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Gras-Ellenbach im Odenwald: Kneippen mit Kriemhild

Der Name verrät schon, was Besucher in Hessens südlichstem Heilbad erwartet: Wiesen, friedlich grasendes Vieh und heilendes Wasser. Und jede Menge stille Natur für ausgedehnte Touren.
Kneippbecken in Gras-Ellenbach. Bilder > Foto: Anke Hillebrecht Kneippbecken in Gras-Ellenbach.
Mit einem Tablett voller Teiglinge kommt die fröhliche Masseurin in die Sauna-Kabine. Wenig später breitet sich ein angenehmer Duft nach frischem Brot aus. Essen soll der Gast nicht, aber seine Nase entspannt in dem 45 Grad warmen Raum gleich mit. Für Menschen aus dem Rhein-Main-Gebiet ist vor allem entspannend, dass sie den Spa-Bereich der Residenz „Leben am Wald“, ein Betreuungszentrum für Patienten mit Hirnverletzungen, mit nur wenigen anderen Gästen teilen müssen. Abends und am Wochenende öffnet es seinen im orientalischen Stil eingerichteten Wellness-Bereich mit Heubad, türkischem Hamam, Rasul, Molkebad und diversen Massage-Angeboten für die Öffentlichkeit. Ein Geheimtipp für alle, die mild geheizte Textil-Saunen mögen. Von der „Sky-Bar“ hat man einen Blick in die bewaldete Umgebung.

Info: Mountainbiken, Wandern oder Meerwasserbaden

Kurort – das heißt nicht nur Spazierengehen und Kaffeetrinken. In und um Gras-Ellenbach herum lässt sich einiges unternehmen:

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Gras-Ellenbach (900 Einwohner, Gesamtgemeinde: 4000) hat keine Innenstadt und keine Einkaufsstraße. Als Städter hat man den Eindruck, ein paar Jahrzehnte zurückgebeamt worden zu sein. In manchem Café ist es eine Zeitreise in die 1950er Jahre. In dieser Zeit begann der touristische Aufschwung des entlegenen Besenbinder-Dörfchens zum Kurort, nachdem ein Wiesbadener hier ein Kneippkur- und Erholungsheim gründete – Vorgänger von „Leben am Wald“.

1961 erhielt Gras-Ellenbach offiziell den Titel „Kneipp-Kurort“, seit 1976 ist es „Kneipp-Heilbad“. Deshalb hat die kleine Verbandsgemeinde im Südwesten des Odenwalds sogar ihre eigene Autobahn-Abfahrt auf der A 5 (dieselbe wie Heppenheim). Mit den umliegenden Örtchen, die gemeinsam Grasellenbach heißen, wurde es zudem als Luftkurort ausgezeichnet. In der Tat: Flugzeuge hört man hier nicht und Autos auch nur selten.
Gerald Kessler, Vorsitzender des Kneipp-, Kur- und Verkehrsvereins, vor einem Wegweiser Bild-Zoom Foto: Anke Hillebrecht
Gerald Kessler, Vorsitzender des Kneipp-, Kur- und Verkehrsvereins, vor einem Wegweiser

 
In den 1960er Jahren etablierten sich viele Hotels und Cafés im Kern-Kur-Ortsteil. Doch wie fast alle Kurorte hatte auch Gras-Ellenbach in den vergangenen Jahren mit einem Rückgang der Besucherzahlen zu kämpfen. Kuren werden nicht mehr von den Kassen bezahlt, zudem finden Gastronomen zuweilen keine Nachfolger, die nötige Renovierung fällt aus. „Heutige Gäste wollen nicht kuren wie früher, sie wollen aktiv sein - wandern, mountainbiken“, weiß Gerhard Kessler, Vorsitzender des Kur-, Kneipp- und Verkehrsvereins (KKVV) Gras-Ellenbach. Kessler selbst ist passionierter Mountainbiker, der gelernte Grafiker hat gerade an einem Tourenbüchlein über den Odenwald mitgewirkt und die Strecken ausgezeichnet.

Einige Gastwirte haben die Zeichen der Zeit erkannt und – wie das Pflegeheim – kräftig in ihr Haus investiert. Das Hotel „Siegfriedbrunnen“ – erstes Haus am Platz, das einen großen Teil der jährlich gut 60.000 Übernachtungen im Ort abwickelt – bietet seinen Gästen ein Hallenbad mit Ausblick und einen schönen kleinen Spa-Bereich sowie ein Frühstück, bei dem es vom Frischkornbrei bis zur geräucherten Forelle alles gibt. Nachbar „Gassbachtal“ kooperiert mit dem Spa im Pflegeheim (Massage, Sekt und Torte) und bietet allerlei Aktivitäten an (siehe „Info“). Im hauseigenen Café werden Sahnetorten wie früher serviert (auch zu Preisen wie früher). Mit einer „Bergsträßer Formel-1-Torte“ mit Redbull-Riesling-Creme ist man dennoch up-to-date.

Noch lieber aber nehmen die Gras-Ellenbacher Bezug auf die Sagenwelt, die ebenfalls am Aufschwung des Ortes ihren Anteil hat. Hier heißen Pensionen „Kriemhildenruh“ – nach der Gemahlin des Ritters Siegfried aus der Nibelungensage. Und neben Spritz serviert Daniel-Hagen Wolf in seinem übrigens ebenfalls innen liebevoll renovierten „Landgasthof Hagen“ Sekt mit „Drachenblut“.

In Drachenblut hatte Siegfried gebadet, um unverwundbar zu werden. Doch ein herabgefallenes Lindenblatt sparte eine Stelle aus, in die sein Widersacher Hagen von Tronje seinen Speer jagte, um Siegfried zu töten. Dies geschah an einem Brunnen, an dem Siegfried bei einer Jagd innehielt, um zu trinken - Altertumsforscher vermuten, dass dieser Brunnen im Odenwald steht.
 

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So gibt es mehrere Gemeinden in der Umgebung, die diesen sagenhaften Schauplatz für sich reklamieren. Die Gras-Ellenbacher aber glauben, dass der heimtückische Mord aus dem mittelalterlichen Heldenepos genau bei ihnen, oben in ihrem Wald am Spessartskopf, ihrem Hausberg, passiert ist. Dort sprudelt eine Quelle, die 1851 mit einem gotischen Steinkreuz versehen und offiziell Siegfriedbrunnen genannt wurde. Zu ihm führt heute ein gut halbstündiger Spaziergang bergan; auch der Nibelungensteig passiert die Lichtung im Wald. Dort kann es passieren, dass ein Reh über den Wanderpfad läuft.

Keine Drachen, dafür urige Wasserbüffel sind auf den Wiesen von Gras-Ellenbach zu beobachten. Ein ansässiger Bio-Landwirt setzt seine elf Tiere zur „Landschaftspflege“ ein. Kurgäste können sie aber auch anderweitig begutachten – in diversen Restaurants als Steak auf dem Teller.

Grasellenbach liegt im Landkreis Bergstraße mitten im Odenwald, ist aber von der A 5 (Abfahrt Heppenheim, ab hier ist der Ort schon ausgeschildert) und dann über die Landstraße gut zu erreichen. Von Frankfurt aus dauert die Anfahrt eineinhalb Stunden. Ein Besuch im Spa-Bereich von „Leben am Wald“ kostet 20, am Wochenende 30 Euro; ab sechs Personen 5 Euro Rabatt (mittwochs Ladies’-Tag). Übernachtung im Hotel „Siegfriedbrunnen“ kostet ab 77 Euro ÜF im Doppelzimmer. Weitere Infos bei der Kurverwaltung, Am Kurpark 1, 64689 Grasellenbach, Telefon (0 62 07) 25 54, www.gemeinde-grasellenbach.de.

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