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215 000 Kunden betroffen: Lufthansa-Pilotenstreik geht weiter - Fronten verhärtet

Der Streik der Lufthansa-Piloten geht in den zweiten Tag. An den Flughäfen ist es ruhig, doch der Ton zwischen der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und dem Unternehmen bleibt rau. Die Airline fordert weiter eine Schlichtung.
Viele Lufthansa-Maschinen bleiben vorerst weiter am Boden. Foto: Arne Dedert (dpa) Viele Lufthansa-Maschinen bleiben vorerst weiter am Boden.
Wegen des Pilotenstreiks bei der Lufthansa sind auch am Donnerstag Hunderte Flüge ausgefallen. Besonders betroffen seien erneut die großen Drehkreuze Frankfurt und München, sagte eine Unternehmenssprecherin. «Die Lage in den Terminals ist ruhig», hieß es bei der Lufthansa. Der Streik-Flugplan funktioniere wie geplant.

Viele Fluggäste seien vorab informiert worden oder hätten sich selbst schlau gemacht. Der Konzern erklärte, es seien über 150 000 Mails oder SMS mit Fluginfos versendet worden. «Wir tun alles, was in unseren Kräften steht, um die Situation im Griff zu behalten», sagte Vorstandsmitglied Harry Hohmeister vor Journalisten am Frankfurter Flughafen. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) verteidigte ihr Vorgehen.

Insgesamt sollten 912 Verbindungen ausfallen. Flüge der Billigtöchter Eurowings und Germanwings sowie der Konzerngesellschaften AUA, Swiss, Brussels und Air Dolomiti waren nicht betroffen.

In München hoben nur einige wenige Maschinen ab. In Frankfurt zeigte sich ein ähnliches Bild. Es ging dort deutlich ruhiger zu als an normalen Tagen, lange Menschenschlangen gab es nicht. Auf den Abflugtafeln prangte oft die Ansage «Annulliert» - für Flüge von Birmingham bis Wien. An die wenigen gestrandeten Passagiere wurden Snacks, Wasser und Saft verteilt.

Die Forderungen der VC nannte Hohmeister «abstrus» und «völlig unakzeptabel». Schon jetzt zahle Lufthansa den Piloten mehr als bei anderen Airlines üblich. Es gehe darum, die Fluggesellschaft zukunftsfähig aufzustellen. Man sei auch den 120 000 anderen Mitarbeitern verpflichtet.

Hohmeister sagte, er hoffe auf eine schnelle Rückkehr an den Verhandlungstisch und erneuerte den Vorschlag einer Schlichtung. Jeder Streiktag koste Lufthansa rund zehn Millionen Euro. Hinzu komme ein Imageschaden, der nicht genau zu beziffern sei. «Wir merken das aber in unseren mittelfristigen Buchungszahlen.»

Im bis Anfang 2014 zurückreichenden Tarifkonflikt hatte Lufthansa den Piloten zuletzt ein Lohnplus von 2,5 Prozent bis Ende 2018 angeboten. Die Vereinigung Cockpit lehnt das ab. Sie verlangt Tariferhöhungen von insgesamt 22 Prozent für die Zeit bis einschließlich April 2017.

Am Mittwoch waren wegen des Streiks bereits 876 Flüge ausgefallen, laut Lufthansa waren an beiden Tagen zusammen insgesamt rund 215 000 Kunden betroffen. Zehntausende Passagiere werden am Freitag wohl noch hinzukommen. Dann bestreikt die VC Verbindungen auf der Kurzstrecke, die aus Deutschland starten. Die Lufthansa rechnet damit, am Freitag zumindest wieder alle Langstreckenflüge durchführen zu können. Am Donnerstag fielen hier 82 Verbindungen aus.

VC verteidigt das eigene Vorgehen damit, dass das Lufthansa-Management weiter keinerlei Bewegung zeige und kein verhandlungsfähiges Angebot übermittelt habe. Sprecher Jörg Handwerk warf dem Vorstand eine «kompromisslose Unternehmenspolitik» vor. Die Piloten lehnen eine Schlichtung bisher ab und kritisieren das aus ihrer Sicht zu niedrige Angebot der Lufthansa.

Der Verband Deutsches Reisemanagement warf der VC vor, mit der Ausdehnung des Streiks einen immensen Schaden für die deutsche Wirtschaft in Kauf zu nehmen. «Die geschäftliche Mobilität deutscher Unternehmen ist ein wichtiger Motor der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in unserem Land», erklärte Präsident Dirk Gerdom.


(lhe)

Bilderstrecke Umfrage zum Pilotenstreik am Frankfurter Flughafen
Kanan Alsayid kommt aus dem Libanon. "Ich habe hier in Frankfurt erst erfahren, dass der Flug na Stockholm ausfällt." Er wurde umgebucht auf die Fluggesellschaft SAS. "Der Flug geht um 19.15 Uhr statt um 10.30 Uhr. Ich habe einen Tag verloren."Samuel Glassenberg will zurück nach Chicago. Der Streik der Piloten brachte seinen Plan durcheinander. "Normalerweise wäre ich am Mittwoch früh aus St. Petersburg hergeflogen und dann in eine Lufthansamaschine umzusteigen." Doch der Flug von Petersburg nach Frankfurt wurde gestrichen. Glassenberg hat die russische Metropole schon gestern verlassen und die Nacht in Frankfurt im Hotel verbracht.Für Veronika Kontonikolaou (rechts) hat der Streik nur eine Folge gehabt: "Ich musste drei Stunden früher aufbrechen." Denn ihre Mutter Inge hat sie schon um sechs Uhr morgens von Stuttgart nach Frankfurt gefahren. "Normalerweise hätte ich das Flugzeug genommen", sagt die 21-jährige Veronika. Ihr Urlaub in Kolumbien begann wenigstens pünktlich: Der Linienflug nach Bogota startete plangemäß.
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