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Linke: Keine Subventionen mehr: Kassel-Calden verliert letzten Ferienflieger

Hiobsbotschaft für den krisengeschüttelten Regionalflughafen Kassel-Calden: Mit Germania wendet sich nun auch die letzte Ferienfluggesellschaft von dem Standort ab. Viele fragen sich nun, wie es weitergeht.
Flughafen Kassel-Calden Foto: Uwe Zucchi (dpa) Drei Passagiere am Flughafen Kassel-Calden.
Calden/Kassel. 

Ist das nun das Ende des Flughafens Kassel-Calden? Die Fluggesellschaft Germania macht Schluss mit dem krisengeschüttelten Kassel Airport und bietet im Sommer 2017 keine Flüge mehr aus Nordhessen an. Noch bis Ende Oktober geht es nach Mallorca, Antalya und Kreta, dann fällt der Flughafen weitgehend in den Winterschlaf. Denn eine andere Ferienfluglinie gibt es nicht mehr. Jetzt gibt es dort nur noch Frachtflüge.

Dass es um die Zusammenarbeit des Flughafens Kassel mit der Germania nicht gut bestellt ist, war bekannt. Stefanie Weinert, Kreistagsabgeordnete der Grünen im Landkreis Kassel, hat die neue Situation kommen sehen. „Schon das ganze Jahr war die Situation kritisch. Es gab Verhandlungen mit anderen Fluglinien wie Turkish Airlines, aber die sind abgesprungen. Und jetzt geht mit Germania die einzige touristische Fluglinie“, sagt sie.

Somit scheint das 280-Millionen-Projekt Kassel-Calden gescheitert. „Ein Millionengrab“, sagt Janine Wissler, verkehrspolitische Sprecherin der Linken im Hessischen Landtag. „Die sinnlose Subventionierung eines Flughafens im Winter- und nun auch im Sommerschlaf muss endlich aufhören.“ Der frühere Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP), der das „Leuchtturmprojekt“ Kassel-Calden als Motor zum Wirtschaftsaufschwung in der Region vorantrieb, muss zugeben: „Für die Zukunft des Flughafens ist der Rückzug Germanias eine äußerst schlechte Nachricht.“

Eine neue Airline konnte der Flughafen zwar für 2017 gewinnen: Zwischen März und Juni fliegt Aegean Airlines zweimal wöchentlich nach Athen. Die Strecke soll als Shuttle für die Besucher der Documenta 14 zwischen den beiden Ausstellungsorten dienen. Doch die wenigen Flüge halten den touristischen Verkehr kaum am Laufen. Dabei wurde der ehemalige Verkehrslandeplatz erst vor drei Jahren aufwendig zum Regionalflughafen umgebaut. Was ist schief gelaufen?

Ärger über Baukosten

Grünen-Politikerin Weinert erklärt: „Es war von Anfang an unsere Argumentation, dass es keinen Bedarf an einem Regionalflughafen gibt. Es gab die Sport- und Geschäftsflieger, diese Nutzung hätte weiter stattfinden können. Der touristische Verkehr hat nicht funktioniert, und das ist die logische Schlussfolgerung.“ Vor allem die Baukosten ärgern die Kreistagsabgeordnete: „Es wurden 280 Millionen Euro ausgegeben, und wir haben das Gleiche, was wir vorher hatten.“

Die Geschäftsführung des Flughafens teilte gestern mit, man führe „Gespräche mit neuen Airline-Partnern, um im Sommer 2017 ein ausgewogenes und attraktives Flugprogramm anbieten zu können“. Angestrebt werde, „gemeinsam mit den Airlines Ganzjahresziele ab Kassel zu etablieren“. Die Pläne beträfen nicht nur künftige Sommerflugpläne, auch im Winter sollten Fluggäste künftig abheben können. Calden will außerdem das Frachtgeschäft ausbauen, um die Verluste abzufangen. Flughafenchef Ralf Schustereder erklärte im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur, er werde die Vorgabe der Landesregierung erfüllen, das Defizit um zehn Prozent pro Jahr zu senken.

Dass das Minus von 8,1 Millionen im Jahr 2014 auf rund 6,1 Millionen Euro 2015 geschrumpft ist, sei „nur auf die Personalreduzierung zurückzuführen“, meint hingegen die Grünen-Politikerin Weinert. Die einstigen Ziele des Flughafens scheinen unerreichbar: 497 000 Passagiere sollten es im Jahr 2024 sein. Die Landesregierung will den Flughafen im kommenden Jahr auf den Prüfstand stellen.

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