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Schreck mit „ck“ am Ende: Mit ausgesuchten Grundwortschatz sollen Schüler künftig die Rechtschreibung üben

Hunderte Wörter werden einige hessische Kinder bald besonders oft schreiben. Vom nächsten Schuljahr an wird an mehreren Grundschulen testweise mit einem Grundwortschatz unterrichtet. Ist das ein „verkappter Rückschritt“ oder eine „sinnvolle Hilfestellung“?
Flüchtlingsrat fordert mehr Deutschlehrer für Flüchtlingskinder Foto: Daniel Reinhardt (dpa) 850 Wörter sollen ab dem kommenden Schuljahr beherrscht werden, Vorbild ist Bayern.
Wiesbaden. 

Kinder an etwa 50 hessischen Grundschulen sollen ab dem nächsten Schuljahr die Rechtschreibung mit einem einheitlichen Grundwortschatz üben. Dieser umfasse etwa 850 Wörter, teilte das hessische Kultusministerium am Mittwoch in Wiesbaden mit.

Der Testlauf sei „ein unerlässlicher Gradmesser, ohne den eine landesweite und gegebenenfalls verbindliche Einführung pädagogisch nicht gelingen kann“, schrieb Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) den Schulleitern in einem Brief.

Schwerpunkt Modellwörter

Die Wortliste umfasst häufig verwendete Wörter wie „bald“ oder „warum“. Ein Schwerpunkt liegt auf „Modellwörtern“, die sich eignen, um die Rechtschreibregeln zu lernen. Für die erste und zweite Klasse zum Beispiel das Wort „Affe“ mit Konsonantenverdopplung oder „Frühling“ mit dem langen Vokal und „h“. Dritt- und Viertklässler sollen das Wort „Schreck“ mit „ck“ am Ende üben oder das Substantiv „Temperatur“, das zeigt, dass ein Wort manchmal genauso geschrieben wie gesprochen wird.

Rechtschreibexperte Christian Stang schreibt das Wort Rechtschreibung auf eine Tafel. Der Deutsche Philologenverband kritisiert, dass Schülerinnen und Schüler zu wenig lesen und daher keine Rechtschreibkompetenz erwerben. Foto: Armin Weigel/Archiv
Grundwortschatz von 850 Wörtern Kommentar: Rechtschreibung endlich wieder im Fokus

"Wenn es gelingt, einen Grundwortschatz von 850 Wörtern in den Köpfen der Viertklässler zu verankern, ist schon viel gewonnen für den Wechsel auf eine weiterführende Schule – und vor allem für den Rest des Lebens", sagt unsere Kommentarschreiberin Christiane Warnecke.

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Sollte sich der Test als hilfreich erweisen, dann steht der Grundwortschatz laut Ministerium zum Schuljahr 2018/19 den mehr als 1000 Grundschulen in Hessen zur Verfügung – wenn sie ihn benutzen wollen.

„Der Grundwortschatz ist eine sinnvolle Hilfestellung, da die Schriftsprache immer mehr verkümmert“, sagte der Geschäftsführende Direktor des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt, Professor Marcus Hasselhorn. Mehr als 14 Prozent der Erwachsenen seien mittlerweile funktionale Analphabeten und können kaum mehr als ihren Namen schreiben. Ziel müsse sein, „dass mehr und gezielt geübt wird“.

„Mehr Zeit zum Üben“

In der mangelnden Zeit zum Üben sieht der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen, Stefan Wesselmann, das eigentliche Problem. „Wir brauchen mehr als einen Grundwortschatz, nämlich mehr Zeit zum Üben und Wiederholen.“ Diese Zeit gebe es aber gar nicht, da Lehrer zu viele Aufgaben bewältigen müssten.

„Einen verkappten Rückschritt“ zu Lehrplänen, die das Auswendiglernen fördern, sieht der Vorsitzende des Landeselternbeirates Hessen, Reiner Pilz. Allgemein sei das Thema Rechtschreibung aber wichtig. Sollte der Testlauf richtig ausgewertet werden, könne er einen positiven Beitrag leisten.

Auch die Lehrer sollen durch den Grundwortschatz in ihrem Unterricht unterstützt werden, sagte Kultusminister Lorz. Und: „Wir wollen die Bildungssprache Deutsch weiter stärken“, erklärte der CDU-Politiker. Auch die Lesekompetenz hänge damit zusammen, sagte DIPF-Direktor Hasselhorn: „Beim Schreiben helfen in der digitalen Welt Korrekturprogramme, beim Lesen aber nicht.“ Die Wörtersammlung orientiert sich am bayerischen Vorbild.

(lhe)
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