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Hintergrund weiter unklar: Obdachloser verbrannt: Es gab schon vorher Ärger wegen Wohnsitzloser

Ein Obdachloser liegt brennend in einer Straße. Rettungskräfte können ihm nicht mehr helfen. In Groß-Gerau wird nun über die Ursache des Unglücks spekuliert.
Blumen zieren den Ort des Unglücks in Groß Gerau Foto: Charlotte Martin Blumen zieren den Ort des Unglücks in Groß Gerau
Groß-Gerau. 

Groß-Gerau. Ein Obdachloser in Groß-Gerau ist gestern Morgen auf offener Straße bei lebendigem Leib verbrannt. Ein Anwohner hatte den Rettungsdienst alarmiert. Als dieser gegen 0.35 Uhr eintraf, versuchten die Helfer, dem in Flammen stehenden Opfer zu helfen. Aber es war zu spät. Warum der 44-Jährige in Brand geriet, ist unklar. „Es wird in alle Richtungen ermittelt“, sagte ein Polizeisprecher in Darmstadt. Über die Obduktion des Opfers wurde gestern noch nichts bekannt.

War es ein Brandanschlag? Oder ein Streit unter Obdachlosen, die auf der Straße übernachteten? Diese Mutmaßungen trieben gestern Menschen um, die zur Brandstätte kamen, um ihre Trauer und ihr Entsetzen zu bezeugen. „Es hat in Köln und Berlin schon Brandanschläge gegen Obdachlose gegeben. Ich fürchte, dass es hier auch um so was Furchtbares geht“, sagte Melisa Ates, eine junge Frau, die am rußgeschwärzten Haus innehielt. Kerzen wurden angezündet, Blumen niedergelegt. „Wir haben öfter mit den Männern gesprochen oder ihnen etwas Geld gegeben, wenn wir am Burggraben entlang spazieren gingen“, sagte Zühal Yildirim. „Die Männer waren in Ordnung. Nur, dass sie Alkohol tranken, hat mir wegen meines Sohnes nicht gefallen.“ Ein älterer Herr parkte sein Auto in der Darmstädter Straße in Groß-Gerau, ging zum Ort des Unglücks, betete und entzündete eine Kerze.

Blumen stehen an der Brandstelle, wo ein Obdachloser in der Nacht in Groß Gerau verbrannt ist.
Hintergründe völlig unklar Obdachloser auf offener Straße verbrannt

Grausiger Vorfall in Hessen: Ein Obdachloser liegt brennend in einer Gasse. Rettungskräfte können ihm nicht mehr helfen. Die Hintergründe sind unklar. Eine Obduktion wurde angeordnet.

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Das Opfer soll zu einer Gruppe polnischer Obdachloser gehören, gegen deren Aufenthalt in der Stadt Unterschriften gesammelt wurden. Ellen Riedle, die in einem Buchladen in der Innenstadt arbeitet, hatte die Unterschriftenliste auf den Weg gebracht. Sie sieht keinen Zusammenhang mit dem Unglück. Riedle erklärte: „Die Situation war für alle untragbar. Die Obdachlosen hatten oft handgreiflichen Streit untereinander, waren oft betrunken.“ Von Kunden habe sie mehrfach die Frage gehört: „Um Gottes Willen, was ist hier in Groß-Gerau los?“ Drei Blätter mit Unterschriften hatte sie gesammelt und wollte sie demnächst dem Bürgermeister überreichen.

Roland Sturm, Kreisabgeordneter der Linken, sagte: „Obdachlos zu sein ist ein schweres Schicksal und gegen diese Menschen Unterschriften zu sammeln, zeugt von einer nicht zu Ende gedachten Handlungsweise. Was auch immer den tragischen Tod des Mannes verursacht hat, er stimmt traurig und nachdenklich zugleich. Wir brauchen dringend mehr Mitmenschlichkeit.“

Furcht geht um

Wenige Straßen vom Unglücksort entfernt befindet sich das Männerwohnheim der Diakonie. Dort ist die polnische Gruppe bekannt. Wie es hieß, konnten die Männer dort nicht bleiben, weil sie keine staatliche Hilfe bekamen. Dennis Thannheiser, der in der Unterkunft lebt, sagte, morgens früh um 5 Uhr habe die Polizei im Männerwohnheim nach jemanden gesucht. Er ergänzte: „Keine Ahnung, nach wem.“ Antonio Fernandes, der nach eigener Auskunft seit drei Wochen in Groß-Gerau lebt, sagt: „Die Leute, die auf der Straße schlafen, haben jetzt alle Schiss. Aber was willst du machen? Wenn du nicht Leistungen vom Staat erhältst, musst du 48 Euro für die Nacht im Männerwohnheim selbst blechen.“

In Berlin hatte an Weihnachten eine Gruppe junger Männer versucht, einen Obdachlosen anzuzünden, der in einer U-Bahn-Station schlief. Der Fall sorgte bundesweit für Entsetzen.

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