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Ermittlungen: Mordfall Johanna: Prozessauftakt steht bevor

Von Die Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Mörder von Johanna Bohnacker stehen vor dem Abschluss. Noch im Frühling könnte es zum Prozessauftakt gegen Rick J. aus Friedrichsdorf kommen. Doch auch polizeiintern wird weiter ermittelt.
ARCHIV - Polizeibeamte bauen ein großes Plakat auf, mit dem zu Hinweisen im Mordfall der kleinen Johanna Bohnacker aufgerufen wird (undatiertes Handout). Das Mädchen wurde schon sieben quälende Monate vermisst, als Spaziergänger am 1. April 2000 ihre Leiche im Wald bei Alsfeld entdeckten. Foto: Polizei (dpa) ARCHIV - Polizeibeamte bauen ein großes Plakat auf, mit dem zu Hinweisen im Mordfall der kleinen Johanna Bohnacker aufgerufen wird (undatiertes Handout). Das Mädchen wurde schon sieben quälende Monate vermisst, als Spaziergänger am 1. April 2000 ihre Leiche im Wald bei Alsfeld entdeckten.
Gießen. 

Es waren rund 17 Millionen Dateien, dazu DNA-Spuren, Faseruntersuchungen und Digitalforensik, mit denen sich die Ermittler in den vergangenen Monaten beschäftigen mussten. Doch bis Ende diesen Monats sei die Arbeit der Polizei im Wesentlichen abgeschlossen, schildert der Sprecher der Staatsanwaltschaft Gießen, Thomas Hauburger, zu den Fortschritten im Fall Johanna.

Hauburger, der auch als Ankläger in dem Prozess vertreten sein wird, geht davon aus, dass er bis Ende Februar über die Anklageerhebung entscheiden kann. Dann sollen weitere Untersuchungsergebnisse vorliegen, bis zum Prozessauftakt sollen noch weitere Daten gesichtet werden.

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Vor 18 Jahren wurde in Bobenhausen ein Kind geraubt. 18 Jahre lang stand die Frage im Raum, ob unter den Bewohnern des Ortes der Mörder von Johanna Bohnacker lebt. Als niemand mehr damit rechnete, wurde ein Verdächtiger gefasst. Es war kein Nachbar. Das ist eine Erleichterung, sagen die Bobenhäuser. Aber die Tat hat Spuren hinterlassen.

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Angesichts der umfangreichen Beweismittel und der Vorgeschichte des Angeklagten ist mit einem längeren Prozess zu rechnen. Der Auftakt für den Prozess könnte Ende April/Anfang Mai erfolgen, schätzt Hauburger. „Natürlich liegt dies ausschließlich in den Händen des Gerichts“, fügt er aber an. Die damals achtjährige Johanna Bohnacker wurde am 2. September 1999 am Ortsrand von Ranstadt-Bobenhausen im Wetteraukreis entführt, anschließend sexuell missbraucht und getötet. Ihre Leiche wurde erst acht Monate später in einem Waldstück bei Alsfeld gefunden. Aufgrund dieser langen Zeitspanne konnte die Polizei nur wenige Spuren sichern, darunter Reste des T-Shirts von Johanna und von Klebeband, mit dem das Mädchen gefesselt worden war.

Fragen kommen auf

Über die folgenden Jahre gab es immer wieder neue Anläufe, dem Täter auf die Spur zu kommen. Drei Reihenuntersuchungen zwischen 2002 und 2006 an rund 1400 Männern zwischen 18 und 65 Jahren brachten aber kein Ergebnis. Obwohl der Tatverdächtigte von einer der Reihenuntersuchungen erfasst worden war. Doch ergaben die abgenommenen Fingerabdrücke keine Übereinstimmung mit den am Fundort Johannas sichergestellten Abdruck-Fragmenten.

Erst nach Fesselspielen mit einem 14-jährigen Mädchen in einem Maisfeld bei Nidda in der Wetterau im August 2016 kamen die Ermittler Rick J. auf die Spur. Ein Friedberger Kriminalbeamter konnte aufgrund von Ähnlichkeiten bei der Fesselungstechnik Verbindungen zum Fall Johanna herstellen. Nach einer intensiven Ermittelungs- und Beobachtungsphase wurde der arbeitslose und ledige Rick J. schließlich am 25. Oktober 2017 in Friedrichsdorf verhaftet. In der Wohnung des Angeklagten fanden die Beamten neben Millionen Dateien mit teilweise kinderpornographischem Inhalt auch Klebeband, der Sorte, die auch bei Johanna verwendet worden war. Mit modernster Technik wurden die Fingerabdrücke erneut abgenommen. Und führten zu einer Übereinstimmung. Weiterhin wurden in den vergangenen Monaten rund 20 Menschen aus dem Umfeld des Tatverdächtigten befragt. Auch wurden bundesweit andere Polizeidienststellen angeschrieben, um mögliche Parallelen zu anderen Kindesmorden aufzudecken. Hier allerdings gab es keine Hinweise auf weitere Verbrechen.

Doch kamen nach der Verhaftung des Friedrichsdorfers Fragen auf. So wurde bekannt, dass Rick J. bereits seit 1993 mehrfach mit der Polizei in Kontakt gekommen war, weil er sich Mädchen auf unsittliche Art genähert hatte. Zuletzt im August 2011, als er in seiner Nachbarschaft ein Mädchen umklammerte, das erst von dessen Vater und einem Nachbarn befreit werden konnte. Ermittelt wurde damals nur wegen Körperverletzung am Vater, der sich die Hand gebrochen hatte. Nicht wegen versuchter Kindesentführung.

Weitere Fragen allerdings warf der sogenannte „Maisfeld-Vorfall“ auf. Nachdem zwei hinzugerufene Niddaer Rick J. festgehalten und die Polizei verständigt hatten, schickte die keine Streife aus. Später war von Einvernehmlichkeit zwischen dem 14-jährigen Mädchen und Rick J. die Rede.

Verspätet weitergeleitet

Trotzdem ließ einer der beiden nicht locker und übergab der zuständigen Polizei in Büdingen die Personalien des 41-Jährigen. Wieder dauerte es Tage, bis die Akte an die Polizeidirektion Friedberg übermittelt wurde. Erst danach kamen die Ermittlungen in Gang.

Wie Jörg Reinemer, Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen, bestätigt, laufen deswegen „allgemeininterne Ermittlungen“. Die richten sich gegen die Büdinger Dienstgruppenleiterin, die den Anruf des Niddaers entgegengenommen und dann für die weitere Verzögerung gesorgt haben soll. „Wir haben eine interne Prüfung dieses Sachverhaltes eingeleitet. Diese wird bei begründeten Annahmen später spezifiziert“, schildert Reinemer dazu.

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