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Ausbildungsinstitut: International renommierte Kronberg Academy feiert Jubiläum

Von Weniger in die Vergangenheit denn auf Gegenwart und Zukunft richtet die Kronberg Academy den Blick im Jahr ihres 25-jährigen Bestehens. Die Ausbildung junger Musiker geht ebenso intensiv weiter wie der gerade begonnene Neubau des „Casals Forums“.
Festival-Gründer Raimund Trenkler (links), Cello-Legende Mstislaw Rostropowitsch und Schirmherrin Marta Casals Istomin 1997 in Kronberg. Bilder > Festival-Gründer Raimund Trenkler (links), Cello-Legende Mstislaw Rostropowitsch und Schirmherrin Marta Casals Istomin 1997 in Kronberg.
Kronberg. 

„Begabung heißt Verantwortung.“ Auf diese kompakte Formel bringt Raimund Trenkler Aufgabe und Ziel jener Institution, die er vor genau 25 Jahren gründete und bis heute leitet. Will heißen, Begabung besitzt immer einen ausgeprägten ethischen Aspekt. Obgleich jedem persönlich und unverwechselbar gegeben, bleiben Talente und Fähigkeiten nie privat. Jeder Mensch, sagt der ausgebildete Cellist Trenkler, habe die Pflicht, seine Begabungen zu entdecken und zu entwickeln, freilich unterstützt von erfahrenen Lehrern.

Zu denen zählte Bernard Greenhouse, der Gründungscellist des „Beaux Arts Trios“. Bis ins biblische Alter hinein gab er in Kronberg Meisterkurse, erläuterte auf unnachahmliche Weise den Gehalt eines Musikstücks. Zu den oft 65 Jahre jüngeren Studenten besaß er einen direkten Draht und umgekehrt sie zu ihm. Bei jedem Teilnehmer blieb seine wunderbar bildhafte, lebendige Sprache haften. Aber auch sein Einfühlungsvermögen und seine künstlerische Disziplin. Sein Beispiel zeigt, dass sorgsam entwickeltes Talent einem gelungenen Leben ebenso dient, wie es der Gemeinschaft Gewinn bringt.

Pädagogischer Auftrag

Vor allem, wenn ein Künstler von Rang sein Wissen, seine Erfahrung an jüngere Musiker weitergibt. Dieser Gedanke lag schon Platons Akademie im antiken Athen zugrunde, nach deren Vorbild Trenkler die „Internationale Kammermusik-Akademie“ aufbaute, die seit 1999 ihren heutigen Namen trägt. Von Anfang an sei in der Satzung der „pädagogische Auftrag“ festgeschrieben worden, sagt er. „Feste Bestandteile sollten von vornherein Meisterkurse, Vorträge, Ausstellungen sein.“ In jedem Fall gelte es, die „Kette der Weitergabe“ von Wissen und Können, die teilweise bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht, nicht zu unterbrechen.

Der Anspruch sei fraglos ein sehr hoher und global ausgerichteter. Geht es darum, eine Elite zu bilden und zu fördern? Ja, sagt Trenkler, freilich im Sinne bestmöglicher Bildung von Künstlerpersönlichkeiten. Dafür sei die Burgstadt im Taunus der rechte Ort. Sir Andras Schiff, seit vielen Jahren als Pianist und Dozent tätig, schwärmt regelrecht von der Atmosphäre: „Kronberg ist für uns Musiker eine Oase in der Mitte Deutschlands. Viele junge Menschen zieht es in große Städte wie London oder New York, die aufregend, aber unruhig sind. Hier in Kronberg finden junge Musiker die Ruhe und das Verständnis, das sie brauchen, um sich entfalten zu können.“

Persönliche Betreuung

Derzeit studieren 25 junge Instrumentalisten, Geiger, Bratscher und Cellisten, aus 20 Ländern in Kronberg. Sie streben einen international anerkannten Bachelor- oder Masterabschluss an. Das Studium gibt es seit 2007, Partner der Academy ist die Frankfurter Hochschule für Musik und darstellende Kunst. „Jeder Student durchläuft ein auf ihn zugeschnittenes Studium“, erläutert Friedemann Eichhorn. Der Professor für Violine ist heute Leiter der Studiengänge und gehörte zu Anfang des vorigen Jahrzehnts selbst zu den Teilnehmern von Kammermusikkursen in Kronberg.

Dank persönlicher Betreuung werde individuell auf die Bedürfnisse der jungen Musiker eingegangen, vor allem beim jeweiligen Stundenplan, erläutert Eichhorn. Außer dem Unterricht bei den Größen ihres Instruments beinhalten die Studiengänge Standardmodule wie Gehörbildung, Musiktheorie und Musikgeschichte sowie Karriere-Management. Miteinander und voneinander zu lernen, hebt der promovierte Musikwissenschaftler als weiteren wichtigen Aspekt des Studiums hervor.

„Überzeugend kann Hochbegabte nur fördern, wer auch in die Breite geht“, ergänzt Academy-Leiter Trenkler. „Das Feuermann-Konservatorium in Kronberg leistet diese hochwertige Basisausbildung.“ Jedem Kind in der Rhein-Main-Region stehe die Einrichtung offen. Das Angebot stößt nach seinen Worten auf erfreulich positive Resonanz.

Musikern wie Gidon Kremer, Nicolas Altstaedt, Istvan Varday oder Marie-Elisabeth Hecker bedeutet Kronberg ein Stück künstlerischer und auch menschlicher Heimat. Sie kehren immer wieder zu Konzerten oder Kursen dorthin zurück. Einer fühlte sich hier besonders wohl, so wohl, dass er Kronberg kurzerhand zur „Welthauptstadt des Cellos“ erhob. Mstislaw Rostropowitschs Herzlichkeit teilte sich nach gelungenen Auftritten in der Stadthalle oder der Johanniskirche ganz direkt mit. Ein damals noch recht junger Musikkritiker stand einmal quasi „griffbereit“ und fand sich ausgiebig umarmt, geherzt, geküsst, ehe das nächste „Opfer“ einer neuerlichen Umarmungsattacke an die Reihe kam.

Zeit und Muße

Die bislang über mehrere Gebäude verteilten Aktivitäten der Academy sollen von spätestens 2021 an in einem neuen Bauwerk untergebracht werden. Im Herbst vergangenen Jahres fiel der Startschuss für den Bau „Casals Forums“ in Nachbarschaft des Kronberger Bahnhofs. Nach außen hin sind der gut sichtbare Konzertsaal und das eher verdeckte Studienzentrum mit seinem begrünten Dach getrennt, jedoch unter der Oberfläche miteinander verbunden. „Der Kammermusiksaal mit seinen 550 Plätzen spiegelt Offenheit, während der Studienbereich ein geschützter Raum des Lernens und Arbeitens sein soll“, skizziert Trenkler das Konzept.

Das „Casals Forum“ werde keine „Taunus-Alte-Oper“ mit eigenen Konzertreihen. Vielmehr soll es nach den Worten des Academy-Leiters ein „Ort des engen Austauschs zwischen den Kulturtreibenden werden und damit einen Mehrwert für die Region schaffen“. Wird denn der aufwendige Komplex ausgelastet sein? „Ohne jede Frage“, gibt der künftige Hausherr zurück. „Der Inhalt ist ja schon vorhanden, er muss sich nur seinen Raum suchen, nicht umgekehrt.“ Das unterscheidet das Forum an der Peripherie der Kronberger Innenstadt beispielsweise vom Königsteiner Haus der Begegnung, für das nach extrem kostspieliger Renovierung mühsam Veranstaltungen akquiriert werden müssen.

Dass klassische Musik Zukunft hat, davon zeigt sich Trenkler überzeugt. Dafür soll nicht zuletzt der Neubau Zeichen sein. „Sehr vieles läuft heute sehr viel schneller ab als früher. Nur braucht es immer noch viel Zeit und Muße, ein Kunstwerk, zum Beispiel eine Sonate zu erfassen und deutend umzusetzen.“ Dafür bedürfe es der Kreativität sowie Zeit und Raum zur Reife. Er halte es für eine „kritische Entwicklung“, wenn der „Musikmarkt bestimmt, was gute Musik und wie sie zu spielen ist“, unterstrich er.

Das „Casals Forum“ wird in diesem Sinne nicht nur der lebendigen Weitergabe von Tradition und Wissen, sondern gleichermaßen zur Bildung und Ausbildung künstlerisch-musikalischen Geschmacks dienen.

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