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Verwaltung: Interview mit Roland Jabkowski: „Hessen ist ein Vorreiter“

Roland Jabkowski unterstützt als Co-CIO (Co-Chief Information Officer) den Hessischen Finanzminister bei der Steuerung der IT-Gesamtstrategie. Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Alexander Gottschalk erklärt er, welche Vorteile eine digitale Verwaltung für den Bürger hat.
Co-CIO im HMDF - Roland Jabkowski Foto: Fredrik von Erichsen/Finanzministerium Hessen (Fredrik von Erichsen/Finanzminis) Roland Jabkowski ist für eine moderne Verwaltung.

Angenommen, Sie müssten meiner Oma „E-Government“ schmackhaft machen: Was sagen Sie Ihr?

ROLAND JABOWSKI: Ich würde ihr sagen, dass die digitale Verwaltung – denn dafür steht das englische Wort eGovernment – ihren Kindern und Enkeln das Leben leichter machen wird. Behörden werden schneller und effektiver, indem sie ihren Service auch im Internet anbieten. Anträge sollen nicht mehr erst am PC geschrieben, ausgedruckt, weitergeschickt, eingescannt und wieder ausgedruckt werden. Wir wollen, dass die Angebote der Verwaltung in Zukunft viel stärker auch digital verfügbar sind.

Welche Vorteile bringt das Bürgern?

JABKOWSKI Ich erkläre es an einem einfachen Beispiel aus meiner Heimat Österreich. Bis vor zweieinhalb Jahren mussten Eltern dort mit einer Tasche voller Dokumente von einer Behörde zur anderen laufen, wenn sie Elterngeld für ihr Neugeborenes wollten. Heute gibt es in Österreich eine Anwendung namens „Antraglose Familienbeihilfe“. Wenn ein Kind geboren wird, löst das obligatorisch einen elektronischen Prozess aus, an dessen Ende ein Kindergeldbescheid steht. Denn nachdem das Krankenhaus die Geburt des Kindes festhält und diese dann ins Personenstandregister aufgenommen wird, kann der gesamte Folgeprozess bis zur Auszahlung des Kindergeldes ohne Zutun der Eltern ablaufen, da alle notwendigen Informationen bereits in den verschiedenen Verwaltungen vorliegen. Das ist für mich ein sehr anschauliches Beispiel, wie herrlich digitale Verwaltung sein kann.

Also geht es darum, Behördengänge und Papierchaos zu vermeiden?

JABKOWSKI: Wir haben uns in der Vergangenheit sehr darauf konzentriert, die Arbeitsabläufe innerhalb der Behörden zu verbessern. Jetzt ist aus meiner Sicht in der Tat wichtig, den Bürgern, aber auch den Unternehmen den bestmöglichen Service zu bieten. Unsere Online-Dienste sollen einfach zu bedienen und rund um die Uhr verfügbar sein. Deutschlandweit sollen innerhalb der nächsten fünf Jahre alle Behörden-Services von Bund, Ländern und Kommunen auch online bereit stehen. Das hilft den Bürgern und der Wirtschaft.

Inwiefern der Wirtschaft?

JABKOWSKI: Die Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren bereits daran gewöhnt, dass viele Prozesse automatisiert ablaufen. Industrie 4.0, also die Vernetzung zwischen Unternehmern, Zulieferern und Behörden, ist ein wichtiges Thema. Sie spart den Unternehmen Zeit und damit Geld. Wenn wir die Digitale Verwaltung auf diesem Feld nicht entschiedener voranbringen, haben wir einen Standortnachteil im internationalen Vergleich.

In Hessen gibt es die Initiative „Digitale Verwaltung 2020“. Was soll bis 2020 erreicht sein?

JABKOWSKI: Es gibt einen großen Masterplan für die Digitale Verwaltung in Hessen. Dazu gehören 50 Projekte. Einige davon sind verwaltungsintern, wie das Aktenmanagement. Andere wirken auch nach außen, wie das neue Verwaltungsportal. Auf service.hessen.de finden alle Bürger Dienstleistungen und Informationen in mehr als 150 Themengebieten rund um die Landesverwaltung. Die Angebote sollen stetig ausgebaut werden. Teil des Masterplans ist auch eine Fokussierung auf Sicherheit.

Was bedeutet diese Fokussierung?

JABKOWSKI: Informationssicherheit ist ein integraler Bestandteil der Digitalen Verwaltung. Deswegen hat das Innenministerium „Hessen 3C“ auf den Weg gebracht. Dort sollen Sicherheitsexperten aus unterschiedlichen Organisationen ihre Kräfte bündeln, um eine schlagkräftige „Internetpolizei“ bei Sicherheitsschwachstellen zu bilden. Das zentrale Thema ist für mich aber das Problembewusstsein: 70 Prozent der Sicherheitsvorfälle werden von denjenigen verursacht, die vor dem Rechner sitzen und diesen unabsichtlich mit Schadsoftware infizieren.

Was wird die Umwandlung zur Digitalen Verwaltung Hessen kosten? Und was kann das Land dadurch sparen?

JABKOWSKI: Hessen ist ein Vorreiterland. 2003 hat das Land schon eGovernment-Strukturen geschaffen, als andere Bundesländer nicht mal wussten, was das heißt. Seitdem hat Hessen die Effizienz und Effektivität der Verwaltung weiter deutlich erhöht. Es hat im Doppelhaushalt für 2018/2019 pro Jahr jeweils 50 Millionen Euro zusätzlich für die Digitalisierung vorgesehen. In die Digitale Verwaltung wurde in den letzten zwei Jahrzehnten massiv investiert. Ich bin mir sicher: Das Geld ist gut angelegt.

Wie gehen Sie mit dem Thema Smartphones um – gerade in Hinsicht auf deren fragwürdige Sicherheit?

JABKOWSKI: Es ist das Ziel, mobile Geräte für unseren Behörden-Service verstärkt nutzbar zu machen. Wir wissen ja, dass besonders IT-affine Menschen diese auch mobil nutzen wollen. Dort wo es möglich ist, wollen wir die Smartphones also als Eingabegeräte nutzen. Hier ist natürlich zu klären, wie die Sicherheit gewährleistet werden kann. Wir haben klare Sicherheits- und Datenschutzanforderungen.

 

Das Gespräch führte Alexander Gottschalk.

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