E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 15°C

Comedy: Michael Mittermeier: "Ich war ein einsamer Wolf"

Der Kabarettist gastiert noch heute in der Jahrhunderthalle mit seinem Programm „Lucky Punch – die Todes-Wuchtl schlägt zurück“. Enrico Sauda sprach mit dem Spaßmacher auch über ernste Themen und über seinen Auftritt.
Michael Mittermeier kennt sich ganz gut in Frankfurt aus. Schon 50 Mal war er in der Jahrhunderthalle. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Michael Mittermeier kennt sich ganz gut in Frankfurt aus. Schon 50 Mal war er in der Jahrhunderthalle.

Herr Mittermeier, Sie sind mit Ihrem Programm schon eine ganze Weile unterwegs. Hat es sich verändert?

MICHAEL MITTERMEIER: Ja, sehr viel. Ich habe schon eine halbe Stunde rausgeworfen, und es ist trotzdem nicht kürzer geworden.

Wie lang ist denn das ideale Programm?

MITTERMEIER: Zwei Stunden voll auf die Mütze. Das ist auch schon viel.

Es lohnt sich also, Ihr Programm mehrmals zu sehen?

MITTERMEIER: Natürlich. Das Grundgerüst bleibt dasselbe, aber es gibt viele neue Nuancen und kleine Geschichten. Das hält das Programm frisch.

Verbindet Sie etwas mit Frankfurt oder der Jahrhunderthalle?

MITTERMEIER: Die Jahrhunderthalle, das war damals schon ein Schritt. Wie Cirkus Krone in München. In der Jahrhunderthalle habe ich bestimmt schon 50mal gespielt.

Haben Sie dort Besonderes erlebt?

MITTERMEIER: 2005 haben wir in der Jahrhunderthalle unsere erste „Alive and Swinging“-Aufführung gehabt mit Rea Garvey, Sasha und Xavier Naidoo. Daran werde ich mich immer erinnern, denn es war der Beginn einer großen, schönen Sache. Bei der Generalprobe bin ich damals in den Bühnengraben gestürzt. Das tut weh. Das sind drei Meter. Aber am Abend stand ich auf der Bühne. Das sind Momente, die ich nie vergesse. Für uns ist damals eine neue Welt aufgegangen. Wir hatten monatelang für diesen einen Auftritt geprobt. Erst als wir gespielt hatten, war uns klar, dass wir damit auf Tour gehen müssten.

Und das haben sie gemacht.

MITTERMEIER: Ja. Ich hatte dann gesagt: ,Wenn ich 40 werde, gehen wir damit auf Tour.‘ Alle haben Ja gesagt, aber keiner ahnte, dass ich schon im Jahr darauf 40 würde.

Wie wichtig ist es als Künstler, sich frei zu fühlen?

MITTERMEIER: Freiheit habe ich mir immer genommen. Ich habe immer nur das gemacht, worauf ich tatsächlich Bock hatte.

Das ist schon von Vorteil, wenn man das kann.

MITTERMEIER: Viele sagen, dass ich mir das jetzt leisten kann. Aber das stimmt nicht. Du musst das zu einer Zeit schon machen, in der du es dir nicht leisten kannst. Dann gewöhnst du dich dran und es ist für dich ein Normalzustand. So habe ich das immer gehalten. Sonst wäre ich, glaube ich, mit mir nicht klar gekommen.

Apropos klarkommen: Gab es eigentlich einen Plan B?

MITTERMEIER: Nee. Ich habe zwar studiert, aber das war nur eine Ausgleichshandlung, damit mich meine Eltern nicht aus der Wohnung werfen. Aber ich habe es abgeschlossen.

Mit einer Magisterarbeit.

MITTERMEIER: Genau. Über amerikanische Stand-up-Comedy. Sonst hätte ich das von der Zeit her nicht geschafft.

Sie haben 1987 zu studieren und zu touren angefangen. Nicht gerade optimal fürs soziale Leben.

MITTERMEIER: Als tourender Kabarettist und Comedian bist du viel allein. Du triffst zwar Tausende von Leuten. Aber streng genommen war ich ein Autist. Ein einsamer Wolf. Deshalb war das Studium so gut. Und deshalb habe ich das gemacht.

Haben Sie es nie bereut?

MITTERMEIER: Nie. Es gab auch Jahre, in denen es – was die Zahlen betrifft – nicht gut gelaufen ist. Aber ich habe mich nie gefragt, ob ich das Falsche mache.

Gut, wenn man so etwas sagen kann.

MITTERMEIER: Viele hadern irgendwann. Wenn du jahrelang tourst, dann hast du Auftritte mal vor zehn Leuten, mal vor gar keinen Leuten.

Gibt es bei Ihnen eine Grenze?

MITTERMEIER: Meine Untergrenze war immer zwei. Vor zweien spiele ich. Das ist ein Auftritt. Es muss immer einer mehr im Publikum sein als auf der Bühne.

Das haben Sie durchgezogen?

MITTERMEIER: Bis auf eine Ausnahme. Als ich mit der Band gespielt habe, war mal einer weniger im Publikum als wir Bandmitglieder waren.

Und Sie haben trotzdem gespielt?

MITTERMEIER: Zu den Zuschauern zählte der Kritiker der AZ und da habe ich gesagt: ,Geh, lass’ spielen.‘ Der hat dann eine super Kritik geschrieben. Und das hat geholfen.

Andere hätten es trotzdem nicht gemacht.

MITTERMEIER: Ja. Aber ich habe nie rumgejammert. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Mach’ es oder lass’ es. In Deutschland wird so viel gejammert. Ich sage denen dann, dass sie mal eine Weile in Amerika auftreten sollten.

Ist das ein härteres Brot dort?

MITTERMEIER: Das System ist viel härter. Da bist du jahrelang ein Open Miker, spielst pro Jahr ein paar Hundert Mal, verdienst aber kein Geld. Ich habe das mal ein halbes Jahr in New York gemacht. Erst dann wirst du Stand-up-Comedian. Bis du aber deine erste Chance in einem Club bekommst, das dauert. Und geht auch nur, wenn du Handzettel austeilst oder bezahlst.

Und das ist hier anders?

MITTERMEIER: Hier verdient jeder Kabarettist auf einer Kleinkunstbühne viel mehr als einer in Amerika, der schon seit Jahren seinen Slot hat.

Michael Mittermeier

Lucky Punch – Die Todes-Wuchtl schlägt zurück. Jahrhunderthalle, Frankfurt, 27. September, 20 Uhr. Nur noch Restkarten, 40 Euro

Zur Startseite Mehr aus Rhein-Main & Hessen

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen