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Erziehung: In Wiesbadener Kindergarten wird die Reformpädagogik Freinet angeboten

Alle reden von der Gebührenfreiheit, doch welche pädagogischen Konzepte gibt es eigentlich in hessischen Kitas? In einer Serie stellen wir verschiedene vor. Heute die Freinet-Pädagogik in der städtischen Kita Europaviertel in Wiesbaden.
Foto: Paul Müller Die älteren Kinder dürfen auch alleine oder in Gruppen aufs Außengelände oder in den Flur.
Wiesbaden. 

Wir sitzen im Morgenkreis und David, Stefan, Yassin, Elaine und Sofie und die anderen Kinder sagen der Reihe nach ihre Namen und wie alt sie sind. Denn heute ist die Zeitung zu Gast und es werden dafür auch Fotos gemacht, erklärt Kita-Leiterin Elisabeth Schnell. Drei der älteren Kinder sind heute nicht da, sie sind zu Besuch in der Schule. Und als geklärt ist, wer heute alles da ist und wer nicht, schlägt David vor, dass sie ein Spiel spielen, nämlich den „Deckengeist“. Adriano geht vor die Tür. David holt eine Decke, wählt Yassin aus, der den Deckengeist spielen darf. Yassin legt sich eingerollt unter die Decke. Dann rufen alle: „Deckengeist, du darfst kommen!“

Dialog im Vordergrund

Adriano kommt wieder ins Zimmer und soll nun raten, welches Kind unter der Decke liegt. „Ricardo?“, „Nein“, rufen die Kinder. „Soll der Deckengeist mal einen Fuß rausstrecken?“, fragt Schnell die Kinder. „Ja“, und Yassin streckt einen Fuß hervor, so dass Adriano ihn schnell erraten kann. Dann ist Yassin dran mit der Auswahl. Yassin wählt ein kleines Mädchen mit Locken aus dem Kreis aus, sie legt sich flach unter die rote Decke und Lennard kommt rein und errät sofort ihren Namen: „Emma!“. Dann ist das Spiel vorbei und Emma und Yassin melden sich ab für die Turnhalle.

„Bei Freinet steht der Dialog mit den Kindern im Vordergrund“, erklärt Schnell das Konzept. „Etwas sagen dürfen, sich abstimmen über die Aktivitäten, das ist für einige Kinder eine große Herausforderung.“ Gerade die jüngeren meldeten sich noch bei allem. Die älteren dürfen auch alleine oder in Gruppen aufs Außengelände, in den Flur, wo es auch Spielmöglichkeiten gibt oder in andere Gruppen. Oder eben in die Turnhalle oder eine der Werkstätten: Es gibt eine Holzwerkstatt und einen Töpferraum, den die Kinder selbstständig nutzen können.

Selbst herstellen

Im Treppenhaus gibt es eine aus einem gelben Baustellenrohr gefertigte Kugelbahn. In einem Gruppenraum dienen zersägte Äste dem freien Spiel, die älteren Kinder basteln hier auch ab und an mit Batterien einen „heißen Draht“ oder einen Blechdosenroboter. Korken, Tannenzapfen, alte Bauklötzchen dienen als Materialien für die Holzwerkstatt. An der Wand der Werkstatt steht ein schief abgesägtes Holzbrett mit einem mit Buntstiften gemalten Bild. In der Tonwerkstatt zieren selbstgeknetete Tongespenster die Tische. Die Figuren sind in der Rohfassung, weder gebrannt noch bemalt. Also schwer erkennbar, was das werden soll.

Die Mädchen versuchen, die vorderen Reihen von Steinen freizuräumen und zählen dabei so flink, dass der ungeübte Zuschauer kaum mitkommt. Emma zählt die Steine ab: „Eins, zwei, drei, vier, fünf.“ Dann fragt Schnell ein Mädchen, das zuschaut: „Marlene, kannst du für mich einen Auftrag erledigen? Kannst du das für mich in die Mondgruppe bringen?“

Marlene nickt, nimmt den Zettel und verschwindet durch die Tür. Ein anderes Mädchen setzt sich an einen kleinen Tisch mit Knetmasse. Aus der rosa gefärbten Masse formt es mit der flachen Hand nun kleine runde Rollen, die es zu einer Bretzel zusammenlegt.

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