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Schädlingsbekämpfung: Mit Helikopter gegen den Eichenprozessionsspinner

Klein, gefräßig und gefährlich für den Menschen: In Hessen geht es den Eichenprozessionsspinnern wieder an den Kragen. Die Bekämpfung des Schädlings finden aber nicht alle gut.
Hubschrauber sprüht Gift zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners. Foto: Jens Büttner/Archiv Hubschrauber sprüht Gift zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners. Foto: Jens Büttner/Archiv
Wiesbaden. 

Die Augen tränen, die Haut juckt, das Atmen fällt schwer: Wer gegen den Eichenprozessionsspinner allergisch ist, für den beginnt mit den steigenden Temperaturen das Leid mit dem Insekt. Hessische Städte und Kommunen bekämpfen deshalb auch in diesem Jahr die Allergie auslösenden Raupen des Schädlings aus der Luft und vom dem Boden aus. In Frankfurt plant das Grünflächenamt mit Beginn der kommenden Woche eine vorsorgliche Bekämpfung der haarigen Raupen.

Eichenprozessionsspinner sind braune Schmetterlinge. Gefährlich für den Menschen sind sie nur als Raupen. Deren lange Haare können beim Kontakt mit der Haut von Menschen zu Ausschlag und Asthma führen. Ab Montag soll deshalb ein Helikopter über den Waldgebieten der Stadt das Insektenpestizid „Dipel ES” versprühen - dabei soll es den Raupen im Süden und Osten Frankfurts an den Kragen gehen.

Schädlingsbekämpfer besprühen außerdem am Boden etwa 5500 Eichen mit dem Mittel. Das Präparat setzt sich auf den Eichenblättern fest und wird so von den Raupen gefressen. Die Raupe kann sich nicht mehr häuten und stirbt. Die Aktion kostet die Stadt rund 200 000 Euro.

In Hanau sind die Arbeiten seit Dienstag im vollen Gange. Wie auch in Frankfurt lasse die Stadt „Dipel ES” auf die Bäume auftragen. Die Stadt Wiesbaden setzt auf ein anderes Insektizid: Seit Beginn der Woche werden Bäume mit „TP-Nema” eingespritzt - ebenfalls ein biologisches Präparat - dabei werden die Schädlinge allerdings mit Fadenwürmern bekämpft. „Dieses Mittel ist noch schonender, muss allerdings zweimal aufgetragen werden”, sagt Christian May vom Grünflächenamt Wiesbaden.

Experten saugen in der hessischen Landeshauptstadt außerdem weiter entwickelte Tiere mit Industriestaubsaugern von den Bäumen. In diesem Entwicklungsstadion wirkten herkömmliche Mittel nicht, sagt May. Im Jahr entstehen der Stadt so Kosten zwischen 90 000 und 100 000 Euro. In Darmstadt ist der Schädling auch seit einigen Jahren ein Thema - wann der Startschuss für die Bekämpfung fällt, ist aber noch unklar.

In Nord- und Osthessen ist der Eichenprozessionsspinner kein Problem. Weder Fulda noch Kassel gehen nach eigenen Angaben gegen den Schädling vor. Dafür gibt es eine einfache Erklärung: Die Raupe mag es gerne warm - „In Nordhessen ist es ihnen schlicht zu kalt”, sagt Judith Jördens vom Senckenberg Institut in Frankfurt.

Die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners stößt aber auch auf Kritik. „Grundsätzlich lehnt der Nabu die Bekämpfung ab. Jedoch ist sie im Siedlungsbereich sinnvoll, um das Gesundheitsrisiko für den Menschen zu senken”, sagt Berthold Langenhorst, Sprecher des Naturschutzbundes Hessen (Nabu).

Als Forstschutz sollte das Mittel allerdings nicht dienen: Nicht nur der Schädling würde in seiner Entwicklung gestoppt, sondern alle Schmetterlingsraupen, sagt Langenhort. Wolfgang Nässig, Schmetterlingsforscher am Forschungsinstitut Senckenberg sagt: „Das ist eine völlig übertriebene Aktion. Damit wird viel kaputt gemacht.”

(Von Daniela Fricke, dpa)
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