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„Ein gutes Zeichen“: Naturschutzbund ist von der Rückkehr des Wolfs in den Odenwald begeistert

Mit seinem Wald- und Wildreichtum gilt der Odenwald als ideales Wolfsrevier. Jetzt streift das Raubtier erstmals seit sehr langer Zeit wieder durch das Mittelgebirge. Spannend ist, ob das Tier dauerhaft zum Odenwälder wird oder nur ein kurzer Besucher bleibt.
Der Wolf im Odenwald bei Wald-Michelbach. Foto: Oppermann-Fotografie/Nabu/dpa/Archiv Der Wolf im Odenwald bei Wald-Michelbach.
Wald-Michelbach. 

Die Augen des Tieres fixieren die Ferne. Der Körper ist aufgerichtet. Das grau-braune Fell hebt sich vor der grünen Blätterwand hab, als Hans Oppermann auf den Auslöser seiner Kamera drückt. Es klickt. Das Bild, das er macht, ist eine Sensation: Es beweist die Rückkehr des Wolfes in den Odenwald. Seit knapp 150 Jahren gilt das scheue Raubtier in dem südhessischen Mittelgebirge als ausgerottet.

Der Naturschutzbund (Nabu) Hessen veröffentlichte am Donnerstag das spektakuläre Bild, nachdem Experten die Echtheit der Aufnahme überprüft hatten. „Bei dem Tier, das ein Naturfotograf im Odenwald bei Wald-Michelbach am vergangenen Sonntag aufgenommen hat, handelt es sich um einen Wolf“, bestätigt das Umweltministerium in Wiesbaden. Auch die Hessische Wolfsbeauftragte, Susanne Jokisch, ist von der Authentizität des Bildes überzeugt. „Das Tier auf dem Foto ist ein Wolf und der Standort ist auch bestätigt“, urteilt die Expertin.

„Gemütlicher Trab“

Zwar werden in Hessen in den letzten Jahren immer wieder Wölfe gesichtet, doch nur in den seltensten Fällen gelingt ein derart brillantes Beweisfoto. Ein Glückstreffer. Die Erfahrung machte auch der Artenschutzbeauftragte des Nabu Wald-Michelbach, Wolfgang Wenner. Er will den jetzt fotografierten Vierbeiner schon am 20. August an der gleichen Stelle im Wald bei Wald-Michelbach (Kreis Bergstraße) gesehen haben.

„Das Tier lief im gemütlichen Trab, verschwand aber immer wieder zwischen den Bäumen. So schnell, wie ich konnte, habe ich das Teleobjektiv auf das Tier ausgerichtet. Bevor ich abdrücken konnte, verschwand das Tier im dichteren Wald“, berichtet der Naturschützer. Eine halbe Stunde blieb Wenner noch sitzen, in der Hoffnung, dass der Wolf zurückkommt. Vergebens. „Der Wolf ließ sich aber nicht mehr blicken.“ Woher das fotogene Tier stammt, können die Experten unterdessen noch nicht sagen. Dazu müssten sie an Haare, Kot oder Speichel herankommen und die DNA bestimmen, wie Jokisch erklärt. Auch ob sich der abgelichtete Wolf dauerhaft in Hessen niederlässt, ist unklar. „Die in den vergangenen Jahren immer wieder nachgewiesenen Wölfe waren wandernde Einzeltiere, die auf der Suche nach einem Partner die hessischen Wälder durchstreiften“, heißt es aus dem Ministerium.

Die Bedeutung der jüngsten Sichtung schmälert dies nicht. Denn bereits gegen 1780 war der Wolf im Odenwald ausgerottet. 1866 wurde der letzte Vertreter der Art in Südhessen erlegt und auf dem Marktplatz im baden-württembergischen Eberbach (Rhein-Neckar-Kreis) ausgestellt. Noch heute steht das Tier ausgestopft im Museum der Stadt. In Hessen wie in den benachbarten Bundesländern mehren sich in der Vergangenheit hingegen die Zeichen für eine Rückkehr des Wolfes. Laut Jokisch ist der aktuelle Nachweis der neunte in Hessen seit dem Jahr 2011. Erst im Juni war bei Biebertal in Mittelhessen ein Wolf gesichtet worden. Anfang August wurde ein wolfsähnliches Tier im Reinhardswald in Nordhessen beobachtet.

Idealer Lebensraum

„Die Rückkehr des Wolfs in den Odenwald ist ein gutes Zeichen“, schwärmt der Nabu-Landesvorsitzende Gerhard Eppler. Die wald- und wildreiche Gegend biete „einen idealen Lebensraum für den faszinierenden Beutegreifer“, sagt er.

Dennoch ist laut Ministerium die Wahrscheinlichkeit, einen Wolf tatsächlich zu Gesicht zu bekommen, „äußerst gering“. Hans Oppermann hat diese Chance genutzt.

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