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Interview mit einem buddhistischen Mönch: Interview mit Kelsang Namnyi: „Ein geistiges Fitness-Studio“

Viele Menschen reden derzeit über den Islam, dabei gibt es noch viele andere Religionen in Hessen – zum Beispiel den Buddhismus. Unsere Mitarbeiterin Daniela Englert hat den buddhistischen Mönch Kelsang Namnyi getroffen, der in Wiesbaden ein buddhistisches Zentrum leitet, mit ihm über seine Arbeit gesprochen – und über den Sinn des Lebens.
Kelsang Namnyi gießt im Serlingpa-Zentrum in Wiesbaden Wasser in Schalen – das ist eine symbolische Opfergabe an Buddha.

Kelsang Namnyi, was ist der Kernbereich Ihrer Arbeit hier in Wiesbaden?

KELSANG NAMNYI: Wir bieten hier im Zentrum in der Wiesbadener Herderstraße fast jeden Tag in der Woche Veranstaltungen an. Es gibt verschiedene Meditationsangebote, Abendvorträge, und wir studieren gemeinsam Bücher über den Buddhismus in einem Studienprogramm. Im September kommt uns Gen Kelsang Ananda besuchen, unser nationaler spiritueller Leiter in Deutschland und wird einen öffentlichen Vortrag halten. Dann gibt es auch noch buddhistische Festivals, zu denen wir reisen. Wir haben recht engen Kontakt zu unseren Freuden in Frankfurt vom Kadampa-Meditationszentrum, und machen auch gemeinsame Veranstaltungen. Wir haben zum Beispiel in Rauenthal Retreats, also mehrtägige Meditationsseminare zusammen gemacht, wo manchmal auch Schweigeperioden dabei sind.

Ihre Schule nennt sich ja Neue-Kadampa-Tradition für modernen Buddhismus. Was unterscheidet sie von anderen buddhistischen Gruppen, in Bezug auf das Moderne?

NAMNYI: Vor allem dass wir hier mitten in unserem modernen Alltag praktizieren, den Buddhismus studieren, lernen, ausprobieren, Erfahrungen damit sammeln und eben nicht, wie es in manchen anderen Traditionen der Fall ist, die Praxis auf ein klösterliches Leben beschränkt bleibt. Die meisten Leute bei uns sind keine Mönche und Nonnen, sondern Laien, haben einen Vollzeitjob, Familie und leben den Buddhismus so, wie es in unserem Fall, mitten in Wiesbaden, möglich ist. Zum Beispiel kann man einfach in der Mittagspause hier ins Zentrum kommen und eine Mittagsmeditation genießen oder abends ein Studienprogramm machen, was an unseren modernen Alltag angepasst ist. Auch die Gebete und Gesänge sind alle ins Deutsche übersetzt worden. Auch das ist ein Unterschied zu anderen Traditionen.

Sie bieten auch Meditationen in englischer Sprache an. Kommt das gut an?

NAMNYI: Es gibt hier in Wiesbaden ein großes internationales Publikum, die freuen sich dann sehr, dass hier etwas auf Englisch angeboten wird. Da kommen dann auch Spanier, Portugiesen, oder Asiaten. Wir hatten auch schon Besuch aus China und den USA.

Es gibt ja viele Vorstellungen vom Buddhismus. Was ist denn das erste Gebot eines guten Buddhisten?

NAMNYI: Einfach nicht zu schaden. Keine schadvollen Gedanken anderen gegenüber zu hegen und in Folge dessen dann auch keine verbalen oder körperlichen schädlichen Handlungen auszuführen.

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Kelsang Namnyi erklärt unserer Mitarbeiterin Daniela Englert, was seine Religion für ihn bedeutet.

Warum sind dabei die Gedanken so wichtig ?

NAMNYI: Weil alles was wir tun aus unserem Geist entspringt. Das erste, was passiert: In unserem Geist entwickelt sich eine Absicht, und aus dieser Absicht heraus führen wir eine Handlung aus und erschaffen damit letztendlich Karma.

Karma, das muss man erklären . . .

NAMNYI: Das bedeutet, dass unsere Handlungen auch Auswirkungen haben. Zukünftige Auswirkungen. Dass wir mit unseren Handlungen geistiger, verbaler und körperlicher Art Ursachen in unseren eigenen Geist sähen, die dann später zu Erfahrungen heranreifen. Wenn es positive Handlungen waren, zu angenehmen, freudvollen Erfahrungen, und wenn es negative Handlungen sind, zu leidvollen Erfahrungen.

Da sind wir dann schon beim Thema Wiedergeburt. Ist es eine Voraussetzung dafür, Buddhist zu sein, an die Wiedergeburt zu glauben?

NAMNYI: Man muss jetzt nicht, wenn man an Meditation interessiert ist, an die Wiedergeburt glauben. Aber wenn man den Geist genauer untersucht, sieht, dass er keinen Anfang und kein Ende hat, dass wir keinen Anfang und kein Ende finden können, dann ist das eine Erkenntnis, die sich dann ganz natürlich entwickelt. Weil unser Geist eine andere Natur hat, als unser Körper, eine andere Wesenheit ist.

Spiritueller Leiter des Serlingpa-Zentrums

Der buddhistische Mönch Kelsang Namnyi, 33 Jahre, fand in seiner Jugend in Mexiko zum Buddhismus der Neuen Kadampa-Tradition und erhielt die Ordination 2012 im Kadampa Mutterzentrum in England

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Sie kommen ja aus einer christlichen Familie aus Franken. Wie haben Sie zum Buddhismus gefunden und dann beschlossen Mönch zu werden?

NAMNYI: Ich habe mit etwa vierzehn Jahren schon ein starkes Interesse an meinem eigenen Geist entwickelt und daran, wie man inneren Frieden erreichen kann. Zunächst habe ich mir Bücher über Psychologie ausgeliehen. Später bin ich dann mit einem starken Interesse an Meditation auf Reisen gegangen um mehr darüber zu lernen. Ich hatte ein starkes Gefühl, dass es eigentlich nur von ihrem eigenen Geist abhängt, ob Menschen glücklich sind oder nicht. Ich habe damals Menschen gesehen, die in sehr guten Umständen gelebt haben, aber ständig unzufrieden oder wütend waren. Und andere, die relativ unbedarft, mit wenig Besitz gelebt haben und doch sehr entspannt und glücklich schienen.

Wohin sind Sie gereist?

NAMNYI: Ich hatte eine Indienreise und eine Mexikoreise gemacht. Habe da verschiedene Zentren und Lehrer besucht und bin dann schließlich bei einem Kadampa-Zentrum in Mexiko angekommen, wo eine Nonne gelebt hat, die dort Unterweisungen gegeben hat. Ich fand die Gemeinschaft dort sehr inspirierend und sehr liebevoll. Die Entscheidung, Mönch zu werden, fiel in diesem Zentrum, in dem Mönche und Nonnen lebten, die ich sehr bewundert habe. Weil sie auf mich einen sehr friedlichen und glücklichen Eindruck gemacht haben und mir eine gewisse Sinnhaftigkeit vermittelt haben.

Was ist für Sie der Sinn des Lebens?

NAMNYI: Einen glücklichen Geist zu bewahren und anderen helfen, das gleiche zu tun. Im Grund ist das, was wir alle wollen. Wir wollen alle glücklich sein und keine Probleme, keine Leiden erfahren. Nur kennen die meisten Menschen die wirklichen Ursachen dafür nicht und suchen an der falschen Stelle – im Außen.

Wie kann Meditation helfen, den eigenen Alltag besser zu bewältigen?

NAMNYI. Meditation ist ganz klar eine Übung, wo wir nicht von heute auf morgen die tollsten Erfahrungen machen werden. So wie wenn wir Tanzen lernen, müssen wir zu Beginn eben die einzelnen Schritte mit Überlegung tun, und das ist eher anstrengend statt natürlich und leicht. Nichtsdestotrotz tragen wir alle Potenziale für Liebe in unserem Geist. Vielleicht ist die Liebe im Moment nicht rein oder nicht besonders stark ausgeprägt, aber wenn wir uns in Meditation schulen, können wir dieses Potenzial heranreifen lassen zu einer Liebe, die uns in unserem ganzen Alltag Tag für Tag begleitet und beschützt.

Man muss es also trainieren . . ?

NAMNYI: Genau, es ist im Prinzip ein geistiges Fitness-Studio.

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