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Innenminister Peter Beuth erwägt Führerscheinentzug: Lappen weg bei Gewalt im Fußball-Stadion?

Von Kaum rollt in den Stadien wieder der Fußball, steht das Thema Gewalt im Stadion im Fokus. Hessens Innenminister will dem Phänomen mit drastischen Maßnahmen zu Leibe rücken.
Krawall beim Fußball Foto: Fredrik Von Erichsen (dpa) Gegen Pyrotechnik im Stadion, wie hier bei einem Spiel von Eintracht Frankfurt gegen den 1. FC Köln im Jahr 2011, sprach sich Innenminister Peter Beuth entschieden aus.
Wiesbaden. 

Es waren beängstigende Szenen, die sich kürzlich beim Pokalspiel Hansa Rostock gegen Hertha BSC abspielten: Fans des Berliner Bundesligisten schossen zahlreiche Feuerwerksraketen ins gegnerischen Lager ab. Im Gegenzug brannten maskierte Rostock-Anhänger Hertha-Vereinsfahnen ab. Minutenlang loderten die Banner im Ostseestadion. Die Vorfälle waren so massiv, dass das Spiel zwei Mal unterbrochen werden musste. Einmal mehr stand nicht der Sport im Mittelpunkt, sondern die Ausschreitungen auf der Tribüne.

Symbolbild
Fußball-Rowdies Kommentar: Strafen können kein Allheilmittel sein

Was die Wirksamkeit eines Führerscheinentzugs in Frage stellt: Wer sich durch Haft- oder Geldstrafen nicht abschrecken lässt, den schreckt auch kein Fahrverbot. Ein Kommentar von Klaus Späne.

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Wenn es nach Hessens Innenminister Peter Beuth geht, sollen solche Vorkommnisse bald der Vergangenheit angehören. Nachdem der CDU-Politiker bereits in der Vergangenheit deutlich gemacht hatte, keine Störer im Umfeld der Stadien mehr zu dulden, hat er auf dem gestern zu Ende gegangenen Konferenz Treffen der Innen- und Justizminister von CDU und CSU den Ausschreitungen im Fußball den Kampf angesagt.

Keine Kampfarenen

„Gefährliche Gegenstände und Gewalt haben an Sportstätten nichts zu suchen. Ich möchte, dass auch Eltern weiterhin ohne Angst ihre Kinder mit ins Stadion nehmen können“, sagte Beuth am Freitag in Berlin.

Das Sanktionsmittel, das Beuth künftig vorschwebt, ist der Führerscheinentzug. „In Hessen werden wir uns damit befassen, ob aggressiven und gewalttätigen Fußball-Rowdies künftig die Fahrerlaubnis entzogen werden kann“, sagte Beuth. Personen, die regelmäßig im Zusammenhang mit Fußballspielen Straftaten mit einem hohen Aggressionspotenzial begehen, sollten daher bei der medizinisch-psychologischen Untersuchung vorstellig werden, „statt unsere Fußballstadien zu Kampfarenen zu machen“.

Neu ist diese Überlegung nicht. Ende vorigen Jahres etwa drohte die Braunschweiger Polizei Anhängern von Hannover 96 und Eintracht Braunschweig mit Konsequenzen bis hin zum Führerscheinentzug, falls sie beim großen Niedersachsen-Derby negativ auffielen.

Und in Oberhausen forderte die Stadtverwaltung Anfang 2016 einige Ultras zu einer medizinisch-psychologischen Untersuchung auf, im Volksmund auch Idiotentest genannt. Sonst drohe der Verlust der Fahrerlaubnis. In dem Schreiben wurde den Fußballfans ein extrem hohes Aggressionspotenzial attestiert. Angeblich gehörten sie einer Hooligan-Gruppierung an. Daher sei davon auszugehen, dass sie auch im Straßenverkehr emotional impulsiv handeln, hieß es. Der Fall sorgte seinerzeit für bundesweites Aufsehen in der Fan-Szene.

Mehr Spielraum für Polizei

„Wer so rücksichtslos Menschen gefährdet, gehört weder in ein Fußballstadion, noch hinter ein Lenkrad“, argumentiert auch Hessens Innenminister. Er spricht sich außerdem dafür aus, die Handlungsmöglichkeiten der Polizei zu vergrößern. Die Sicherheitskräfte sollten in die Lage versetzt werden, Meldeauflagen vor Problemspielen umzusetzen. „So kommen die schlimmsten Chaoten erst gar nicht in die Nähe der Stadien, und die Behörden wissen, wann und wo sie sich aufhalten“, sagte Beuth. Offenbar noch unter dem Eindruck der Rostock-Ereignisse sprach sich Beuth auf dem Innenministertreffen gegen Pyrotechnik im Stadion aus. „Über tausend Grad heiße Pyros haben in Fußballstadien nichts verloren. Wer derart gefährliche Gegenstände in Stadien zulassen will, unterzeichnet die Kapitulation des Rechtsstaats und riskiert die Gesundheit der Fans.“

Bei all dem sei man auch auf die Kooperation der Vereine angewiesen, sagt Marcus Gerngroß, stellvertretender Sprecher im hessischen Innenministerium. Er wies zugleich darauf hin, dass das Innenministertreffen kein Gremium sei, auf dem Beschlüsse getroffen werden könnten. Es gehe dort um den Austausch von gemeinsamen Ideen.

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