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Bildung: Lehrer an der Belastungsgrenze

Von Hessens Lehrer stoßen immer wieder an die Grenzen ihrer Belastungsfähigkeit. Das zeigt die zunehmende Zahl von Überlastungsanzeigen, die ans Kultusministerium gehen. Während die Landesregierung sich beim Abstellen der Probleme auf einem guten Weg sieht, kritisiert die Opposition Schönfärberei und mangelndes Problembewusstsein.
Pressekonferenz GEW zur Arbeitszeit von Lehrkräften Foto: Julian Stratenschulte (dpa) Gewerkschafter protestieren im Januar in Hannover am Rande einer Pressekonferenz der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).
Wiesbaden. 

Viel deutlicher kann die Aktualität eines Themas eigentlich nicht unterstrichen werden. Weniger als einen Tag vor der Debatte im Landtag trudelte eine Überlastungsanzeige der Frankfurter Georg-Büchner-Schule beim Kultusministerium in Wiesbaden ein. Darin beklagt sich die Personalversammlung der Lehranstalt über die „gesundheitsgefährdenden Bedingungen“, unter denen man zu arbeiten habe.

Kein Einzelfall

Für Christoph Degen (SPD) war der Hilferuf der Integrierten Gesamtschule aus dem Frankfurter Stadtteil Bockenheim geradezu eine Steilvorlage. Zumal es bereits das zweite Mal war, dass sich die Lehranstalt ans Kultusministerium gewandt hatte und sich nun darüber beklagte, keine Rückmeldung erhalten zu haben.

Dies sei kein Einzelfall, beklagte Degen eine steigende Zahl von Überlastungsanzeigen und forderte die schwarzgrüne Landesregierung auf, solche Beschwerden ernst zu nehmen. Wie auch andere Sprecher der Oppositionsparteien, die in einer lebhaften Debatte Schwarz-Grün vorwarfen, die Lehrer im Land im Stich und die Schulen mit ihren Problemen allein zu lassen.

Zum wiederholten Male in dieser Legislaturperiode kochte das Thema Schule im Landesparlament hoch, nachdem vor ein paar Wochen bereits wegen des Ausfalls von Unterrichtsstunden gehörig die Fetzen geflogen waren. Auch in der gestrigen Debatte wurden erneut die tiefen Gräben in der hessischen Bildungspolitik sichtbar.

Die Wochenarbeitszeit der Beamten sei im vergangenen Jahr um eine Stunde auf 41 Stunden reduziert worden, sagte Armin Schwarz (CDU). Allein zum Ausgleich dafür habe die Landesregierung rund 600 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen. Außerdem sei die Besoldung erhöht worden. In Rheinland-Pfalz verdienten Lehrer zum Einstieg 4000 Euro weniger pro Jahr, Referendare wanderten von dort nach Hessen ein.

Überlastungsanzeigen in Schulen würden ernst genommen, betonte Kultusminister R. Alexander Lorz (CDU). Die Klassengrößen seien reduziert, die mobile Vertretungsreserve verdoppelt worden. Zuletzt seien 700 Sozialpädagogen an Schulen gebracht worden.

Hilferufe und Brandbriefe

Natürlich seien noch nicht alle Probleme an den Schulen gelöst, versuchte Mathias Wagner (Grüne) eine differenzierte Betrachtung. Im Vergleich zu anderen Bundesländern stehe Hessen aber gut da. Wagner: „In Hessen kann nicht immer jede Stelle sofort mit der passenden Person besetzt werden – in anderen Bundesländern gibt es die Stellen überhaupt nicht.“

„Man redet das alles schön“, kritisierte hingegen SPD-Politiker Christoph Degen die Landesregierung scharf. Es fehle außerdem – anders als in Rheinland-Pfalz – an gesammelten Daten. „Man weiß eigentlich gar nichts“, sagte Degen. „Krankheitstage von Lehrkräften sind ein Staatsgeheimnis.“ Er forderte daher eine Arbeitszeitstudie, „echte Vertretungsreserven“ und die Erhebung von Krankheitstagen.

„Lehrer sind längst an den Grenzen ihrer Belastbarkeit angelangt“, sagte auch Gabi Faulhaber (Linke). Doch alle Hilferufe und Brandbriefe blieben ungehört. Stattdessen erzähle Kultusminister Lorz immer wieder das Märchen, dass es hessischen Schulen so gut gehe wie nie zuvor. Die neuerlichen Belastungsanzeigen durch Schulen zeigten, dass die Landesregierung noch immer den Kurs verfolgt: nichts hören, nichts sehen, nichts sagen, schloss sich Wolfgang Greilich (FDP) der Kritik an.

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