem Leben möchte, wird mit einem Hund einen tollen Freund bekommen. Hat man aber als Motiv Mitleid, Angst vor Menschen oder vermisst man eigentlich die Liebe eines Menschen und nimmt den Hund als Ersatz, wird man je nach Hund sehr bald Schwierigkeiten bekommen. Hunde brauchen neben Liebe auch klare Führung – und wer das nicht leisten kann, ist bald der „Betreuer der Hundes“, dessen Leben durch den Hund eingeschränkt wird.

Wann der Hund domestiziert wurde

Die wilde Stammform des Haushundes (Canis lupus familiaris) ist der Wolf, dem er als Unterart zugeordnet wird. Wann genau die Domestizierung stattfand, liegt bisher noch im Dunkeln.

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Gelten für Hunde auch bestimmte „Erziehungsmoden“?

BALSER: Im Bezug auf Hundeerziehungsmethoden gibt es bestimmt Moderichtungen. Die Extreme sind da sicher die rein auf positive Bestärkung setzenden Hundetrainer im Gegensatz zu jenen, die die Hunde am liebsten den ganzen Tag unterwerfen würden. Und das umfangreiche „Dazwischen“. Ich persönlich sehe in der Methodenvielfalt, wenn die Methode tierschutzkonform ist, einen großen Vorteil für den Hundehalter. Wer die Bereitschaft hat, sich mehrere Wege anzusehen, wird sicher den finden, den er authentisch leben und umsetzen kann.

Welche Hunderassen sind aktuell „in Mode“?

BALSER: Aktuell erfreuen sich Australien Shepherds zumindest in meiner Hundeschule großer Beliebtheit. Mit all den Schwierigkeiten, die es mit sich bringt, wenn man sich einen Vollbluthütehund ins Haus holt. Ansonsten kommen zu uns Hundehalter mit Hunden aller Rassen.

En vogue sind auch Hunde-Trainer-Sendungen, wie zum Beispiel die von Cesar Milan. Können Hundebesitzer davon etwas lernen?

BALSER: Das kommt darauf an, wie sehr der Hundehalter differenzieren kann, für wen, wann und in welcher Situation im TV diese Tipps gegeben werden. Ich habe selbst zehn DVDs auf dem Markt mit Anleitungen für den Alltag. Trotzdem bestätigen mir meine Seminarteilnehmer nach einem Seminar unter meiner persönlichen Anleitung, wie unglaublich hilfreich eine individuelle Anpassung des dort Gezeigten für sie ist!

Wenn aktuell über das Thema „Hund“ geredet wird, kommt man auf Grund tragischer Vorfälle nicht an den sogenannten Kampfhunden vorbei. Sind diese eine Gefahr für die Bevölkerung?

BALSER: Hunde haben ihre Zähne nicht nur zum Fressen, somit kann von jedem Hund in der falschen Hand eine Gefahr ausgehen.

Abschlussfrage: Was ist Ihr Lieblingshund?

Meine große Liebe waren schon immer die deutschen und belgischen Schäferhunde, ich liebe ihre Bereitschaft zur Kommunikation und ihre klaren Feedbacks, wenn man Fehler macht.

Zurzeit lebt bei mir neben meiner alten grauen Schäferhündin „Motte“ noch der junge Border Collie „Rudi“. Das ist ein wirklich toller Hund!

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