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Willi will aufhören: Linken-Politiker van Ooyen legt sein Abgeordnetenmandat nieder

Von Linken-Fraktionschef Willi van Ooyen legt mit 70 sein Abgeordnetenmandat nieder. Es ist aber kein Rückzug aus der Politik. Schließlich ist alle Jahre wieder Friedensdemo-Zeit.
Willi van Ooyen neuer Spitzenkandidat der Linken in Hessen Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Willi van Ooyen ist ein Ostermarschierer der ersten Stunde. Vergeblich versuchte er, 2008 eine rot-rot-grüne Mehrheit im Landtag zu bilden.
Wiesbaden. 

Seit mehr als neun Jahren steht Willi van Ooyen an der Spitze der Linken-Fraktion im Hessischen Landtag. Mit 70 soll nun Schluss sein. Am Samstag legt er nicht nur den Fraktionsvorsitz nieder, sondern auch gleich sein Abgeordnetenmandat. „Es braucht aber niemand zu denken, dass ich in mein Haus in Frankreich gehe und die Füße hochlege“, betont der langjährige Friedensaktivist. Und wie zum Beweis dessen arbeitet van Ooyen derzeit wieder einmal in dem kleinen Büro der zentralen „Informationsstelle Ostermarsch“ im Frankfurter Gewerkschaftshaus. Die betreibt er schon sehr viel länger, als sein parlamentarisches Dasein dauert. Und die Aufgabe, die vielen dezentralen Ostermärsche in Deutschland zu vernetzen, will er auch in Zukunft fortführen.

Ehrenamtlich im Büro

Schließlich ist es für den passionierten Linken eine Herzensangelegenheit. Auch in der Zeit als Fraktionschef im Wiesbadener Landtag saß er – wie jetzt – jeweils in der gesamten Karwoche und über das Osterwochenende ehrenamtlich in dem Büro, um alle Informationen der Ostermarsch-Veranstaltungen vor Ort zu sammeln und weiterzugeben – von der Art der Demonstration, den politischen Schwerpunkten bis zur Teilnehmerzahl.

Zur Person: Willi van Ooyen

Willi van Ooyen wurde am 23. Februar 1947 in Weeze am Niederrhein als ältestes von sieben Geschwistern geboren. Er verließ die Volksschule mit 14 Jahren, um eine Lehre als Elektroinstallateur

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Nur wenn er am Ostermontag selbst zur Kundgebung auf dem Frankfurter Römerberg zieht und sich dort auch um den Aufbau von Bühne und Transparenten kümmert, wird man ihn für ein paar Stunden nicht in dem Kabuff antreffen.

Van Ooyen ist ein Ostermarschierer der ersten Stunde. „Ich war schon vor meiner Frankfurter Zeit 1966 bis 1968 bei den Ostermärschen in Dortmund mit von der Partie“, erinnert sich der in Weeze am Niederrhein geborene heutige Politiker. Erste politische Aktivitäten entfaltete van Ooyen bereits in der Lehrlingsbewegung während seiner Elektro-Ausbildung bei der Bahn und dann vor allem als Zivildienstleistender in Düsseldorf, wo er einen Streik organisierte. „Dafür habe ich mein erstes Strafverfahren wegen Landfriedensbruchs bekommen“, berichtet er. Van Ooyen engagierte sich im Vorstand der Vereinigten Kriegsdienstgegner (VK).

Viel Ärger vor allem mit der CDU im Landtag hat ihm später seine Mitarbeit in der DDR-finanzierten Deutschen Friedens-Union (DFU) eingebracht. „Ich habe Erich Honecker nicht kennengelernt und mir nichts vorzuwerfen“, sagt er heute. Nach Auflösung der Splitterpartei 1990 war er parteilos, bis ihn die hessische Linke 2007 überraschend bat, die Spitzenkandidatur der Partei für die Landtagswahl 2008 zu übernehmen. Zuvor war der ehemalige hessische DGB-Chef Dieter Hooge dafür in der Partei dem einstigen DKP-Mitglied Piet Metz unterlegen, der dann aber seinerseits zurückzog.

Van Ooyen wurde tatsächlich gewählt und trat an die Spitze der sechsköpfigen Linken-Fraktion im Wiesbadener Landtag. Dieses erste Jahr mit einer linken Mehrheit im Parlament und dem – allerdings vergeblichen – Versuch, eine rot-rot-grüne Mehrheit zu bilden, bezeichnet van Ooyen heute als das beste. Schließlich habe diese Mehrheit damals beispielsweise die Studiengebühren in Hessen abgeschafft. Ende 2008 wurde er dann auch Parteimitglied der Linken, nach der Wiederwahl 2009 und 2013 blieb er in einer Doppelspitze mit Janine Wissler Fraktionschef – dann aber in klarer Oppositionsrolle.

„Man muss das nicht ewig machen“, sagt van Ooyen heute und scheidet ohne Wehmut aus dem Parlament. Jetzt will er wieder in der außerparlamentarischen Opposition wirken, aus der er kam. Nach seinem familiär bedingten Umzug nach Frankfurt 1972 war er es, der die Ostermärsche nach mehrjähriger Pause wieder neu belebte.

Gegen die Nachrüstung

„Ich habe selbst den Ostermarsch 1980 angemeldet, das war damals noch ein eher bescheidener Osterspaziergang durch den Taunus mit etwa 100 Teilnehmern“, sagt er. Doch dann wuchs die Bewegung immer mehr an. Vor allem der Protest gegen die Nachrüstung, gegen den zweiten Golfkrieg und den Irak-Krieg brachte Hunderttausende auf die Beine. Dass heute deutlich weniger zu den Ostermärschen kommen, ist für van Ooyen kein Grund zum Verzweifeln. „Die Friedensbewegung hat etwas bewirkt“, ist er sich sicher. Schließlich lehne eine Mehrheit der Deutschen heute Kriegseinsätze ab. Und wegen der laufenden Kriege setzt er in den nächsten Tagen bei den diesmal bundesweit etwa 60 Veranstaltungen wieder auf etwas mehr Teilnehmer als im Vorjahr. „Die Menschen kommen, wenn sie Hoffnung haben, mit der Demonstration etwas bewegen zu können“, spricht er sich Mut zu.

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