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Portrait: Mit ihrem Humor will Woody Feldmann Kraft geben

Von Sie ist ein Comedian durch und durch, moderiert Fastnachtssitzungen, Comedy-Events und serviert auch mal Obdachlosen Essen – Woody Feldmann. Wir haben die kleine Powerfrau mit der großen Schnauze besucht.
Woody Feldmann in ihrer Garderobe im Theater „Media-Division“ in Riedstadt-Goddelau
Riedstadt. 

Bürstenhaarschnitt, fester Händedruck, Männerhose – nein, Woody Feldmann kommt nicht wie eine Elfe daher. „Guude“, grüßt die gerade 1,58 Meter kleine Frau, bittet ins Haus, und plötzlich wirkt der Raum irgendwie kleiner. Feldmanns Präsenz und Ausstrahlung sind einfach enorm. Wir treffen uns in Woodys Wohnzimmer, ihrem eigenen Bühnentheater in einer unscheinbaren Halle am Rande von Riedstadt. „Wir sind bis 2019 ausverkauft“, sagt Feldmann stolz.

Stand-up-Comedy ist die offizielle Bezeichnung dessen, was Woody Feldmann macht, man könnte in ihrer Sprache auch sagen: Hinstelle, schwätze. „Meine Schlagfertigkeit ist fast unschlagbar“, sagt Feldmann. In der Tat: Ihr Mundwerk ist legendär, ihr Improvisationstalent auch. Wohl keiner schafft es so spontan, Ereignisse, Personen, Blödsinn einzubinden und daraus eine große Comedy-Nummer zu machen.

Sommernächte auf der Friedberger Warte, Schlossgrabenfest, Rosa-Wölkchen-Sitzung – seit Jahren ist Woody Feldmann im ganzen Rhein-Mainz-Gebiet eine feste Comedy-Größe. Sie moderiert Fastnachtssitzungen wie die Woigeister in Mainz-Kostheim, serviert Obdachlosen Essen beim traditionellen Weihnachtsdinner und moderiert den Frankfurter Hate-Slam – und immer sind ihre Auftritte ein Highlight.

Dabei redet sie über Alltägliches. „Meine Texte schreib ich im Kopf“, sagt Feldmann, „ich schnapp halt gern Sachen auf, da wär’s ja schad, wenn ich ein festes Programm hätt’.“ Mit acht Jahren schrieb sie ihre erste Büttenrede, die Fastnacht war ihr Zuhause, beruflich machte sie eine kaufmännische Lehre. Der Job war ihr nicht kreativ genug, also lernte sie noch Fotografin, verkaufte Luftaufnahmen.

„Ich wurde in einer Kneipe beim Witzeerzählen entdeckt“, sagt Feldmann, „ich hab mich tierisch aufgeregt über meine Autoversicherung, da war ich gerade 20.“ Peter Wunderlich, damals Regisseur am Staatstheater Darmstadt, erlebte den „Auftritt“ und war fasziniert. „Der hat eine Woche lang nicht gewusst, dass ich eine Frau bin“, sagt Feldmann.

Sie sang als Tenor

Tatsächlich ist Woody Feldmann eine Frau, geboren vor 46 Jahren in Riedstadt. „Eine Hausgeburt“, sagt sie trocken, „wahrscheinlich war es meinen Eltern zu gefährlich, mit mir in eine Klinik zu gehen.“ Ja, einen zweiten Vornamen habe sie auch noch, der Geschlechter-Erkennung wegen, aber Woody, so riefen sie auch ihre Eltern, betont sie. „Bei mir war es immer schon schwierig, ob Mann oder Frau“, sagt sie ganz gelassen, „ich habe männliche Attribute.“ Dass sie Frauen liebt, wusste sie früh, „das Normale war nichts für mich“.

Wunderlich nahm sie mit in die Welt der Oper. „Ich hab ein Jahr lang in Braunschweig den Toulouse-Lautrec gesungen, richtig als Tenor“, erzählt sie – und schmettert mal eben so eine Arie in den Raum. Dabei kann sie nicht einmal Noten lesen, hat nie Gesang studiert – Lieder lernt sie nach Gehör. „Die fanden keinen Tenor, der bereit war, vier Akte auf den Knien zu gehen“, sagt Feldmann, „da kam Feldmann ins Spiel.“

Als herauskam, dass sie gar kein Opernsänger war und zudem eine Frau, gab es einen Skandal – Feldmann sagte der Opernbühne Ade und machte sich als Künstlerin selbstständig.

In Discos trat sie auf, moderierte Single-Abende, Privatpartys. Vor etwa neun Jahren traf sie ihren heutigen Manager Thomas Neumann, zwischen dem Musiker und der Comedian stimmte die Chemie auf Anhieb. „Seitdem geht es ab, bin ich nur noch unterwegs“, sagt Feldmann, das Theater in Riedstadt bauten sie gemeinsam. „Wir gehen von hier live ins Internet, haben einen eigenen YouTube-Kanal – freier sein als ich hier, das geht gar nicht“, sagt Feldmann.

„Bin ein bunter Vogel“

Vielen bekannten Comedians gehe es schlicht ums Geld, „das interessiert mich eigentlich gar nicht“, sagt Feldmann, lieber sitze sie mit Knäckebrot und Äppelwoi am Rhein. „Dass die Leute mal zwei Stunden nicht denken, das ist mein Ziel“, sagt sie, „Leute, die lachen und das Paket vergessen, das wir alle zu tragen haben.“ Humor gebe Kraft, sagt sie, das Foto ihrer Eltern, beide schon gestorben, steht auf dem Garderobentisch. „Schee, dass es dich gibt“ ist einer ihrer Lieblingssätze, „der wird viel zu selten gesagt, aber der verändert so viel“.

Und dann schmeißt sie sich für den Abend in ihren schwarzen Bühnenfrack mit weißer Fliege für die nächste Mission Freundschaft und Lachen. Warum trägt sie Schwarz? „Ich bin doch bunt genug“, sagt Woody Feldmann, „ich bin ein bunter Vogel.“

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