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Liberalen Führungsstil angekündigt: Neuer Mainzer Bischof Peter Kohlgraf: Kollegialer Oberhirte

Von Kardinal Lehmann hat Freude an seinem Nachfolger, dem neuen Mainzer Bischof Peter Kohlgraf. Und beide haben trotz äußerlicher Unterschiede auch einiges gemeinsam
Peter Kohlgraf wird neuer Mainzer Bischof Foto: Arne Dedert (dpa) Peter Kohlgraf, künftiger Bischof von Mainz, sprach gestern bei seiner Vorstellung im Mainzer Dom.
Mainz. 

Mit seinen 80 Jahren braucht Kardinal Karl Lehmann zum Gehen die Hilfe eines Vertrauten und des Stocks. Doch der Weg zur Vorstellung seines Nachfolgers als Bischof von Mainz im Dom der Stadt ist dem katholischen Geistlichen am Dienstagmittag keineswegs zu beschwerlich. Gut gelaunt gratuliert er dem Pastoraltheologen Peter Kohlgraf und verspricht ihm: „Solange mir Gott Zeit und Kraft schenkt, wird es an meiner vollen Unterstützung nicht fehlen.“

Rein äußerlich hat der 50-jährige neue Bischof mit dem vor elf Monaten in den Ruhestand verabschiedeten Lehmannn wenig gemein: Kohlgraf ist nicht nur drei Jahrzehnte jünger als der Kardinal, hochgewachsen und schlank, also von eher sportlicher Statur, und außerdem gebürtiger Kölner. Doch inhaltlich scheint der bisherige Dekan der Katholischen Hochschule Mainz sehr gut in die Tradition seines Vorgängers zu passen. Der moderner Theologie nicht verschlossene Hochschulprofessor verspricht einen kollegialen Führungsstil und bekennt sich zur Ökumene.

Und rheinische Lebensart ist ihm in Mainz nach eigenen Angaben nicht weniger sympathisch als in seiner Geburtsstadt Köln. „Vor Fassenacht und Fußball ist mir grundsätzlich nicht bange“, versichert der von den Gläubigen im Mainzer Dom mit herzlichem Beifall empfangene Kohlgraf.

Schnelle Nachfolge

Zeitgleich wird die Berufung des neuen Bischofs am Mittag um 12 Uhr im Vatikan und nach kurzem Orgelvorspiel und großem Glockengeläute auch in Mainz bekanntgegeben. Die Vakanz des große Teile von Rheinland-Pfalz und auch Hessen umfassenden Bistums hat mit weniger als zwölf Monaten ein deutlich schnelleres Ende gefunden als im benachbarten Limburg, wo die Gläubigen mehr als zwei Jahre lang auf ihren neuen Oberhirten warten mussten. Mit Kohlgraf fiel die Wahl zwar wieder nicht auf einen Einheimischen von Geburt, auch Lehmann stammt ja aus dem Schwäbischen. Doch ein Unbekannter ist der Theologieprofessor in Mainz auch nicht gerade.

Schließlich war die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt seine erste Station als Professor nach der Habilitation 2010 in Münster zum Thema „Glaube im Gespräch. Die Suche nach christlicher Identität und Relevanz in der alexandrinischen Vätertheologie. Ein Modell für praktisch-theologisches Bemühen heute?“. Nach einem Zwischenspiel als Privatdozent in Westfalen hat er seit dem Wintersemester 2012/13 an der Katholischen Hochschule Mainz den Lehrstuhl für Pastoraltheologie inne. Dekan des Fachbereichs Praktische Theologie ist er erst seit dem gerade abgelaufenen Semester 2016/17. Die Arbeit dort hat ihm Spaß gemacht. „Dass ich den Kolleginnen und Kollegen, den Studentinnen und Studenten nun einen unvorhersehbaren, schnellen Abschied zumute, tut mir leid“, entschuldigt er sich.

Keine fertigen Lösungen

Aber auch in der Zeit an der Hochschule hat Kohlgraf den direkten Kontakt zu den Gläubigen nicht nur im akademischen Bereich gesucht und war Pfarrvikar in der Pfarrgruppe Wörrstadt im Dekanat Alzey/Gau.Bickelheim, Noch ist der Termin für die Bischofsweihe offen, aber Kohlgraf hat sich fest vorgenommen, als Mainzer Bischof weiter Seelsorger zu bleiben. Bei seiner Vorstellung im Mainzer Dom zitiert der Theologe aus einem Brief des Paulus, der schrieb, dass er „als Apostel nichts vermag, wenn die vielen Getauften nicht ihre Geistesgaben in die Kirche und in alle Welt einbringen“. Das könnte der Leitspruch für Kohlgrafs Amtsstil im Bistum sein. Er stehe „bewusst nicht mit fertigen Lösungen vor Ihnen“, sagt er. Erst einmal müssten die richtigen Fragen gestellt werden, fügt Kohlgraf hinzu und verspricht, „das offene Gespräch miteinander zu suchen“.

Und wie Lehmann ist auch ihm die Ökumene wichtig. Wenn auch im Reformationsjahr Luther stark im Vordergrund stehe, will er sie aber weiter gefasst sehen, etwa koptische Christen, Griechisch-Orthodoxe oder verfolgte Christen in aller Welt einbeziehen. Jetzt aber steht erst einmal der Umzug von seinem Häuschen in Rheinhessen in die neue Unterkunft in der Mainzer Domstraße an. Auch da bleibt Kohlgraf bescheiden: Er beansprucht nur „ein Bett, einen Tisch und Platz für die mehr als zwei Bücher“, wie er sagt. Allerdings hoffe er auch, „dass der Flügel hereinpasst“, schränkt er die Bescheidenheit doch ein wenig ein.

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