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Manufaktur fertigt individuelle Kappen: Komfort auf dem Narrenkopf

Von Narrenkappen werden von Fastnachtern im Komitee getragen und sehen alle gleich aus? Falsch: Eine Narrenkappenmanufaktur mischt nun in Mainz die Szene mit individuellen Kopfbedeckungen auf.
Sylvia Kindling präsentiert ihre närrischen Kreationen.
Mainz. 

Der Mainzer OB trägt sie, der neue Mainzer Weihbischof trägt sie, Stimmungssänger Oliver Mager, das Komitee der Finther Freifrauen – Sylvia Kindlings Narrenkappen sind individuelle Kunstwerke. Das ist eigentlich nicht normal: In der Regel sind Narrenkappen in der Mainzer Fastnacht Insignien von und für Garden oder Komitee-Mitglieder, Farben und Design vorgeschrieben von Vereinstraditionen.

„Das ist für mich eine andere Welt“, sagt Silvia Kindling, „ich finde es schön, eine Brücke zu schlagen zwischen dem Traditionellen und dem Individuellen.“ Und individuell, das sind ihre Narrenkappen wirklich: Leuchtend-orange, mit pinkfarbenem Fell oder mit buntem Blumenmuster – diese närrischen Kopfbedeckungen werden genau auf den Kopf zugeschneidert, auf dem sie zu sitzen kommen.

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Der Mainzer OB Michael Ebling gehört auch zu den Kunden.

Der Mainzer Weihbischof Udo Benz bekam natürlich eine Mütze mit dem Dom darauf, die Fastnachtstruppe Schnorreswackler eine Kappe mit Schnurrbärten – auf Meenzerisch „Schnorres“. Bis zu 25 verschiedene Einzelteile näht Kindling für eine Kappe schon mal zusammen: Als Unterstoff nimmt sie Material, das sonst für Taschen verwendet wird, das sei weicher im Tragekomfort als die eher harten Schabracken der klassischen Komitee-Kappen.

Viel Fummelei

Der Tragekomfort ist so höher“, sagt Kindling, „die passen sich der Temperatur an und halten trotzdem ihre Form.“ Auf den Unterstoff kommen Überstoffe, Bänder, Hutband und Applikationen, an der Spitze sitzt immer ein individueller Anhänger. „Da kommt jede Menge Fummelei zusammen“, sagt Kindling schmunzelnd.

Die 49-Jährige „fummelt gerne“, kreativ, erzählt sie, sei sie schon immer gewesen. Wahrscheinlich liege in der Familie, die Urgroßmutter war Näherin, die Urgroßeltern hatten ein Theater in Bremen. Aus ihrer Heimatstadt Bremen zog Kindling vor 12 Jahren nach Mainz, ihr Mann hatte im Rhein-Main-Gebiet einen Job gefunden. Den Umzug bewältigten sie „ausgerechnet am 11.11.“, erzählt sie lachend – es muss ein Zeichen gewesen sein.

Es war wieder ein 11.11., als ihr Mann zum Fußballspiel wollte, Kindling tackerte im Wohnzimmer spontan auf dem Fußboden eine Narrenkappe zusammen. „Die kam so gut an, dass noch mehr so eine Kappe wollten“, erzählt sie – es war der Beginn eines kleinen Unternehmens. „StarKapp Narrenkappen“ heißt das inzwischen, in einem kleinen Gartenhaus hat die Manufaktur ihre Räume. „Für mich ist das Entspannung, eine kleine Flucht“, sagte die zweifache Mutter. Ihre Kappen werden alle von Hand gefertigt und mit der Nähmaschine genäht, mindestens drei Stunden dauert die Fertigung eines Stücks. Seit drei Jahren boomt das Geschäft, „rund 150 Narrenkappen werden es in dieser Saison bestimmt“, sagt Kindling.

62 Euro aufwärts

Gerade schneit eine Kundin vorbei, das Komitee der Finther Freifrauen brauchte Narrenkappen, die Damen wollte individuelle Stücke. 15 verschiedene Kappen schneiderte Kindling für die elf Frauen des Komitees, eine Kappe kostet von 62 Euro an aufwärts. Sie liebe die Mainzer Fastnacht, für sie sei das „eine regionale Comedy-Art“, sagt Kindling. Als nicht-gebürtige Mainzerin fühle sie sich aber andererseits „nicht so an die alten Zwänge gebunden.“ Damit polarisiere sie durchaus: „Die einen finden es ganz toll, die anderen halten sich mehr an die traditionellen Gardekappen.“

Der Durchbruch kam vor drei Jahren mit Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD): „Es kam eine E-Mail aus seinem Büro, ob ich eine neutrale Kappe fertigen könnte“, berichtet Kindling. Ebling müsse als OB auf vielen verschiedenen Fastnachtsveranstaltungen präsent sein, da sei ein neutrale Kopfbedeckung nützlich. Kindling schneiderte ein Modell in Rot und Schwarz und mit Dom darauf, die trage Ebling jetzt seit drei Jahren. „Ich freue mich sehr, dass ich ihn dauernd mit der Kappe seh“, sagt sie. Und wenn dann der Weihbischof für die Fernsehsitzung eine Kappe wolle, oder Stimmungssänger Oliver Mager auf einmal in der Werkstatt stehe, „dann ist dass schon eine Bestätigung.“

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