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Leiterin der „Kita des Jahres“: Interview mit Gabriele Steltner-Merz: „Kinder sollen ihre Talente entfalten“

Von Das Familienzentrum Ludwig-Uhland-Straße in Maintal-Bischofsheim ist zur „Kita des Jahres“ gewählt worden. Den Preis vergibt eine Initiative von Bundesfamilienministerium und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Mit der Leiterin des Zentrums, Gabriele Steltner-Merz, sprach unser Reporter Dieter Hintermeier über das Besondere der Einrichtung, über pädagogische Konzepte und über Fortbildungen im Ausland.
Leiterin Gabriele Steltner-Merz freut sich über den Erfolg ihres Teams. Foto: privat Leiterin Gabriele Steltner-Merz freut sich über den Erfolg ihres Teams.

Frau Steltner-Merz, waren Sie überrascht, dass ihre Kita zur besten in Deutschland gekürt wurde?

GABRIELE STELTNER-MERZ: Schon seit dem Vorentscheid war das Familienzentrum Ludwig-Uhland-Straße unter den 30 besten Kitas Deutschlands und die einzige aus Hessen! Dann waren wir im nächsten Schritt unter den besten zehn und sind letzte Woche neugierig nach Berlin zur Preisverleihung gefahren. Die Veranstaltung war bis zur letzten Minute sehr spannend – vorab war zu uns nämlich noch nichts über die Preisträger des Abends durchgesickert. Wir freuen uns wirklich außerordentlich über diese tolle Auszeichnung!

Was werden Sie mit dem Preisgeld von 25 000 Euro machen?

STELTNER-MERZ: Wir wollen einen großen Teil des Geldes in eine weitere Bildungsreise für das Team investieren. Wahrscheinlich fahren wir nach Italien oder England, um uns vor Ort über ausgezeichnete pädagogische Ansätze zu informieren. Die neuen Impulse kommen so der hohen Qualität unserer Arbeit sowie den durch uns betreuten Kindern zugute.

Sehen Sie Ihre Einrichtung jetzt als Vorbild für viele andere?

STELTNER-MERZ: Wir wollen uns anderen nicht als Vorbild „aufdrängen“. Wir selbst kennen eine Reihe von vorbildlich arbeitenden Einrichtungen. Aber wir sind natürlich stolz auf unsere Arbeit und Leistung.

Welches pädagogisches Konzept verfolgen Sie?

STELTNER-MERZ: Wir verfolgen das Ziel, die Kinder unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft darin zu unterstützen, ihre Lebenswelt zu verstehen und selbstbestimmt, kompetent und verantwortungsvoll zu gestalten. Zudem beziehen wir die Eltern stark in die pädagogische Arbeit mit ein und stärken die Familien aus dem Stadtteil durch geeignete Angebote – beispielsweise durch Deutsch-Kurse, und Elterncafes.

Was unterscheidet ihre Kita von anderen denn besonders?

STELTNER-MERZ: Besonders finden wir, dass wir viele Jahre intensiv an unserem pädagogischen Konzept feilen konnten und uns stets weiterentwickelten, indem wir für ausgewählte pädagogische Fragen andere Länder besuchen. So waren wir bereits mehrfach in Reggio Emilia (Italien), um die Projektarbeit mit Kindern besser zu verstehen. Für den Ausbau zum Familienzentrum besuchten wir England und zum Thema Inklusion Finnland, um einige Beispiele zu nennen. Zudem haben unsere pädagogischen Fachkräfte viele Zusatzqualifikationen, beispielsweise arbeiten in unserem Team eine Psychologin, Tanzpädagogen, Natur- und Umweltpädagogen, Expert*innen für Sprache und Inklusion, EEC-Berater und Begabtenpädagogen.

Was sollten Kinder in der Kita lernen?

STELTNER-MERZ: Wir verstehen das Ziel unserer Arbeit darin, Kinder dabei zu unterstützen, ihre vielfältigen Begabungen zu entfalten. Dazu bedarf es einer Pädagogik „des positiven Blicks“, aber auch der Einbindung der Eltern in die Lernprozesse ihrer Kinder. Es geht nicht um eine kindgerechte Pädagogik im Sinne von: „Das ist gut für alle Kinder“, sondern um die individuelle Förderung, die die Ressourcen des einzelnen Kindes entdeckt und diese zielgerichtet weiterentwickelt. Dies alles kann sich nur im Zusammenspiel mit den Eltern und den damit verbundenen spezifischen Rahmenbedingungen der Lebens- und Lernumwelt der Kinder entwickeln.

Wie funktioniert Integration? Wie sollte diese aussehen?

STELTNER-MERZ: Für uns bedeutet Inklusion, jedes Kind in seiner Individualität anzunehmen, es im Rahmen seiner Fähigkeiten innerhalb der Gemeinschaft zu fördern und unsere Bildungsangebote so zu gestalten, dass sie sich an den Bedürfnissen und Interessen des Kindes orientieren. Inklusion sehen wir als sozialen Prozess, bei dem wir alle Kinder, unabhängig von Herkunft, kulturellen Zugehörigkeit, körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen sowie ihrer unterschiedlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten individuell in ihrer Entwicklung begleiten.

Wo sehen sie in ihrer Kita noch Verbesserungsmöglichkeiten?

STELTNER-MERZ: Wir möchten uns gern noch stärker mit der Erweiterung des Familienzentrums beschäftigen, viele Angebote für Familien im Stadtteil können entwickelt werden, eigens dafür wird noch dieses Jahr eine Koordinatorin eingestellt, die uns dabei unterstützen wird neue Kooperationspartner zu finden, Netzwerke zu entwickeln und geeignete Angebote zu installieren.

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