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Betreuung: Klettern für mehr Selbstsicherheit

Einfach mal ausprobieren, wie man auf Geräten klettern möchte und was man sich traut – das können Kinder in Bewegungskitas. In der Wiesbadener Kita Rosel-und-Josef-Stock geht es um Körpererfahrungen, die Selbstbewusstsein verleihen. Aber es wird nicht nur geturnt.
Kindertagesstaette, Geschwister-Stock Platz, Wiesbaden Foto: (FREELENS Pool) Staubach (Barbara Staubach) Herumturnen, Schwingen und sich auch mal hängen lassen – das können Kinder in der Bewegungskita.
Wiesbaden. 

Wenn die Mädchen auf diesem Klettergerüst herumtollen, schwingt es mit. Gerade versuchen sie, darauf sitzend auf die andere Seite zu rutschen – wie über einen tiefen Abgrund in einem weit entfernten Dschungel. Dann wieder hängen sie sich selbst wie Äffchen kopfüber an die hellen Holzstangen, indem sie die Beine darüber hängen und sich mit den Armen oben festhalten. Es sieht aus, als hätten die Vierjährigen viel Spaß.

Wir befinden uns in der Kita Rosel-und Josef-Stock am Geschwister-Stock-Platz in Wiesbaden. Sie trägt das Siegel „Hessische Bewegungskita“, das alle drei Jahre von der Sportjugend Hessen vergeben wird. Laut Biberstein gibt es zwölf Einrichtungen in Wiesbaden mit dem Siegel. Dabei gehe es nicht um Sport im klassischen Sinne.

Viel Barfußlaufen

„Das Siegel ist inspiriert von der olympischen Idee der Fairness, die Idee, viele unterschiedliche Menschen einzubeziehen“, erklärt Kita-Leiterin Monika Biberstein. Um das Siegel zu erhalten, muss die Kita verschiedene Kriterien erfüllen, wie etwa ein pädagogisches Konzept mit Bewegung als Schwerpunkt und eine darauf abgestimmte Ausstattung der Kita mit Bewegungsangeboten. Auch müssen Mitarbeiter entsprechend geschult sein. Die gesamte Kita ist ein Neubau, seit 2015 befindet sie sich am Geschwister-Stock-Platz mitten in einer Gartenanlage in der Nähe des Hauptbahnhofs. Die Böden sind mit Holzparkett ausgestattet, so können die Kinder auch viel barfuß laufen, auf diese Weise den Boden und die Klettergeräte erkunden.

Die Bewegungsarbeit im Krippenbereich richtet sich nach der Pädagogik von Emmi Pikler, einer ungarischen Ärztin: Niemand zeigt den Kindern, wie sie mit den Geräten umgehen sollen. Ziel ist vielmehr, dass die Kinder sich hier die Bewegungsabläufe selbst erarbeiten und nach ihren Wünschen und Bedürfnissen ausprobieren, was geht. „Die Kinder haben hier völlige Freiheit, auszuprobieren, wie weit sie gehen wollen“, sagt Kita-Leiterin Biberstein. „Manche sind hier forscher, andere vorsichtiger. Wichtig ist, dass die Kinder in den Bewegungsabläufen Sicherheit gewinnen.“ Diese Erfahrungen gäben den Kindern dann ein Stück Selbstzufriedenheit und Selbstsicherheit in ihrer Lebenswelt. Darauf kommt es an.

Die Kinder sollen sich gut spüren können. Dazu dient ein Parcours mit speziellen Geräten aus Eschenholz, die die Gymnastiklehrerin Elfriede Hengstenberg entwickelt hat. Dort können die Kinder etwa das Fünf-Stangengerät nutzen – bei dem sie über eine Holzstange laufen und sich zu beiden Seiten an jeweils einer weiteren Holzstange festhalten können. Auch ein Kriechtunnel aus Stoff, der auf beiden Seiten von schweren Holzträgern gehalten wird, ist dabei.

Aber es geht nicht nur um Aktivität. Ebenso seien Ruhemöglichkeiten für die Kinder wichtig, so dass sie zwischendurch ausruhen oder schlafen können, wenn ihnen danach ist. „Dafür gibt es in jedem Gruppenraum Möglichkeiten, sich hinzulegen“, erklärt Biberstein.

Netze fangen auf

Im Bewegungsflur dagegen ist nichts gerade. Hier hat eine auf solche Spiellandschaften spezialisierte Firma einen Parcours errichtet, der an ein Baumhaus erinnert. Es gibt Gänge und Treppen, die mit verschiedenen Materialien vom Teppich bis zur Korkmatte ausgelegt sind. Das „Baumhaus“ steht auf verschiedenen Stämmen, hat Bahnen und Brücken. Hier und da sind durchsichtige Multiplex-Platten oder Netze eingefügt, damit die Kinder nicht herunterfallen können.

Das Gerüst hat durch die überwiegende Verwendung von Naturmaterialien eine warme Ausstrahlung. Daneben gibt es eine Mulde aus Schichtholzplatten zum Erfühlen und eine Murmelbahn. Alles in allem gibt es viel zu erspüren und entdecken in der Kindertagesstätte Rosel-und-Josef-Stock. Regelmäßige Waldtage, ein Kinderchor, Sprachprojekte und Musik-und- Rhythmik-Erziehung gehören zu den Angeboten. Und auch die Eltern sind auf ihre Weise in Bewegung. „Die Elternbeiräte engagieren sich bei uns sehr stark“, weiß Kita-Leiterin Monika-Biberstein.

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