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Große Lücken auf dem Land: Internet wird langsam schnell

Schnelles Surfen im Web ist in Hessens Städten kein Problem. Auf dem Land ist das häufig noch anders. Zwar kommt der Breitbandausbau dort voran – schon ist aber noch schnelleres Netz gefragt.
Glasfaserausbau Foto: Uli Deck (dpa) Glasfaserkabel eines Breitband-Versorgers: Bis Ende 2018 soll es der Landesregierung zufolge in ganz Hessen schnelles Internet geben.
Frankfurt. 

Online ein Buch kaufen, ein Computerspiel downloaden oder große Datenpakete versenden – gerade auf dem Land brauchen Hessen dafür oftmals Geduld. Noch immer warten dort zahlreiche Bürger und Firmen auf das schnelle Internet. Der Ausbau kommt zwar landesweit voran, doch die nächsten Herausforderungen stehen schon an.

Bis Ende 2018 soll es in ganz Hessen das schnelle Internet geben. Kritiker gehen davon aus, dass es mancherorts etwas länger dauern werde. Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) sieht das Land aber auf der Zielgeraden, wie er am Mittwoch beim Hessischen Breitbandgipfel in Frankfurt sagte. Allerdings sei noch schnelleres Internet nötig, man müsse schon heute die „Gigabit-Gesellschaft“ planen.

Mancherorts froh

Mancherorts in Nordhessen wäre man derzeit schon über „normal“ schnelles Netz froh. „Wir haben enorme Versorgungslücken mit schnellem Internet“, berichtet etwa Eduard Dippel, Ortsvorsteher von Oberurff-Schiffelborn, das zur nordhessischen Gemeinde Bad Zwesten gehört. Teilweise gebe es nur eine langsame oder sogar gar keine Verbindung.

Von der unzureichenden Anbindung seien nicht nur Privatleute betroffen, sondern auch Firmen und eine Schule. Das sei schon eine „arge Einschränkung“ – und ein Standortnachteil. „Machen wir uns nichts vor: Bis dann mal eine Seite bei Amazon aufpoppt – das ist einfach nur nervig“, sagt Dippel.

Nick Kriegeskotte, Bereichsleiter Telekommunikationspolitik beim Digitalverband Bitkom, stellt fest: „Beim Ausbau des schnellen Internets hat man in den vergangenen Jahren bundesweit schon große Fortschritte erreicht.

Der ländliche Raum ist dabei aber ein Knackpunkt. Während 2016 der städtische Raum zu 86 Prozent mit 50 Mbit pro Sekunde versorgt war, waren es auf dem Land nur 30 Prozent.“ Der Grund dafür sei oftmals, dass auf dem Land „der Ausbau für die Netzbetreiber weniger wirtschaftlich ist, weil dort weniger potenzielle Konsumenten leben. Dort kann die öffentliche Hand durch Förderprogramme helfen, den Ausbau voranzubringen“. Es sei zu erwarten, dass der ländliche Raum in der nächsten Zeit deutlich aufholen wird, weil dann Förderprogramme von Bund und Ländern greifen.

Bei den besonders schnellen Verbindungen von mindestens 50 Megabit (Mbit) pro Sekunde ist Hessen nach Zahlen des Bundesverkehrsministeriums zu 78,3 Prozent versorgt. Damit liegt es im Ländervergleich auf dem sechsten Rang. Betrachtet man dabei nur die Flächenländer, belegt Hessen den dritten Platz.

Stück für Stück voran geht es auch in Nordhessen. Fünf Landkreise haben sich zusammengeschlossen, um eine flächendeckende Versorgung zu erreichen. Mehr als 320 Kilometer Trasse wurden nach Angaben der Breitband Nordhessen GmbH seit Beginn der Bauarbeiten 2016 gebaut. „Es geht hierbei nicht um den Anschluss in Städten und größeren Orten – dort ist der Ausbau der Infrastruktur für die konventionellen Anbieter von Telekommunikation wegen der großen Dichte an Kunden attraktiv genug.

Die Breitbandgesellschaft bereitet vielmehr den Anschluss in den rund 570 Ortsteilen vor, deren Versorgung sich für einen gewöhnlichen Netzanbieter kaum lohnen würde“, hatte die GmbH Anfang Juni mitgeteilt.

Nicht nur für Firmen

Auch die Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg sieht die Region auf „einem guten Weg“, wie der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Ulrich Spengler sagt. Doch man müsse schon jetzt an die nächste Ausbaustufe denken. „In Zeiten von Wirtschaft 4.0, wo man große Datenmengen handhaben muss und daran auch neue Geschäftsmodelle hängen, ist es ein noch stärkerer Wettbewerbsnachteil als zuvor, wenn man nicht mit schnellem Internet versorgt ist.“

Nicht nur für Firmen ist die Netzanbindung ein wichtiges Entscheidungskriterium für einen bestimmten Ort, sondern auch für junge Leute. „Junge Familien, die herziehen oder hier bauen wollen, fragen nach Kindergarten und Internet“, berichtet Kurt Lechky, Ortsvorsteher in Sachsenberg, das ein Stadtteil von Lichtenfels im Kreis Waldeck-Frankenberg ist. Eine gute Internetverbindung wäre auch deshalb wichtig, um Einkäufe online erledigen zu können, denn im Ortsteil gebe es keine Geschäfte mehr.

Weil derweil in Oberurff-Schiffelborn noch unklar ist, wann genau das schnelle Internet kommt, setzen die Bürger auch auf Eigeninitiative. Ortsvorsteher Dippel zufolge habe man bei einem Netzbetreiber angefragt, was ein Anschluss kosten würde. Ob man diesen Weg geht oder doch noch ein wenig aufs schnelle Netz wartet, wird im Ort noch diskutiert, wie Dippel sagt.

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