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Im Dienste der Prävention

Männer, die nicht mehr schlagen. Jugendliche, die legal Graffiti sprühen – Prävention hat viele Seiten. Seit zwei Jahrzehnten verändert das neue Konzept das Strafrecht.
Wiesbaden. 

Die Vorbeugung gegen Kriminalität ist Aufgabe der gesamten Gesellschaft – mit dieser Überzeugung arbeitet seit 20 Jahren der Landespräventionsrat in Hessen. "Unser Ziel ist, dass Kriminalität erst gar nicht entsteht", sagte der hessische Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) bei einer Feierstunde zu dem Jubiläum in Wiesbaden.

In dem Rat arbeiten nicht nur Polizei und Justiz, sondern auch Experten für Bildung, soziale Fragen, Jugend sowie Vertreter der Kommunen und der Wissenschaft zusammen. Ein wichtiges Zukunftsthema sei die Verhinderung von Gewalt gegen ältere Menschen, sagte Gisela Zenz, die stellvertretende Vorsitzende des Rates.

Weitgehend akzeptiert

Es habe einen gesellschaftlichen Wandel über zwei Jahrzehnte gegeben, einen veränderten Blick darauf, was Kriminalität ist und wie man sie verhütet, betonten alle Redner bei der Feierstunde. Damals habe er als junger Staatsanwalt mit Vorstellungen von einem Täter-Opfer-Ausgleich noch allein gestanden, sagte der Marburger Kriminologe Dieter Rössner, der amtierende Vorsitzende des Rates. Heute sei die Methode weitgehend akzeptiert.

Hessen war Vorreiter

Hessen war 1992 unter SPD-Justizminister Herbert Günther das zweite Bundesland, das einen Landespräventionsrat einrichtete. Treibende Kraft war der Frankfurter Politikwissenschaftler Iring Fetscher. Mittlerweile gibt es derartige Expertenräte in fast allen Bundesländern. Als bundesweite Veranstaltung findet jährlich der Deutsche Präventionstag statt. Regional gibt es in Hessen 170 Präventionsprojekte.

Beispiele für die Themenvielfalt des Präventionsrates:

Häusliche Gewalt: "Im Zentrum steht seit jeher Gewalt gegen Frauen", berichtete die Sozialwissenschaftlerin Zenz. Wichtige Fortschritte zum Schutz von Frauen seien das Gewaltschutzgesetz vor zehn Jahren und die Anti-Stalking-Gesetze vor fünf Jahren gewesen. In Hessen sei eine Landeskoordinierungsstelle zum Kampf gegen häusliche Gewalt eingerichtet worden. Es gebe mittlerweile auch Hilfen für Männer mit einem Gewaltproblem.

Sexueller Missbrauch von Minderjährigen: Als 2010 der frühere Missbrauch von Jugendlichen in Kirchen, Heimen und Internaten bekannt wurde, hätten hessische Experten schon vorgedacht gehabt, sagte Minister Hahn. Ideen zum Umgang mit der juristischen Verjährung seien in den Runden Tisch des Bundes zum Missbrauchsskandal eingeflossen. Auch im neuen Aktionsplan zum Schutz vor sexuellem Missbrauch sei der Rat der Experten zu finden.

Schutz von Älteren

Schutz von Älteren: Das neue Heimgesetz schreibe das Recht alter Menschen auf menschenwürdige, gewaltfreie Pflege fest, sagte Zenz. Aber im privaten Bereich gebe es eine hohe Dunkelziffer: "Gewalt und Vernachlässigung in der häuslichen Pflege sind kein Ausnahmefall." Hier bräuchten die Behörden Eingriffsrechte wie beim Kinderschutz. Die Frankfurter Justiz schule bereits Ermittler, um Misshandlungen alter Menschen besser erkennen zu können.

Graffiti: Der Kampf gegen illegale Sprayer war eins der ersten Themen des hessischen Präventionsrates. Hahn erinnerte daran, wie "hochirritiert" viele Bürger in den 90er Jahren auf ihr verschandeltes Stadtbild geblickt hätten. In seiner Heimatstadt Bad Vilbel seien Wände zum Besprühen freigegeben, die Graffiti-Künstler sogar unterstützt worden.

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