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NSU-Mord: Zeugin war kurz vor der Tat im Internetcafé

Corryna G. war jahrelang Mitglied der rechtsextremen Szene in Nordhessen und Thüringen. Im Untersuchungsausschuss des hessischen Landtags sagte sie aus, mehrfach das Café des ermordeten Halit Yozgat besucht zu haben.
Ein Aktenordner mit der Aufschrift „NSU-Ausschuss Hessen”. Foto: Boris Roessler/Archiv Ein Aktenordner mit der Aufschrift „NSU-Ausschuss Hessen”.
Wiesbaden. 

Überraschende Aussage im NSU-Untersuchungsausschuss des hessischen Landtags: Die derzeit inhaftierte Zeugin Corryna G. sagte am Freitag während der Sitzung des Ausschusses, dass sie etwa ein halbes Jahr vor dem Mord an dem Kasseler Internetcafé-Betreiber Halit Yozgat mehrfach in dessen Café war. G. war jahrelang in der rechtsextremen Szene Thüringens und Nordhessens aktiv. Die 48-Jährige befand sich zu dieser Zeit im offenen Vollzug in Baunatal. Die Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund” (NSU) wird für den Mord an dem türkischen Café-Besitzer verantwortlich gemacht.

Die Zeugin aus der Neonazi-Szene war eigentlich vor den Ausschuss bestellt worden, um über mögliche Verbindungen der nordhessischen Neonazi-Szene und dem „Thüringer Heimatschutzbund” auszusagen. Während der mehrstündigen Vernehmung kristallisierte sich heraus, dass Corryna G. zwar eine sehr gute Kennerin der Szene ist - eine direkte Bekanntschaft mit den mutmaßlichen Tätern des NSU stritt sie indes ab.

Laut SPD-Obfrau Nancy Faeser wurde sie jedoch 1997 vom Landeskriminalamt Thüringen gemeinsam mit Beate Zschäpe in einem Dokument als gewaltbereite Rechtsextremistin eingestuft. Corryna G. erklärte, sich bereits 2003 von der Szene losgesagt zu haben. Laut LKA Thüringen nahm sie jedoch 2009 an einer Veranstaltung teil, auf der die Neonazi-Bands „Bloodline” und „Kinderzimmerterroristen” spielten.

Gegen Ende der Befragung gestand Corryna G. auf die Frage des CDU-Obmanns Holger Bellino, das Internetcafé, in dem der Mord am 6. April 2006 geschah, im Zeitraum 2005 bis Anfang 2006 bis zu drei Mal besucht zu haben. Als Begründung gab sie an, dass ihr dieses Café von Mitgefangenen empfohlen worden sei.

In Kassel gab es zu dieser Zeit jedoch mehrere Internetcafés, von denen laut SPD-Abgeordnetem Günter Rudolph einige von der Justizvollzugsanstalt Baunatal schneller mit der Straßenbahn zu erreichen waren als das Café von Halit Yozgat. Corryna G. blieb bei ihrer Schilderung und sagte auf mehrfache Nachfrage, sie habe niemandem aus der rechten Szene von dem Café und seinem türkischen Betreiber erzählt.

Zuvor war bekannt geworden, dass das Bundeskriminalamt (BKA) während der Ermittlungen zu den NSU-Morden und kurz vor der Kasseler Tat beim hessischen Verfassungsschutz um Hilfe gebeten hatte. Die Fahnder erhofften sich Hinweise etwa auf die Tatwaffe. Das sagte ein ehemaliger BKA-Kriminalhauptkommissar als Zeuge aus.

Jedoch hätten weder der hessische Verfassungsschutz noch der Bundesnachrichtendienst und das Bundesamt für Verfassungsschutz verwertbare Informationen gehabt, so der Ex-Polizist weiter. Das Gespräch sei informell gewesen. Der Präsident des BKA und auch die Kasseler Mordkommission waren später nicht von den Gesprächen zwischen Polizei und Verfassungsschutz informiert worden, wie der Ex-Fahnder auf Nachfrage einräumte.

(dpa)
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