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Kardinal Marx äußert Bedenken: Katholische Kirche hilft Flüchtlingen mit Millionenbeträgen

Wie engagiert sich die Kirche für Flüchtlinge? Bei ihrer Versammlung in Fulda geben die katholischen Bischöfe Antworten. Kardinal Marx macht sich derweil ernste Sorgen.
Freiwillige Flüchtlingshelfer. Foto: Maja Hitij/Archiv Freiwillige Flüchtlingshelfer. Foto: Maja Hitij/Archiv
Fulda.  Die katholische Kirche in Deutschland hat in den ersten sieben Monaten rund 80 Millionen Euro für die Flüchtlingsarbeit eingesetzt. 52,5 Millionen Euro flossen hierzulande in Projekte zur Unterstützung von Flüchtlingen, weitere 27,3 Millionen Euro in Krisenregionen. Das teilte die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) am Donnerstag zum Abschluss ihrer Herbstvollversammlung in Fulda mit. Erhoben wurden die Zahlen in einer neuen Umfrage unter den Diözesen und Hilfswerken.
2015 hatte die katholische Kirche nach eigenen Angaben mindestens 112 Millionen Euro für Flüchtlinge ausgegeben, davon 70,8 Millionen im In- und 41,2 Millionen im Ausland. Die DBK spricht von Mindestangaben, weil die außerordentliche Hilfe der Ordensgemeinschaften und Verbände nicht erfasst sei.

Neben Geld stellen die Kirchengemeinden auch Wohnraum zur Verfügung. Derzeit hätten in mindestens 1381 kirchlichen Gebäuden rund 28 000 Flüchtlinge eine Bleibe gefunden, hieß es. Zusätzlich betreiben die Malteser und die Caritas an vielen Standorten Not- und Gemeinschaftsunterkünfte.


Kardinal Marx mahnt Toleranz an


Zudem halfen auch in diesem Jahr wieder Tausende von hautamtlichen Mitarbeitern und Zehntausende Ehrenamtliche bei der Flüchtlingsarbeit. «Ich habe keinen Rückgang erlebt. Das ist großartig weiterhin», sagte der DBK-Vorsitzende, Kardinal Reinhard Marx (München). Die Pfarreien böten starke Strukturen.

Eine «problematische Entwicklung» sieht Marx bei der politischen Debatte über den Flüchtlingszuzug. «Ich mache mir Sorgen über die Tonlage in Deutschland insgesamt», sagte er. «Mancherorts hat sich die Sprache bedenklich radikalisiert, was weder den Flüchtlingen gerecht wird, die in ihrer ganz großen Mehrheit eben keine Terroristen oder Kriminelle sind, noch dem gesellschaftlichen Frieden.»

Marx verwies ein Jahr nach Beginn der großen Zuwanderung auf die gewaltige Aufgabe der Integration. Es sei ein langer Weg, der beschritten werden müsse. Doch diese Herausforderung könne bewältigt werden. «Deutschland ist ja seit Jahrzehnten ein Einwanderungsland - was manche nicht wahrhaben wollen.» Ein Viertel der Bevölkerung hierzulande habe einen Migrationshintergrund.

Am Rande der Vollversammlung äußerte die Laien- und Reformbewegung «Wir sind Kirche» Kritik an der Bischofskonferenz und den Kirchen-Strukturen. Die Oberhirten müssten sich öffnen für «neues Denken», sagte Sprecher Magnus Lux. Die Bewegung fordert unter anderem mehr Verantwortung in der Kirche für Frauen. «Die gesamte Ämterstruktur muss auf den Prüfstand.»
 
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