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Trauer: Kardinal Karl Lehmann: Abschied von einem wahrhaft Großen

Von In Mainz hat der Abschied von dem verstorbenen Kardinal Karl Lehmann begonnen: Seit Dienstagnachmittag ist der Altbischof von Mainz in der Augustinerkirche aufgebahrt. Viele Gläubige verneigen sich vor dem beliebten ehemaligen Mainzer Bischof.
Verstorbener Kardinal Karl Lehmann in Mainz aufgebahrt Foto: Andrea Enderlein (epd) Der verstorbene frühere Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann wurde gestern in der Augustinerkirche in Mainz aufgebahrt.
Mainz. 

Sie stehen schon vor Öffnung der Kirche vor der Tür, dann strömen die Menschen in die Barockkirche. Lange Schlangen bilden sich vor dem Sarg. Gehüllt in seine Bischofsgewänder, die Mitra auf dem Kopf, den Bischofsstab an seiner Seite – Kardinal Karl Lehmann ist seit Dienstagnachmittag in der Augustinerkirche in Mainz aufgebahrt. Am 21. März wird Lehmann in der Bischofsgruft des Mainzer Doms beigesetzt.

Am Sonntag gegen 4.45 Uhr war Lehmann an den Folgen eines Schlaganfalls mit Hirnblutung gestorben. Seither liegt Trauer über der Stadt, Mainz nimmt Abschied von einem wahrhaft Großen. „Ich bin Protestantin und habe ihn ungeheuer geschätzt“, sagt etwa Ingrid Becker.

Die Seniorin ist eigens aus dem rheinhessischen Udenheim zum ersten Requiem für Lehmann angereist. Seine Bücher hat sie gelesen, ihn bei vielen Vorträgen gehört. „Es gibt nicht so viele Menschen wie ihn“, sagt sie, „ich möchte mich unbedingt von ihm verabschieden.“

Tiefer Respekt

Es ist das, was viele hier bewegt. Katholisch oder nicht-katholisch, gläubig oder weit weg von der Kirche, Lehmann hat die Menschen berührt, tiefer Respekt bewegt sie nun nach seinem Tod.

Fast 33 Jahre lang hatte Lehmann das Bistum Mainz geleitet, erst zu seinem 80. Geburtstag im Mai 2016 war er in den Ruhestand getreten. Ein Jahr später, Ende August 2017 weihte er noch seinen Nachfolger Peter Kohlgraf zum Bischof von Mainz, kurz danach erlitt Lehmann einen Schlaganfall mit Hirnblutung, von dem er sich nie wieder richtig erholte.

Am Dienstagnachmittag wurde der Leichnam des verstorbenen Kardinals in der Seminarkirche des Mainzer Priesterseminars aufgebahrt. Eine Woche lang, bis zur Beisetzung am Mittwoch, den 21. März, haben die Menschen nun Zeit, sich von ihrem Kardinal und Bischof zu verabschieden.

„Er war das erste, was mir in Mainz begegnet ist“, sagte eine Mainzerin, die vor 15 Jahren hierher zog, „er war fantastisch.“ Seine Offenheit, seine Persönlichkeit habe ihn ausgemacht, sagt Gerd Stehling, der eigens aus dem hessischen Taunusstein nach Mainz gekommen ist: „Er hat ja auch einiges einstecken müssen.“ 21 Jahre lang lenkte Lehmann als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz die Geschicke der katholischen Kirche in Deutschland.

Kampf mit Rom

Vielen ist sein Eintreten für eine liberale, menschliche Kirche fest in Erinnerung geblieben, besonders Lehmanns Kampf mit Rom um den Verbleib in der Schwangerenkonfliktberatung. Lehmann verlor den Kampf gegen das Dogma des Papstes, doch sein Einstehen für die Frauen bewegt bis heute.

„Er war ein sympathischer Mensch und hat viel Gutes getan“, sagt eine Wolfsburgerin, „und gerade wegen seines Einsatzes für die Frauen war es mir wichtig, heute hier zu sein.“

Lehmanns Eintreten für die Beratungsstelle Pro Familia damals habe ihm sehr gefallen, sagt ihr Lebensgefährte und bekennt, er sei damals wegen der Entscheidung des damaligen Papstes aus der katholischen Kirche ausgetreten. „Lehmann hat anders gedacht als die Sturköpfe in Rom“, sagt er noch: „Ich hoffe, dass es noch viele Lehmänner gibt.“

„Glauben bezeugen, Gesellschaft gestalten, das war sein Leben“, sagte der Mainzer Domdekan Heinz Heckwolf zu Beginn des Requiems in der Augustinerkirche. Deshalb habe sich Lehmann immer wieder eingemischt in Politik und Gesellschaft.„Heute stehen wir an seiner Totenbahre, traurig und dankbar“, sagte Heckwolf: „Wir danken ihm, und wir danken Gott für das Leben dieses Menschen.“

Gekommen zu diesem ersten Requiem für Kardinal Lehmann waren auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (beide SPD). „Rheinland-Pfalz verliert eine herausragende Persönlichkeit und einen großen Menschen“, schrieb die Ministerpräsidentin in das Kondolenzbuch in der Kirche: „Wir trauern – Kardinal Lehmann wird uns stets in Erinnerung bleiben.“

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