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Ausbau der Schienenwege in Hessen: Neue Gleise, mehr Züge

Von Zwölf Milliarden Euro für zwölf Schienen-Großprojekte in Hessen: Damit soll die Bahn im Land ausgebaut werden. Klingt gut, es gibt aber auch Zweifel.
Frankfurter S-Bahn-Tunnel - Tarek Al-Wazir Foto: Christoph Schmidt (dpa) Ortstermin: Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) stieg bereits tief hinab in den Frankfurter S-Bahn-Tunnel, um sich zu informieren.
Wiesbaden. 

Die Rhein-Main-Region wächst und damit auch der Verkehr. Allein nach Frankfurt pendeln täglich 350 000 Menschen zur Arbeit. Staus sind heute schon an der Tagesordnung. Der endgültige Verkehrsinfarkt droht, wird nicht gegengesteuert. Darüber sind sich die Verkehrsplaner schon lange einig. Nur wie? Der hessische Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) hat dazu gestern in einer eigens einberufenen Pressekonferenz den Ausbau der Schienenwege im Nah- und Fernverkehr in Hessen, vor allem aber im Rhein-Main-Gebiet erläutert: Insgesamt zwölf Großprojekte, die jedoch alle bereits bekannt sind und sich zum Teil seit Jahren in der Planung befinden.

80 Prozent vom Bund

Vor allem handelt es sich um neue und zusätzliche Gleise. So sollen deutlich mehr Züge als bislang auf den Strecken fahren. Außerdem werden die Bahnen des Nah-, Fern- und Güterverkehrs besser voneinander getrennt.

Zwölf Milliarden Euro sollen dafür in den kommenden Jahren ausgegeben werden, zu 80 Prozent aus Mitteln des Bundes finanziert. Zur den Vorhaben gehören

  • der Aus- und Neubau der Fernverbindungen zwischen Frankfurt nach Fulda und Frankfurt nach Mannheim
 
  • der Ausbau des Knotenpunkts Frankfurts, um die Leistungsfähigkeit des Frankfurter Hauptbahnhofs und der Strecke nach Frankfurt-Süd zu verbessern
 
  • die S-Bahn-Anbindung des neuen Stadtteils Gateway Gardens
 
  • die Nordmainische S-Bahn, die die Frankfurter Innenstadt durch eine Direktverbindung im 15-Minuten-Takt über Maintal mit Hanau verbindet
 
  • der Ausbau der S6 über Bad Vilbel nach Friedberg
 
  • die Regionaltangente West als Direktverbindung u.a. von Bad Homburg, Frankfurt-Praunheim, Eschborn, Frankfurt-Höchst über den Flughafen nach Neu-Isenburg
 
  • der Bau der Citybahn Wiesbaden
 
  • die Verlängerungen der U-Bahn-Linie 2 nach Bad Homburg
 
  • der Bau der U-Bahn ins Frankfurter Europaviertel
 
  • Reaktivierung der Strecke Korbach–Frankenberg
 
  • verschiedene kleinere Projekte um die S-Bahn im Rhein-Main-Gebiet insgesamt verlässlicher und pünktlicher zu machen, wie Änderungen an der Signaltechnik in Langen und Bischofsheim oder technische Maßnahmen, um den Betrieb in Kronberg, Bad Soden oder Schwalbach-Nord zu beschleunigen.

Fahrtzeit halbiert

Verkehrsminister Al-Wazir nannte die zwölf Milliarden Euro „bundesweit herausragend“. Erst mit der Verabschiedung des Bundesverkehrswegeplans Ende 2016 habe es die nötige Planungssicherheit gegeben, um die lang initiierten Projekte anzugehen. Hessen solle jetzt zum „Vorreiter der Verkehrswende“ werden.

Hessen spiele eine besondere Rolle im bundesweiten Netz, erklärte Dirk Rompf, verantwortlich für Großprojekte bei der Deutschen Bahn. Zudem steige die Bedeutung von Fernverkehrsverbindungen zwischen den Metropolen und Großstädten. „Genau diese Strecken werden wir durch den Ausbau deutlich beschleunigen. Die Fahrtzeit von Wiesbaden zum Frankfurter Flughafen über die neue „Wallauer Spange“ werde sich beispielsweise halbieren, der sogenannte „Hessen Express“ verkürze die Fahrtzeit von Wiesbaden nach Darmstadt um 15 Minuten und brauche dafür dann nur noch insgesamt 30 Minuten.

„Wir reden nicht mehr nur darüber, wir tun auch was“, betonte Knut Ringat, Geschäftsführer des Rhein-Main Verkehrsverbunds (RMV). Nur wenn die Regionalzüge nicht mehr auf Fern- und Güterzüge warten müssten, könne der ÖPNV pünktlicher und zuverlässiger werden. Derzeit liege die Pünktlichkeit der S-Bahn bei 90 Prozent. „Das ist nicht gut“, räumte Ringat ein.

Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert, dass die Projekte bereits seit Jahren bekannt sind. Ähnlich äußerte sich die FDP im Landtag gestern. Was „Marketing-Minister“ Al-Wazir als großen Coup verkaufen wolle, sei in Wahrheit eine bloße Aneinanderreihung längst bekannter Maßnahmen. Pro Bahn befürchtet außerdem, Kassel und Nordhessen könnten komplett von den Investitionen abgehängt werden.

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