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Schule in Hessen: Lehrerin erzählt, wie sie zweieinhalb Monate ohne Gehalt überstehen musste

Von Eigentlich sollte es das nicht mehr geben: Lehrer, die vor den Sommerferien entlassen werden, um danach wieder eingestellt zu werden. Die FNP hat mit einer Betroffenen gesprochen.
Lehrer in Niedersachsen Foto: Julian Stratenschulte (dpa) An Hessens Schulen kommen einige Vertretungslehrer zum Einsatz.
Frankfurt. 

Lina Müller (Name geändert) erinnert sich nur noch sehr ungern an die Sommerferien. „Nach meinem Referendariat erhielt ich leider nur einen befristeten Angestelltenvertrag als Lehrerin an einer Schule im Rhein-Main-Gebiet“, berichtet sie. Dieser Vertrag endete am letzten Tag vor den Sommerferien. „Danach war ich arbeitslos“, erzählt sie und ergänzt: „Von Mitte Juli bis Ende September hatte ich kein eigenes Einkommen und musste von Hartz IV leben.“

Zwar bekam sie zu Beginn des neuen Schuljahrs Anfang September wieder einen befristeten Vertrag an ihrer „alten“ Schule. Aber ihr Gehalt war erst Ende des Monats auf dem Konto.

Christiane Warnecke
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Befristete Verträge sind für Berufseinsteiger inzwischen eher die Regel als die Ausnahme. Viele Arbeitgeber nutzen Zeitverträge als erweiterte Probezeit und als Sparmodell.

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Grund für Müllers Misere war, dass das Land Hessen immer noch zu Beginn der Sommerferien Vertretungslehrer entlässt, um sie nach den Sommerferien wieder einzustellen. Dabei sollte es das laut einem Beschluss aus dem Jahr 2009 eigentlich nicht mehr geben.

Lina Müller hatte sich schon drei Monate vor Ende des Schuljahres als arbeitslos gemeldet. Das nutzte ihr aber nichts. Während der Sommerferien teilte ihr die Arbeitsagentur mit, dass ihr wegen ihres Beamtenverhältnisses während des Referendariat kein Arbeitslosengeld zusteht. Daraufhin beantragte die Lehrerin Arbeitslosengeld II, auch Hartz IV genannt. „Ich musste meine ganzen Vermögensverhältnisse offenbaren, das war einfach nur demütigend“, sagt sie.

Die Situation war für Lina Müller schlimm. Trotzdem wollte sie weder Verwandte noch Freunde um Geld bitten. Auch ein Bankkredit kam für sie nicht in Frage. „Ich möchte nicht andere um Geld angehen, nur weil der Staat meint, er müsse mich für meine Leistung als Lehrerin in den Ferien nicht bezahlen“, ärgert sie sich.

Eine Nachfrage bei der Bundesagentur für Arbeit Hessen (BA Hessen) ergab, dass sich im August diesen Jahres 1046 Menschen mit dem Beruf „Lehrer“ arbeitslos gemeldet haben. „Das waren 14,6 Prozent weniger als im Vorjahr“, erläutert Sprecherin Christina Funedda. Zum Vergleich: Im Juni waren 326 Menschen mit dem Herkunftsberuf „Lehrer“ arbeitslos gemeldet.

Jochen Nagel, GEW-Chef in Hessen, glaubt, dass diese Zahlen das wahre Ausmaß des Problems nicht zeigen. „Es gibt nicht wenige Kollegen, die melden sich erst gar nicht arbeitslos“, sagt Nagel. Denn betroffene Lehrer wollten in den Urlaub fahren, ohne sich diese Ferien als „Arbeitsloser“ von der BA genehmigen zu lassen.

Nach einem Bericht des Kultusministeriums waren im Jahr 2015 genau 4546 Lehrer in Hessen in befristeten Arbeitsverhältnissen beschäftigt. Im Jahr zuvor waren es noch 5030 gewesen. Das Gros der Vertretungslehrer unterrichtet an Grund-, Haupt- und Realschulen sowie an beruflichen Schulen, wie der Erhebung zu entnehmen ist.

Von den befristeten eingestellten Lehrern hatten zum 1. Mai 2015 übrigens knapp 3000 weder ein Lehramt noch eine Lehrbefähigung, wie dem Bericht des Kultusministeriums zu entnehmen ist, sie waren Seiteneinsteiger.

Ein Hauptschullehrer hatte Sex mit seiner Schülerin. Symbolfoto: dpa
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Eigentlich sollten Vertretungslehrer in Hessen ihr Geld auch in den Sommerferien bekommen. Das sieht ein Erlass des Kultusministeriums aus dem Jahr 2009 vor. Aber die Regelung hat ihre Tücken. Die Gewerkschaft GEW ist alarmiert.

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