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Frankfurter Bankierssohn: Jakob von Metzler wurde vor 15 Jahren getötet

Heute vor 15 Jahren wurde der elfjährige Jakob von Metzler entführt und ermordet. Auf dem Schulweg fing der Jurastudent Magnus Gäfgen den Jungen ab und lockte ihn unter einem Vorwand in seine Wohnung. Dort erwürgte er das Kind. Die Eltern, den Frankfurter Bankier Friedrich von Metzler und dessen Frau Sylvia, erpresste er um eine Million Euro Lösegeld.
Grab von Jakob von Metzler Bilder > Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Eine Karte mit einem Bild des ermordeten Bankierssohnes Jakob von Metzler und bunte Blumen schmücken im Oktober 2002 das Grab auf dem Hauptfriedhof in Frankfurt. Archivfotos: dpa
Frankfurt. 

Es ist der letzte Tag vor den Herbstferien. Dieser 27. September 2002 ist ein milder Herbsttag. Jakob von Metzler, ein schmaler blonder Junge, freut sich, dass der Unterricht an diesem Freitag schon nach der zweiten Schulstunde endet. Er steigt in den Bus der Linie 53, der ihn von der Carl-Schurz-Schule zur Haltestelle Mörfelder Landstraße/Ecke Stresemannallee bringt. Von dort ist es nicht mehr weit bis zu seinem Zuhause, der Metzler-Villa.

Als der Elfjährige den Bus verlässt, wird er bereits erwartet. Jakob kennt den baumlangen jungen Mann. Dieser Magnus gehört zum entfernten Bekanntenkreis seiner Schwester Elena. Außerdem ist er, genau wie Jakob, Fan von Eintracht Frankfurt. Er habe eine Jacke von Elena, die wolle er ihm geben, spricht Gäfgen den Jungen an. Er solle kurz mitkommen in seine nahe gelegene Wohnung. Ohne Argwohn folgt Jakob ihm in das nur wenige Meter entfernte Mehrfamilienhaus in der Teplitz-Schönauer-Straße, in die Zwei-Zimmer-Wohnung des Studenten. Vertrauensselig berichtet der Junge von den Reiseplänen der Familie und dass man ans Meer wolle.

Langer Todeskampf

Noch bevor Jakob nach Elenas Jacke fragen kann, baut sich Gäfgen vor ihm auf mit den Worten: „Jetzt wird es ernst, Jakob“. Er bringt den schmalen Knaben zu Boden, fesselt ihn mit robustem Klebeband an Händen und Füßen und verschließt ihm damit den Mund. Als Jakob sich nach Leibeskräften zu wehren sucht, klebt sein Peiniger ihm auch noch einen Streifen Textilband über die Nase und würgt den zarten Kinderhals mit seinen großen Händen. Es dauert ein paar Minuten, bis das Kind sich nicht mehr bewegt. Anschließend taucht er Jakobs Kopf unter Wasser. „Es stiegen noch Luftblasen auf“, wird er später beklemmend sachlich vor Gericht sagen. Auch ein Gerichtsmediziner wird dort zu Wort kommen und zu Protokoll geben, dass Jakob einen qualvollen Tod gestorben sei, dass sein Todeskampf mehrere Minuten gedauert habe.

Friedrich und Sylvia von Metzler glauben ihr jüngstes Kind noch am Leben, als sie in den Mittagsstunden jenes Freitags auf der Einfahrt ihres Hauses ein Erpresserschreiben finden: eine Million Euro gegen Herausgabe von Jakob. Das Schreiben hatte Gäfgen bereits eine Woche zuvor auf seiner Schreibmaschine getippt. Als er die Botschaft von seinem Auto auf das Grundstück an der Mörfelder Landstraße wirft, liegt die verschnürte Leiche von Jakob im Kofferraum. Gäfgen ist auf dem Weg nach Birstein, gelegen am nordöstlichen Rand des Main-Kinzig-Kreises. Dort kennt er einen Weiher, unter dessen Steg er das tote Kind versenkt. Vier Tage später findet die Polizei Jakobs Leiche.

Polizei-Vize drohte Magnus Gäfgen Folter an

Die Entführung und Ermordung Jakob von Metzlers zählt zu den spektakulärsten Kriminalfällen der jüngeren Geschichte in Deutschland. Wegen der Behandlung des Täters durch die Frankfurter Polizei schreibt er gar Rechtsgeschichte.

clearing

Es ist, als trauere die ganze Stadt, als Jakob am 11. Oktober 2002 beerdigt wird. Die mit bunten Blumen geschmückte Katharinenkirche ist nicht groß genug, um all den Menschen, die dem Jungen die letzte Ehre erweisen wollen, einen Platz zu bieten. Also stehen sie, ergriffen und andächtig, vor der Kirche, bis zur Hauptwache. In St. Katharinen, der heutigen Hauptkirche Frankfurts, hat Jakobs Lebensweg begonnen, hier ist er zehn Jahre zuvor getauft worden. Nun wird er hier aus seinem kurzen Leben verabschiedet.

Jakob von Metzler hat seine letzte Ruhestätte im Familiengrab der von Metzlers auf dem Hauptfriedhof. Die Beisetzung fand im engsten Familienkreis statt.

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