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Nur noch digital

In Hanau gibt es von heute an kein analoges Fernsehen mehr. Hanau ist die erste Stadt in Deutschland in der dieses Angebot eingestellt wird. Dort kann man nur noch digital Fernsehen schauen. Im kommenden Sommer soll das in ganz Deutschland der Fall sein.
Zuschauer in Deutschland gucken jeden Tag 242 Minuten TV Foto: Robert Schlesinger (dpa-Zentralbild) Mit der Fernbedienung in der Hand mehr Auswahl haben: Digitales Fernsehen bringt mehr Sender, und man kann die dritten, regionalen Programm überall sehen.
Hanau. 

Nicht Berlin, nicht Hamburg, nicht München – nein, das eher beschauliche Hanau wird die erste fernsehtechnisch vollständig digitalisierte Stadt Deutschlands. Dort wird schon jetzt das analoge Kabel-TV abgeschaltet.

Der in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg aktive Kabelnetzbetreiber Unity Media hat sich für Hanau als Pilotstadt entschieden, weil die demografische Struktur dort laut dem Unternehmen diejenige von Deutschland widerspiegelt. Beispielsweise entspricht der Anteil von Männern und Frauen ungefähr der deutschlandweiten Verteilung; das Durchschnittsalter bei Frauen und Männern liegt vergleichsweise dicht am bundesweiten. So erhofft sich das Unternehmen mit Sitz in Köln vom Piloten Erkenntnisse für die Digitalisierung anderer Netzteile.

Im Rest von Hessen sowie in den anderen beiden Bundesländern mit insgesamt 12,8 Millionen Haushalten steht die Umstellung laut Unity Media zum 30. Juni 2017 an. Der in den anderen Bundesländern operierende zweite große Anbieter Vodafone, der dort insgesamt 15,2 Millionen Haushalte ans Kabelnetz angeschlossen hat, treibt die Volldigitalisierung des TV-Kabels nach eigenen Angaben ebenfalls voran. Der Gesetzgeber in Bayern und Sachsen hat festgelegt, dass es im Kabel ab 1. Januar 2019 kein analoges Fernsehen mehr geben soll. Das wird von den Anbietern begrüßt. Einen festen Termin für die Abschaltung gibt es hier noch nicht. Im digitalen Netz werden die Bandbreiten effektiver genutzt, es kann mehr über bestehende Verbindungen übermittelt werden. So werden technische Ressourcen frei für mehr Sendervielfalt, eine bessere Ton- und Bildqualität sowie mehr Bandbreite für schnelleres Internet. Das ist die digitale Dividende, wie Professor Ralph Urbansky von der Technischen Universität Kaiserslautern erklärt. Das digitale Signal ist weniger störanfällig, und es können zusätzliche Möglichkeiten genutzt werden, wie Video-on-Demand, also das individuelle Abrufen eines Beitrags. In der jüngeren Altersgruppe wird Video-on-Demand dem Digitalisierungsbericht der Medienanstalten zufolge schon heute fast genauso häufig genutzt wie klassisches Fernsehen.

Was sich ändert

Gegen die Digitalisierung spreche gar nichts, sagt der Direktor der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR), Joachim Becker. Viele Menschen schauten ohnehin schon digital. „Ich gehe davon aus, dass der Löwenanteil der Menschen gut ausgestattet ist – zumindest bei den Erstgeräten.“ Zuletzt habe die Fußball-WM 2014 viele weitere moderne TV-Geräte in deutsche Wohnzimmer gebracht. Wie weit die Entwicklung vorangeschritten ist, habe das vergangene Jahr gezeigt, als einige Sender aus dem analogen Kabel genommen worden seien. Das hätte vor ein paar Jahren einen Shitstorm ausgelöst. „Der ist letztes Jahr komplett ausgeblieben. Es ist schlicht nicht aufgefallen.“

Wie hoch ist der Anteil der digitalen Kabelfernseh-Gucker überhaupt? Der Digitalbericht der Medienanstalten von 2016 nennt den Empfangsweg Kabel den „Schlussläufer des Staffellaufs Rundfunkdigitalisierung“. Doch selbst hier liegt der Grad der Digitalisierung mittlerweile deutschlandweit bei 82,1 Prozent, nach 72,5 Prozent 2015 und 62,9 Prozent im Jahr davor. In den Netzen von Unity Media empfangen 86,2 Prozent der TV-Haushalte digitales Fernsehen, beim zweiten großen Betreiber Vodafone Kabel Deutschland sind es 81,5 Prozent. Insgesamt gut 3,1 Millionen Kabelhaushalte zwischen Flensburg und Garmisch empfangen derzeit noch ausschließlich analoges TV. Regional gibt es aber deutliche Unterschiede: Brandenburg, Bremen und Schleswig-Holstein liegen bei knapp unter 78 Prozent, Bayern und das Saarland rangieren unterhalb von 80 Prozent. Spitzenreiter ist Hessen mit 85,5 Prozent.

Neue Receiver nötig

Für analoge TV-Schauer ändert sich etwas. Sofern sie keine neueren Fernseher mit eingebauten digitalen Empfängern (DVB-C-Tuner) haben, wird ein Digitalreceiver – ein DVB-C-Receiver – benötigt. Michael Dettelbacher von der Verbraucherzentrale Hessen hält die finanziellen Auswirkungen für überschaubar. Digitalreceiver seien ab 30 Euro zu haben und könnten jahrelang benutzt werden. Mittlerweile müsse man nicht mehr auf Geräte des Kabelnetzbetreibers zurückgreifen. Mit Blick auf die Abschaltung des analogen Kabel-TV sagt er: „Der Schritt ist unumgänglich.“ Auch üblicherweise weniger technikbegeisterte Gruppen wüssten das digitale Angebot zu schätzen. Denn so könnten sie anders als beim analogen Kabel-TV alle dritten Programme sehen.

Da geht noch was

Das Ende der Entwicklung sei damit noch nicht erreicht, sagt Joachim Becker von der Hessischen Landesanstalt LPR. „Am Ziel ist man im Bereich der Digitalisierung überhaupt nicht.“ Wenn man über Volldigitalisierung spreche, müsse man auch über den Hörfunk reden. Hier werde die terrestrische Digitalisierung neben Streamingangeboten voranschreiten. „Noch ist aber die Endgerätesituation eine andere“, betont er. Beim Radioempfang seien noch überwiegend analoge UKW-Empfänger im Einsatz.

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