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Portrait: Julia von Dreusche hat ihren Beruf für N'Eis aufgegeben

Von Sie starteten einfach mal mit einem leerstehenden Eckladen, nach nur fünf Jahren sind Anke Carduck und Julia von Dreusche Chefinnen zweier Eisdielen, zehn Festangestellter und 60 Aushilfen. N’Eis heißt die Kulteisdiele aus der Mainzer Neustadt. Gerade wurde N’Eis zur Lieblingseisdiele im gesamten Raum Frankfurt gewählt.
Julia von Dreusche hinter der Theke von N’Eis am Winterhafen. 130 verschiedene Eissorten hat sie bislang zusammen mit Geschäftspartnerin Anke Carduck erfunden. Sie alle basieren auf natürlichen Zutaten.
Mainz. 

Ihre Eissorten des Tages geben sie auf Facebook bekannt, immer verpackt in ein kleines Gedicht. „Love is in the air, und mit einer Kugel Schmand-Aprikose fühlt ihr das gleich noch viel mehr“, heißt es da. Oder: „Das ist der absolute Sommergenuss, unsere neue Sorte Kolanuss.“ Keine Frage: Das N’Eis in der Mainzer Neustadt ist keine normale Eisdiele. Das Unternehmen in Sachen Eis ist längst Kult – und wurde gerade (wieder einmal) bei Falstaff zur Lieblingseisdiele des Frankfurter Raums gewählt.

„Wir wollten eigentlich ein Café aufmachen“, sagt Julia von Dreusche. Der kleine Eckladen in der Mainzer Neustadt bot aber kaum Sitzplätze. Doch dem Stadtviertel, das sich gerade anschickte, zum coolen In-Viertel von Mainz zu werden, fehlte noch eine Eisdiele. In der Eisfachschule in Merl machten sie in nur einer Woche ihr Eisdiplom, nach drei vier Monaten schmissen sie ihre Jobs – es war der Beginn einer schier unglaublichen Start-up-Erfolgsstory.

Von Sehnsucht getrieben

Julia von Dreusche und Anke Carduck lernten sich im Studium kennen, Medienmanagement studierten sie, erst in Ilmenau bei Erfurt, dann in Mainz. „Ich wollte eigentlich Stuntgirl werden“, sagt von Dreusche und lacht: „Unternehmerin konnte ich mir gar nicht vorstellen, auch das Chefsein nicht.“ Doch der Job in einer Medienagentur machte sie nicht wirklich glücklich. „In der Agentur, nach dem Bürojob gehst du irgendwie nicht nach Hause und sagst, ich habe heute jemanden glücklich gemacht“, sagt von Dreusche. Die Sehnsucht blieb.

Dann stolperten sie über den kleinen, leerstehenden Eckladen. Im März 2013 öffnete N’Eis seine Türen. „Von Stunde eins an hörte die Schlange vor dem Laden nicht mehr auf“, erinnert sich von Dreusche. Das werde nicht jeden Tag so sein, sagten sie am Anfang noch. „Ich wurde eines Besseren belehrt“, sagt von Dreusche trocken.

In Rekordzeit wurde das N’Eis zur Kult-Eisdiele von Mainz und darüber hinaus. Das pfiffige Marketing sprach genau die Zielgruppe der jungen, hippen Städter an. Dazu kam eine unglaubliche Kreativität: Basilikumeis oder Honig-Rosmarin-Eis. Tonkabohne, Feige-Walnuss oder Zitronengras-Ingwer. Unerreicht bis heute sind das Lavendeleis und das Milchreiseis.

Nur natürliche Zutaten

Mehr als 130 Eissorten haben sie seither erfunden. „Ich probiere einfach gerne“, sagt von Dreusche, „wie so vieles, hat sich das bei uns von allein entwickelt.“ Dazu setzen sie konsequent auf natürlich Zutaten. „Von Anfang an war unser Ding, dass wir keine künstlichen Aromen benutzen“, betont von Dreusche. Keine Farbstoffe, keine Stabilisatoren. Deshalb gibt es bei N’Eis auch keine Sorten wie Schlumpfeis und die Kugeln schmelzen schneller.

Nach drei, vier Monaten im Geschäft schmissen von Dreusche und Carduck den Job in der Werbeagentur. Doch die Eisdiele ist nicht das ganze Jahr über geöffnet. In den Wintermonaten Januar und Februar vermieteten sie den Laden an andere Start-ups unter. Mal an einen Teeladen, mal werden coole T-Shirts verkauft. „Ohne Familiensupport wäre das nicht gegangen“, sagt von Dreusche, „Millionär wird man mit Eis ohnehin nicht.“ Dennoch hat sich für die beiden ehemaligen Studentinnen des Medienmanagements der Umstieg gelohnt: N’Eis gewann den Gründerpreis Pioniergeist und den Mainzer Wirtschaftspreis.

„Wir hatten nie das Ziel, in zehn Jahren da und da zu sein“, sagt die 36-Jährige. „Ganz viele Dinge kamen einfach auf uns zu.“ Als sie die Ausschreibung „Eis am Rheinufer“ gewannen, kauften sie einen VW-Bus als mobilen Verkaufsladen. Als der Betreiber der Summer-in-the-City-Konzerte ihr Eis wollte, schafften sie einen Verkaufshänger an. Ende 2016 bot man ihnen ein kleines Wehrhäuschen am Winterhafen zum Kauf. „Expansion ist für uns kein Thema“, sagte von Dreusche. Im Frühjahr 2017 eröffnete in dem Häuschen die zweite N’Eis-Diele.

Der zweite Laden habe eine völlig neue Entwicklungsstufe ausgelöst, sagt von Dreusche – eine größere Küche musste her. Inzwischen haben die jungen Chefinnen zehn Festangestellte und 60 Aushilfen, zwei Läden und eine eigene Küche, dazu zahlreiche Einsätze auf Festen in Wiesbaden und Mainz. Haben sie noch Ziele? „Mein Ziel ist im Moment eine bessere Work-Live-Balance“, sagt von Dreusche, „Letzten Endes ist es ja nur Eis.“

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