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Forstbetrieb in Hessen: Kosten zu hoch: Kommunen entscheiden sich gegen Hessen-Forst

Die Gebühren steigen von Jahr zu Jahr, deshalb ziehen weitere Städte und Gemeinden die Konsequenz und organisieren ihren Forstbetrieb selbst. Auch das Kartellrecht macht Änderungen nötig. Das Nachsehen hat das Land Hessen.
Kahle Buchen stehen bei Söhrewald (Hessen). Foto: Uwe Zucchi/Archiv Kahle Buchen stehen bei Söhrewald (Hessen).
Wiesbaden/Kassel. 

Dem Landesbetrieb Hessen-Forst bläst der Wind ins Gesicht. Ende des Jahres werden sich sechs weitere hessische Städte und Gemeinden wieder selbst um ihre Wälder kümmern, Groß-Gerau, Rüsselsheim, Raunheim, Lichtenfels, Brachtal und Büttelborn. Hinzu kommt, dass die Holzvermarktung von Waldeigentümern mit mehr als 100 Hektar Fläche aufgrund von kartellrechtlichen Bedenken geändert werden muss, wie das Umweltministerium in Wiesbaden bestätigte.

Eine Anfrage der FDP-Fraktion im Landtag hat ergeben, dass bereits Städte wie Gießen, Oberursel, Usingen, und Bad Homburg dem Landesbetrieb den Rücken gekehrt haben. Andere Städte wie Frankfurt und Wiesbaden haben ohnehin noch nie mit ihm im Rahmen der sogenannten „Beförsterung” zusammengearbeitet.

„Das Glas ist mehr als halb voll”, sagt Jörg van der Heide, Abteilungsleiter Forstbetrieb bei Hessen-Forst in Kassel, auf die Austritte der Städte und Gemeinden. Von 426 hessischen Kommunen würden noch immer mehr als 400 von Hessen-Forst betreut. Die jährlichen Gebührensteigerungen in Höhe von 4,2 Prozent bis 2025 verteidigte er mit dem Hinweis darauf, dass die Dienstleistungen von Hessen-Forst bisher nicht kostendeckend seien. Dies soll bis 2025 erfolgt sein. „Wir stehen im Wettbewerb”, räumte van der Heide ein.

Viele Städte und Gemeinden gingen im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit neue Wege. „Das ist kein ganz neuer Effekt”, sagte er. Seiner Einschätzung nach bietet Hessen-Forst für die Kommunen jedoch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Deswegen seien auch rund 75 Prozent der hessischen Privatwaldbesitzer Kunden des Landesbetriebes.

Uwe Steuber, Bürgermeister der Stadt Lichtenfels in Nordhessen, bestätigte, dass die Kommune die Dienstleistungen von Hessen-Forst nicht mehr in Anspruch nehmen wird. „Wir haben Probleme mit zu viel Wild, weswegen wir einen eigenen Revierleiter eingestellt haben. „Das macht die Gespräche mit den Jagdpächtern einfacher”, sagte Steuber und fügte an: „Es gab zu viele Personalwechsel bei Hessenforst”. Ein weiterer Grund sei die Intervention des Kartellamtes. Laut Steuber muss Hessen-Forst das Verfahren der Holzvermarktung ändern. Seine Kommune - Lichtenfels hat 2100 Hektar Wald - vermarkte ihr Holz ab 2018 selbst.

Es sind allerdings auch die Kosten, die den Bürgermeister dazu bewogen, die Forstwirtschaft auf eigene Beine zu stellen. „Derzeit ist es für uns noch ein wenig teurer, einen eigenen Förster mit Dienstwagen zu beschäftigen, aber das wird sich in wenigen Jahren ändern.” Dadurch, dass Hessen-Forst die Gebühren jedes Jahr um 4,2 Prozent erhöhe, sei die eigene Lösung schon in vier Jahren nicht mehr teurer, erklärte der Bürgermeister.

Hessen-Forst droht weiteres Ungemach, denn laut Steuber, der Präsidiumsmitglied des Verbandes der privaten Waldbesitzer in Hessen ist, wird auch beim Domanium in Frankenberg darüber diskutiert, bestimmte Dienstleistungen von Hessenforst zukünftig nicht mehr in Anspruch nehmen.

Domanium ist die Kurzform für die Waldecksche Domanialverwaltung die aus dem Fürstentum Waldeck hervorgegangen ist. Es bewirtschaftet eine Waldfläche von 19 000 Hektar und gilt damit als einer der größten kommunalen Waldbesitzer in Deutschland. Betriebsleiter Rolf Kaufmann sagte, derzeit würden Arbeitsgruppen gebildet, um über die eigenständige und zukünftige Vermarktung des Holzes zu diskutieren - es sei aber nicht geplant, die Forstgemeinschaft zu verlassen.

Hintergrund ist ein Streit des Bundeskartellamtes mit dem Land Baden-Württemberg. Laut Kaufmann ist zwar noch nicht sicher, was geändert werde, aber: „Es ist sicher, dass es Änderungen geben wird.” Die Länder Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Thüringen müssen laut Kaufmann in Zukunft dafür sorgen, dass Waldbesitzer mit einer Fläche von mehr als 100 Hektar ihre Holzvermarktung anders gestalten, damit das Bundeskartellamt keinen Anlass zum Einschreiten hat.

Das hessische Umweltministerium hat sich bereits an die Waldbesitzer gewandt, um diese auf die anstehenden Änderungen vorzubereiten. Zudem werde eine Arbeitsgruppe gebildet, die erarbeiten soll, wie in Hessen der Holzverkauf so organisiert werden kann, dass er dem Wettbewerbsrecht entspricht, teilte das Ministerium mit.

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