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Milchkönigin Sarah Knaust: Mit Krönchen und Schärpe im Kuhstall

Von Weinköniginnen kennt man ja, aber was macht eigentlich eine Milchkönigin? Seit 2016 ist Sarah Knaust die 10. Amtsinhaberin, auf Fotos posiert sie ganz traditionell mit Dirndl und Krone. Wir haben die studierte Agrarwissenschaftlerin getroffen: im Kuhstall.
Sarah Knaust kennt die Kühe und Kälbchen auf dem elterlichen Hof alle mit Namen.
Sulzbach. 

„Das Dirndl habe ich auch dabei“, sagt Sarah Knaust und greift zu Krone und Schärpe. Ein Dirndl im Kuhstall? Sarah zuckt mit den Achseln. „Das gehört zum Amt nun mal dazu“, sagt sie. Dabei hat die junge Frau so gar nichts von einem feschen bayerischen Madel, im Gegenteil. Sarah Knaust ist studierte Agrarwissenschaftlerin, arbeitet Vollzeit in der Zucht- und Besamungsunion Hessen. Sie gehe gerne in die Disco, gesteht die 24-Jährige, liebt ihr Pferd, eine neunjährige Hannoveranerstute. Und Sarah ist die 10. Hessische Milchkönigin.

Wir stehen in einem Kuhstall eines befreundeten Landwirts in Sulzbach im Taunus, das hier sei einer von nur noch zwei Milchviehbetrieben im Taunus, sagt Sarah. Binnen Minuten stecken wir tief in einer Diskussion über zeitgemäße Landwirtschaft, Ernährung und die Wertschätzung von Lebensmitteln. „Wir entfernen uns immer mehr von der Landwirtschaft, aber die ist so grundlegend“, sagt Sarah, „ohne Lebensmittel könnten wir nicht leben.“ Und die Milch komme nun einmal „nicht aus dem Tetrapak“, sagt sie entschieden, und stellt spontan eine Frage: „Wie viele Zitzen hat eine Kuh?“

„Weiß keiner“, sagt Sarah, dabei liefere die Kuh eines unserer wertvollsten Lebensmittel. Milch, Joghurt, Sahne, die verschiedensten Käsearten, „Milch ist ein super vielfältiges Produkt“, schwärmt Sarah, doch wie es produziert werde? „Man saust in den Lebensmittelhandel kurz bevor er schließt“, sagt Sarah, „viele achten dann nicht mehr drauf, was sie einkaufen.“

Keine Massentierhalter

Werbung machen wolle sie, ja, aber neben der Milch auch für den Job des Landwirts. „Wir leben zusammen mit wunderbaren Tieren“, sagt Sarah, „ich möchte, dass unser Arbeit wieder wertgeschätzt wird.“

Sarah Knaust ist aufgewachsen im nordhessischen Gudensberg im Schwalm-Eder-Kreis, ihre Eltern haben in vierter Generation einen Hof mit 180 Milchkühen, 500 Tieren insgesamt, die Kälber mitgerechnet. „Wir sind keine Massentierhalter“, betont Sarah entschieden, „ich kenne alle meine 180 Kühe, und die haben auch alle Namen.“ Viel wichtiger aber sei die Persönlichkeit der Tiere: schreckhaft oder mutig, gelassen, schmusig oder grantig. „Ich muss alle diese Eigenarten kennen“, sagt Sarah. Von klein auf half sie auf dem Hof mit, beim Kälber tränken, beim Misten. Wenn andere ins Ausland in Urlaub fuhren, blieb die Familie daheim. Die Arbeit mit den Tieren, „365 Tage im Jahr beansprucht uns das“, sagt Sarah, „im Sommer auch mal zwölf bis 15 Stunden am Tag.“

Nach dem Abitur stellte sie sich selbst die Frage: Was willst Du mal machen, Dein Leben lang? Die Antwort kam schnell: Krankenschwester oder Landwirtschaft – Sarah machte ihren Bachelor in Agrarwissenschaften in Göttingen. „Viele wissen gar nicht, dass man das studieren kann“, sagt sie.

Export von Bullensperma

Seit zwei Jahren arbeitet sie nun als Exportsachbearbeiterin bei der Besamungsunion in Alsfeld, ist zuständig für den Export von Tieren und auch von Bullensperma in alle Welt. Türkei, Russland, Mongolei, Libyen, Syrien, Eritrea – alle Welt schätzt deutsche Milchkühe.

Seit 2016 ist sie Hessische Milchkönigin, 70 bis 80 Termine hat sie im Jahr. Vor einer Jury musste Sarah Fachwissen und Auftreten beweisen – und wurde prompt genommen. „Ich habe die Vorstellung ein bisschen anders gestaltet“, sagt sie, „offenbar kam das an.“ Nein, Freizeit habe sie keine mehr, aber das mache gar nichts, findet Sarah: „Mir ist wichtig, dass ich ein positives Bild der Landwirtschaft schenken kann.“

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