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Halitplatz: NSU: Kassel erinnert nach Kontroverse an Mordopfer

Von Hunderte Menschen haben am Freitag in Kassel des NSU-Opfers Halit Yozgat gedacht. Zwölf Jahre nach dem Mord an dem türkischstämmigen, gebürtigen Kasselaner war dies nicht nur ein politisches Signal, sondern auch eine Ohrfeige für die Stadt.
Gedenken an Halit Yozgat Foto: Uwe Zucchi (dpa) Menschen legen am Halitplatz Blumen für den 2006 ermordeten türkischstämmigen Yozgat und andere Opfer rechter Gewalt nieder. Die Stadt Kassel hatte offiziell die Gedenkveranstaltung wegen Sicherheitsbedenken abgesagt. Rund 300 Trauernde versammelten sich am Platz.
Kassel. 

Es waren rund 300 Menschen, die sich gestern Nachmittag auf dem Halitplatz versammelten und Blumen niederlegten. Und zwar für den Mann, dessen Namen der Platz seit dem 1. Oktober 2012 trägt: Halit Yozgat. Vor zwölf Jahren war der türkischstämmige gebürtige Kasselaner von den Mitgliedern der rechtsextremen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) in seinem Internetcafé erschossen worden. Der damals 21-Jährige war das neunte und letzte Todesopfer der Mordserie, die zwischen 2000 und 2006 mehrere deutsche Städte erschütterte.

Um das Gedenken, das auch anderen Opfern rechter Gewalt galt, wäre normalerweise nicht viel Aufheben gemacht worden. Schließlich war es nicht das erste Mal, dass in der nordhessischen Stadt an Yozgat erinnert wurde. Doch dieses Mal stand das Andenken im Mittelpunkt einer Kontroverse.

Grund dafür war, dass sich die Stadt Kassel als wichtiger Mitausrichter aus der zwölfjährigen Traditionsveranstaltung ausgeklinkt hatte. Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) machte Sicherheitsbedenken durch mögliche antitürkische Proteste geltend. Es sei nicht auszuschließen, dass es während der Gedenkveranstaltung zu sicherheitsrelevanten Vorkommnissen kommen könne. Der Charakter und würdige Rahmen würde dadurch massiv beeinträchtigt.

Friedliche Veranstaltung

Unbegründet war der Gedanke nicht, zumal es Ende März in Kassel einen Brandanschlag auf eine türkische Moschee gegeben hatte. Die Kasseler Polizei hatte allerdings mehrfach öffentlich betont, eine sichere Gedenkveranstaltung gewährleisten zu können.

Kein Wunder also, dass die Absage durch die Stadt auf einige Kritik stieß. Empört reagierte die Initiative „6. April“, die sich für eine Aufarbeitung der NSU-Morde einsetzt und die Mitveranstalter ist. Sie rief als Reaktion auf die Absage dazu auf, schweigend und mit Blumen Halit und allen anderen Opfern rechter Gewalt zu gedenken. Auch 59 Kasseler Bürger aus Kultur, Gesellschaft, Politik und Kirche setzten sich für die Gedenkfeier ein. Auch die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) reagierte mit Unverständnis. Damit sende die Politik das Signal aus, heute wie damals die Menschen nicht schützen zu können, sagte der Bundesvorsitzende, Atila Karabörklü.

Die Gedenkveranstaltung selbst verlief friedlich. Eine Hundertschaft Polizei riegelte den Platz ab. TGD-Vorsitzender Karabörklü verlas einen Brief des Vaters, Ismail Yozgat: Die Familie verzichte nur auf die Gedenkveranstaltung, weil die Stadt Unruhen befürchtete. „Für uns zählt das friedliche Miteinander, und dass kein Bürger zu Schaden kommt“, schrieb der Vater.

OB Geselle reagierte am Freitagmorgen: Auch ohne offizielle Gedenkveranstaltung werde man innehalten. Auch aus Respekt vor der Familie Yozgat lasse man nicht zu, „dass durch politische Instrumentalisierung – egal von welcher Seite – das Ansehen unseres Mitbürgers“ beschädigt werde. mit dpa

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