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Interview: „Laute Flugzeuge müssen teurer werden“

Schon in den 1960er Jahren protestierten Anwohner von Flughäfen in ganz Deutschland gegen zu laute Flugzeuge. Am heutigen Freitag begeht die Bundesvereinigung gegen Fluglärm ihr 50-jähriges Bestehen.
Foto: Walter Keber (cas)D-Ruesselsheim Berthold Fuld (mit roter Jacke) beim Aktionstag der Bürgerinitiativen auf dem Römerberg in Frankfurt im September 2017.

Schon in den 1960er Jahren protestierten Anwohner von Flughäfen in ganz Deutschland gegen zu laute Flugzeuge. Am heutigen Freitag begeht die Bundesvereinigung gegen Fluglärm, die ihren Sitz in Mörfelden-Walldorf hat, ihr 50-jähriges Bestehen. Der stellvertretende Vorsitzende der Lobbyvereinigung, der promovierte Ingenieur Berthold Fuld aus Bad Homburg, spricht mit Redakteurin Wiebke Rannenberg über Erfolge und Misserfolge der Anti-Fluglärm-Bewegung.

Wie sind Sie dazu gekommen, sich gegen Fluglärm zu engagieren?

BERTHOLD FULD: In Bad Homburg haben wir vom Fluglärm viele Jahre lang nur wenig gehört. Aber im April 2001 waren wir im Urlaub. Am Morgen nach unserer Rückkehr, am 22. April 2001, donnerte um 7.15 Uhr ein Flugzeug über unser Haus. Drei Tage zuvor war die Tabum-Route eingeführt worden, die mehr Flugzeuge über den Taunus leitete. Gleichzeitig wurde der nördliche Gegenanflug bei Ostwind eingeführt, seitdem werden über die Flugrouten nach Norden abfliegende Flugzeuge tief gehalten.

Sind es überwiegend Menschen, die persönlich betroffen sind, die in ganz Deutschland in Anti-Fluglärm-Initiativen arbeiten?

FULD: Überwiegend ja. Und fast alle machen wir das ehrenamtlich. Aber da gibt es auch Grenzen, deshalb sind wir froh, dass wir gelegentlich Anwälte und Gutachter engagieren können. Aber selbst für die bundesweit arbeitende Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF) haben wir nur eine Mitarbeiterin mit einer halben Stelle in der Geschäftsstelle in Düsseldorf. Wir finanzieren uns im wesentlichen über Mitgliedsbeiträge, dazu kommen auch Spenden.

Die Bundesvereinigung feiert 2017 ihr 50-jähriges Bestehen, heute gibt es dazu eine Veranstaltung in Frankfurt. Warum machen Sie sich die Mühe einer bundesweiten Vernetzung?

FULD: Weil es wichtig ist, dass die Initiativen untereinander Informationen austauschen, wie es in Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg oder Berlin läuft. Das tun die Flughafenbetreiber ja auch. Und wir stellen immer wieder fest, dass sie dieselben Spielchen treiben. Außerdem sind wir eine bundesweite Lobbyvereinigung.

Gegründet wurde die BVF vor 50 Jahren, also 1967. Warum?

FULD: Ein Quantensprung waren die ab dem Ende der 1950er Jahre aufkommenden zivilen Strahlflugzeuge, umgangssprachlich Düsenflugzeug. Die vierstrahligen Machinen wie die Boeing 707 und die DC-8 machten einen Höllenlärm. Zu den Gründern des Netzwerks gehörten unsere inzwischen verstorbenen Ehrenpräsidenten Kurt Oeser aus Mörfelden-Walldorf am Frankfurter Flughafen und Joachim Hans Beckers aus Düsseldorf. Mit Hamburg und München waren das die ersten Flughäfen, an denen sich Widerstand gegen den Lärm regte. In Frankfurt kamen zudem Ende der 1960er Jahre die ersten Diskussionen über die Erweiterung mit der Startbahn West.

Gab es damals von der Flughafen Frankfurt/Main AG (FAG), der heutigen Fraport, ein Bewusstsein für die Lautstärke und die Belastung der Anwohner?

FULD: Lärmschutz ist in Frankfurt immer vernachlässigt worden. Fraport ist als Drehkreuz einem weit intensiveren Wettbewerb ausgesetzt als andere Flughäfen. Passiven Lärmschutz wie Lärmschutzfenster gab es erst nach dem Jahr 2000, als das an anderen Flughäfen längst üblich war. Und auch heute noch sind die Grenzwerte und das Schallschutzniveau für Frankfurt schlechter, zum Beispiel beim Schallschutz circa zehn Dezibel schlechter als für den neuen Flughafen in Berlin.

Welche Erfolge gab es für die BVF in 50 Jahren?

FULD: Schon das erste Gesetz zum Schutz vor Fluglärm 1971 hat die BVF mit angestoßen. Das hatte zwar so absonderlich hohe Grenzwerte, dass es nur in Düsseldorf und Berlin-Tegel griff. Aber es wurde überall über Fluglärm diskutiert. Hier in Frankfurt war ein großer Erfolg der Mediation, dass zumindest zwischen 23 und 5 Uhr relativ viel Ruhe erreicht wurde. Aber es ist ein sehr zähes Geschäft.

Und Misserfolge?

FULD: Wir hatten darauf gedrängt, dass das Fluglärmgesetz erneuert wird. Doch die Novellierung von 2007 bringt relativ wenig, die Grenzwerte für die Lärmbelastung sind während der Beratung immer schlechter geworden. Da war der unklare Zustand vorher sogar besser, weil es Gerichte gab, die zugunsten der lärmgeplagten Anwohner entschieden hatten. Da hat sich unser Engagement nicht gelohnt.

Zum Jubiläum beschäftigt sich das Netzwerk mit Forderungen an die neue Bundesregierung. Die Liste ist drei Seiten lang. Was ist die Hauptforderung?

FULD: Es muss teurer werden, laute Flugzeuge einzusetzen. Nachts soll nicht geflogen werden; mit höheren Entgelten könnte man Anreize zur Verlagerung von Nachtflügen in den Tag geben. Dafür müsste der Bundestag über das Luftverkehrsgesetz die Entgeltregelungen verändern. Es würde schon reichen, die Nachtzuschläge um fünf bis zehn Euro pro Person zu erhöhen, damit die Fluggesellschaften die Flüge auf den Tag verlegen.

Ist das realistisch?

FULD: Ja, wir sehen da Chancen. Vor der Wahl hatten wir zusammen mit den Fluglärmkommissionen Wahlprüfsteine verschickt. Und die Jamaika-Parteien haben alle drei geantwortet, dass sie solche Entgelterhöhungen anstreben wollen – auch die FDP und die CDU.

Es geht um den Schutz der Nachtruhe

Die Bundesvereinigung gegen Fluglärm ist ein unabhängiger, gemeinnütziger Verein, in dem nach eigenen Angaben fast 100 Vereinigungen an Verkehrs- und Militärflughäfen sowie an Landeplätzen aus ganz

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