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Auf Wanderung entlang des Klostersteigs: Im Rheingau: Pilgern vor der Haustür

Von Pilgern ist in wie nie, 2016 war ein wahres Rekord-Pilgerjahr. Da kommt der Rheingauer Klostersteig gerade Recht: Der neue Pilgerweg, eröffnet im September 2016, führt tief in die Jahrhunderte alte Klosterkultur des Rheingaus.
Wandern in Hessen: Der „Rheingauer Klostersteig” bietet eine 30 Kilometer lange Pilgerreise. Foto: Uwe Zucchi Wandern in Hessen: Der „Rheingauer Klostersteig” bietet eine 30 Kilometer lange Pilgerreise. Foto: Uwe Zucchi
Eltville. 

„Dich sehe ich, Herr, in den Blumen des Feldes, in allem sehe ich Dich, Herr“, heißt es in einem alten Kirchenlied aus Peru. Das Lied steht auf einer Tafel am Wegesrand mitten in den Weinbergen oberhalb von Schloss Johannisberg. Hier, in der Weinlage Honigberg, liegt einer der vier Ruhepunkte des Rheingauer Klostersteigs. Kurze Lebensweisheiten oder liturgische Texte laden an besonders besinnlichen Punkten zur inneren Einkehr, zum Verweilen, zum Meditieren.

„Der Pilger soll Kraft schöpfen, um vom Alltag auszuspannen, und durchaus auch spirituell eintauchen in die klösterliche Welt des Rheingaus“, erklärt Wolfgang Blum, Wanderführer im Rheingau. Blum ist Wander-Afficionado, für sein Konzept „Pilgerwandern im Rheingau“, bekam er 2016 den Tourismuspreis des Rheingaus. „Es geht auch darum, Stille ganz bewusst zu erleben“, sagt er, „beim Wandern ist man geerdet.“

Zu sechs Klöstern

„Beten mit den Füßen“ nennt Blum das, nirgendwo besser kann man das umsetzen auf dem neuen Klostersteig: Seit September 2016 verbindet die neue Wanderroute sechs Klöster im Rheingau auf einer Länge von 29,5 Kilometern Länge miteinander. Von der früheren Zisterzienserabtei Kloster Eberbach aus führt der Weg durchs Pfingstbachtal nach Johannisberg, es geht fernab von jeder Alltagshektik durch Natur pur. „Hier ist man von den Problemen der Welt ganz weit weg“, schwärmt Blum.

Der Rheingauer Klostersteig ist der erste komplette Pilgerweg im Rheingau, und Pilgern, sagt Blum ist „absolut en vogue.“ Nicht zuletzt seit Hape Kerkelings Bestseller „Ich bin dann mal weg“ ist gerade der Jakobsweg nach Santiago de Compostela ein echter Kultweg geworden. Vergangenes Jahr stellten sie dort rund 280 000 Pilgerurkunden aus, so viele wie nie, weiß Blum.

Auch im Rheingau startet ein Ableger des Jakobsweges, vom Kloster St. Hildegard aus führt er über den Rhein nach Bingen und von dort durch Rheinhessen. Es war Caspar Söling, Geschäftsführer des St. Vincenzstiftes in Aulhausen, der die Idee zum eigenen Klostersteig im Rheingau hatte. Das Ziel: An die große Zeit der Rheingauer Klöster zu erinnern – und zugleich die Tür zu einer neuen Form des Wanderns öffnen.

Eigene Pilgerzimmer

Vor gut einem Jahrtausend blühten die Klöster im Rheingau, allen voran Kloster Eberbach, das die Zisterzienser zu einem Wirtschaftszentrum und weltbekannten Weingut machten. Doch auch in Marienhausen ließen sich Zisterzienserinnen nieder, in Schloss Johannisberg erinnert die beeindruckende, wuchtige Basilika bis heute an die ersten Benediktiner. Heute gibt es im Kloster Johannisberg ein Hotel, das auch eigene Pilgerzimmer anbietet.

„Pilgerherbergen wie am Jakobsweg gibt es bei uns nicht“, sagt Blum, dafür sei der Rheingauer Klostersteig viel zu klein. „Aber in Marienthal kann man an der Pforte klingeln und seine Sorgen vortragen“, hier gebe es immer ein offenes Ohr.

Marienthal, Nahegottes und die Abteil St. Hildegard sind drei noch aktive Klöster, sie liegen im Abstand von wenigen Kilometern am zweiten Teil des Klostersteigs. Marienthal ist bis heute eine echte Pilgerstätte für die Heilige Maria, in St. Hildegard halten sie das Erbe der Gründerin Hildegard von Bingen hoch, hier ist die Heilige, die bis heute durch ihre Kräutermedizin berühmt ist, auch begraben.

Bergauf und bergab führt dann der Klostersteig durch das Ebental nach Aulhausen oberhalb von Rüdesheim und zum Ziel des Pilgerpfades: die kleine Marienkirche der Zisterzienserinnen.

Das schmucke Gotteshaus wurde zuletzt aufwendig saniert, die Fenster vom Frankfurter Atelier Goldstein mit Hilfe beeinträchtigter Künstler gestaltet, erzählt Blum. Naturerfahrung und Einkehr – der Klostersteig verbindet beides. „Man kann“, sagt Blum, „beim Pilgerwandern den Weg zu sich selbst finden.“ Am Ende des Weges kann man das sogenannte „Eberbacher Kreuz“ als Erinnerung und Belohnung bekommen.

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