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Landesgartenschau: Kälte bringt den Zeitplan durcheinander

In knapp vier Wochen geht es los, Bad Schwalbach rüstet sich für die sechste hessische Landesgartenschau. Die Arbeiten auf dem 12,4 Hektar großen Gelände laufen auf Hochtouren. Und manche Gärten sollen sogar endlos sein.
Vorbereitungen Landesgartenschau Bad Schwalbach Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Marco Seidel, der Chef eines Gartenbaubetriebes aus Wöllstadt, setzt einen Ahornbaum in die Erde. Mit seinen Mitarbeitern gestaltet er einen japanischen Garten auf dem Gelände der Landesgartenschau.
Bad Schwalbach. 

Der mitunter etwas verschlafen wirkende Kurort Bad Schwalbach gleicht derzeit einem Ameisenhaufen. An jeder Ecke wuselt es. Bagger graben Erde um, Straßen werden asphaltiert, Gärtner pflanzen Bäumchen, Arbeiter fegen die Gehwege. Jeder Handgriff sitzt. In knapp vier Wochen sollen die ersten Besucher am historischen Kurhaus vorbei zum Eingang am Menzebachtal strömen. Zur Landesgartenschau (LGS) will sich Bad Schwalbach von seiner besten Seite zeigen.

Noch blüht in dem Städtchen im Rheingau-Taunus-Kreis allerdings nichts. Erste Triebe strecken vorsichtig ihre Köpfchen gen Himmel, als warteten sie sehnsüchtig auf die nächsten Sonnenstrahlen. Für die Blumenzwiebeln war der Frost der vergangenen Wochen gut, erklärt Michael Falk, Geschäftsführer der Landesgartenschau. „So blühen sie nicht zu früh.“ Der Rasen dagegen müsste sich bis Ende April noch etwas sputen, soll er im saftigsten Grün dastehen. „Zur Not werden wir an der einen oder anderen Stelle mit etwas Rollrasen nachbessern“, sagt Falk.

Vorbereitungen Landesgartenschau Bad Schwalbach Bild-Zoom Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)
Bald ein schöner Ausblick: Eine Frau steht in einem frisch gestrichenen Pavillon auf dem Gelände der Landesgartenschau in Bad Schwalbach.

Auch an den Schaugärten im Menzebachtal wird fleißig gewerkelt. Hier interpretieren Landschaftsgärtner das Motto der Landesgartenschau – „Natur erleben. Natürlich leben“ – und demonstrieren, was heute in der Gartengestaltung möglich ist. Die Miniaturlandschaft der Firma Schiesser aus Königstein etwa ist schon so gut wie fertig. Hier stehe die Edelkastanie im Mittelpunkt, ein Baum, der die Landschaft des Vordertaunus präge, erklärt Geschäftsführer Johannes Schiesser.

Überblick vom Hochsitz

„Wir wollen mit unserem Konzept vor allem Kindern und jungen Familien die Natur näher bringen“, erläutert Schiesser. Deshalb lädt ein Hochsitz zum Klettern ein und gewährt einen Überblick ins Tal. Ein ausgehöhlter Baumstamm, der in eine Gartenwand aus Brennholzscheiten eingebettet ist, erinnert daran, dass Bäume häufig großen Bauwerken weichen müssen. „Der Schaugarten zeigt, dass es auch anders geht und man alte Ressourcen beim Bauen integrieren kann.“

Info: 800 Veranstaltungen an 163 Tagen

Nach der großen Auftaktveranstaltung am 28. April wollen die Macher der Landesgartenschau in Bad Schwalbach jeden Monat mindestens einen Höhepunkt bieten.

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Für die LGS-Planer stehen in den kommenden Wochen noch einige Punkte auf der To-do-Liste. So sollen die wechselnden Blumenbeete bepflanzt und die mobilen Gebäude für die Gastronomie aufgebaut werden. Außerdem muss das Team die 90 ehrenamtlichen Helfer einteilen, Parkplätze absperren und natürlich sämtliche Baustellen koordinieren. Hier haben die kalten Temperaturen der vergangenen Wochen das Timing etwas durcheinander gebracht. „Wir konnten teilweise nicht wie geplant asphaltieren, weil es zu nass und zu kalt war“, erklärt Falk. Deshalb mussten einige Termine verschoben werden, dennoch liege man gut in der Zeit.

Kirchen sind aktiv

Im Mehrgenerationengarten im Röthelbachtal sind zwar schon die Spielgeräte zum Klettern, Wippen oder Schaukeln sichtbar, aber einige Pflanzen und Bäume sowie die Schauküche fehlen noch. In ihr soll der Bad Hersfelder TV-Koch Mirko Reeh hessische Spezialitäten kredenzen. Wo die Kleinen toben, können die Größeren nebenan Basketball spielen, während die Eltern sich einen Kaffee gönnen oder an einem Pflanztisch lernen, wie man etwa Kräuter züchtet. Für demenzkranke Senioren sollen Endlosgärten angelegt werden. Die Wege sind ebenerdig und ohne Ende. „Unsere Firmen haben wirklich alles gegeben und teils bei minus zehn Grad mit angewärmtem Beton gearbeitet“, berichtet Falk stolz.

Einige Meter weiter kommt gerade die Kirche ins Dorf. Genauer gesagt die Lichtkirche der Evangelischen Kirchen in Hessen und Nassau, der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und des Bistums Limburg. Das Bistum ist zum ersten Mal beteiligt. Ein Kran lädt die Holzgerippe ab, Helfer nageln das Holzdach fest. Fehlt nur noch das Plexiglas, denn nachts wird das 40 Tonnen schwere Gotteshaus bunt erleuchtet.

Über 400 Veranstaltungen wie Gottesdienste, Lesungen oder Konzerte bieten die Kirchen bis zum 7. Oktober an. Sogar Hochzeiten sind hier möglich, die passende Foto-Kulisse steht parat. „Wir wollen mit dieser mobilen Kirche zu den Menschen kommen“, legt ihr Erfinder Pfarrer Wolfgang Weinrich dar. Während der Landesgartenschau stehe ein Team von 120 geschulten Personen als Gesprächspartner bereit. „Unser Motto ist „Ach was?“, frei nach Loriot“, erzählt Weinrich. „Wir als Kirche sind oft viel zu verkopft und zu ernst unterwegs, deshalb soll die Lichtkirche die Besucher emotional ansprechen.“

Neugierige Bürger

Emotional sind auch die Bad Schwalbacher, wenn es um die LGS geht. Die Aufbauarbeiten werden neugierig verfolgt. Manch ein Bürger hat von seinem Balkon aus die Gärtengut im Blick. Die Gewerbetreibenden konnten laut Falk ebenso für die Blumenschau gewonnen werden: „Vor vier Jahren waren alle noch dagegen und dachten, es wird nur teuer, jetzt sind sie begeistert.“

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