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Fastnacht: Mainzer Narren gehen mit der Politik hart ins Gericht

Von Bissige Polit-Satire ist das Markenzeichen der Mainzer Fastnacht, in diesem Jahr hagelt es vor allem Kritik an der Bundespolitik: Da wird SPD-Kanzlerkandidat zum Rohrkrepierer, die Kanzlerin zum Schildkröten-Fossil und FDP-Chef Christian Lindner wird zum Modell aus Schwall und Rauch ...
Präsentation der MCV-Motivwagen Bilder > Foto: Andreas Arnold (dpa) Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un (links) und US-Präsident Donald Trump sitzen sich unter dem Motto „Wer hat den Größten?“ gegenüber.
Mainz. 

„Er kann in drei Sekunden fünf Mal lügen, kann Mauern bauen bis zum Firmament – das will mir alles nicht in meinen Kopf“, singt der „Red-Akteur“ alias Rüdiger Schlesinger. Politische Kritik, närrisch gereimt, dafür ist die Mainzer Fastnacht bundesweit bekannt. In diesem Jahr sind es vor allem die gescheiterten Koalitionsverhandlungen, US-Präsident Donald Trump, der Wahlerfolg der AfD sowie die Polit-Nöte von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Chef Martin Schulz, die die Narren um-
treiben.

Da endet Martin Schulz als Rohrkrepierer und Angela Merkel als Schildkrötenfossil im Jahr 2111 – auch auf den Mainzer Motivwagen steht die Bundespolitik in diesem Jahr ganz vorne. 13 rollende dreidimensionale Karikaturen schicken die Mainzer Narren am Rosenmontag auf die Reise durch die Straßen von Mainz. Da spielt US-Präsident Donald Trump mit der Weltkugel Golf oder vergleicht mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Un, wem die größere Rakete aus der Unterwäsche schaut.

„Das ist die Pflicht des Narren, den Finger in die Wunde zu legen“, sagte der Wagenbauer des Mainzer Carnevals-Vereins (MCV), Dieter Wenger, gestern bei der Vorstellung der Motive. Und so lädt der türkische Präsident Recep Erdogan auf einem Wagen den deutschen Touristen scheinbar freundlich zum „Urlaub bei Freunden“ ein – und hält ihm in Wahrheit doch nur die Tür zu einer Gefängniszelle auf. „All inclusive, seid dabei, im Urlaubsparadies Türkei“, reimen die Narren bitterböse dazu.

„Eine Kondenskanzlerin“

Zwei Wagen weiter muss Alexander Dobrindt (CSU) ran, der Ex-Verkehrsminister betankt nun die Diesel-PKW ganz persönlich mit Harnstoff. Die schleppende Regierungsbildung nehmen auch zahlreiche Redner in den Sälen aufs Korn: Von „Wackeldackeln“ war da die Redner und von der „Gottesanbeterin Mutti Merkel“, die ihre Ex-Partner frisst. „Das ist eine Kondenskanzlerin, die haben die künstlich haltbar gemacht“, lästerte Werner Renkes als Koch aus der Kantine des Bundestags und seufzte: „Will doch keiner mehr regieren.... sind alle rechts und links abgebogen, wollten wohl Rettungsgasse frei machen für Angela.“

Die FDP benannte Renkes flugs in „Finito di Parlare“ um. Schulz sei „der erste Mensch, der eine Drehtür zuknallt“, lästerte Entertainer Andy Ost,. Und FDP-Mann Lindner musste sich in gleich mehreren Rednern Lästereien über sein modelhaftes Auftreten als „Posterboy“ der Politik anhören.

Besonders hart gehen die Mainzer Narren wieder mit der AfD ins Gericht: „Demokratisch gewählt heißt noch nicht demokratisch sein“, schrieb ihnen der Gonsenheimer Protokoller Erhard Grom ins Stammbuch und sprach Klartext über „Gesocks unterm Reichstagsdach“ und über „radikale Volksverhetzer“ brauner Prägung. „Das ist und bleibt braune Bagage“, schimpft auch„Obermessdiener“ Andreas Schmitt aus der Bütt, die gehöre „aus dem Tempel gejagt.“

AfD als Zwergenschar

Schmitt machte schon 2017 mit scharfer AfD-Kritik von sich Reden – und bekommt seither Drohbriefe. „Ihr könnt mich weiter nachts anrufe und Drohbriefe schreiben“, reagiert nun Schmitt aus der Bütt, „wir lassen uns nicht in die Ecke treiben!“ Auf dem neuem Motivwagen versinkt derweil ein Herr Gauland in einem braunen Sumpf und hält ein Schild hoch: „Wollt Ihr den totalen Zwerg?“ Der Schriftzug sei die Tannenberg-Nazi-Schrift, betonen die Narren – die Zwergenschar davor schreit fleißig „Ja“...

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