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Schwere Vorwürfe gegen 28-Jährigen: Offenbacher soll in Somalia für Terrormiliz gekämpft haben

Von Mitgliedschaft in der islamistischen Terrormiliz Al-Shabaab, Beteiligung am bewaffneten Kampf in Somalia und Vorbereitung schwerer staatsgefährdender Gewalttaten. Gegen einen 28 Jahre alten Studenten somalischer Herkunft aus Offenbach werden seit gestern massive Vorwürfe erhoben.
Somalische Truppen während einer Offensive gegen die Al-Shabaab-Miliz in Mogadischu. Foto: Said Yusuf Warsame Somalische Truppen während einer Offensive gegen die Al-Shabaab-Miliz in Mogadischu.
Frankfurt. 

„Deutschland hat mich als Baby aufgenommen. Deutschland ist meine Heimat“, hatte der 28-Jährige einmal in einer E-Mail an den hessischen Verfassungsschutz geschrieben. Er könne es sich deshalb überhaupt nicht vorstellen, dass man in Deutschland aufgrund extremistischer Verdachtsmomente gegen ihn ermittele. Seit Anfang dieses Jahres hatte der gebürtige Somalier von seinem Heimatland aus Kontakte mit deutschen Behörden aufgenommen. Er wolle alsbald wieder ins Rhein-Main-Gebiet zurückkehren, hieß es.

Die Behörden verhielten sich zurückhaltend, weil sie die vom Angeklagten gemachten Angaben nicht stichhaltig überprüfen konnten. Hatte er tatsächlich an einer Universität des ostafrikanischen Landes studiert und zwischenzeitlich auch geheiratet? War diese Hochschule nicht auch von radikalen Organisationen unterwandert und dominiert, so wie viele somalische Städte und Landstriche von der Terrormiliz Al-Shabaab?

Die Polizei ging auf Nummer sicher und legte dem Mann Handschellen an, als er am 4. Juli dieses Jahres am Frankfurter Flughafen erstmals wieder deutschen Boden unter den Füßen hatte.

Gestern wartete der Staatsschutzsenat unter Leitung von Richter Thomas Sagebiel vergeblich auf eine Äußerung des Angeklagten. Er werde nicht aussagen, ließen seine Verteidiger verlauten, nachdem die Vertreterin der Bundesanwaltschaft die Anklage verlesen hatte. Zwischen Anfang 2012 und der Jahreswende 2013/14 sei Abshir A. ein Aktivposten bei Al-Shabaab gewesen, habe eine spezielle Ausbildung durchlaufen und später auch eine Waffe in der Hand gehabt, um das Land am afrikanischen Horn unter die Herrschaft seiner islamistischen Gesinnungsgenossen zu bringen.

Die zahlreichen Unterlagen, die von den Richtern daraufhin verlesen wurden, machten noch einmal die blutige Bilanz von Al-Shabaab deutlich, die nicht weit hinter der der islamistischen Stammorganisation Al-Kaida zurücksteht. Allein am Abend des Endspiels der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 wurden 76 Menschen bei einem Anschlag in Mogadischu getötet. Bei diversen Selbstmordattentaten in Somalia und angrenzenden afrikanischen Ländern seien seit 2005 insgesamt 1150 Menschen getötet oder verletzt worden, ließ sich der Bundesnachrichtendienst berichten. Vom BND stammen auch zahlreiche Berichte, auf die die Bundesanwaltschaft ihre Anklage gegen A. stützt.

Alkoholprobleme?

Den zahlreichen E-Mails an deutsche Behörden lässt sich jedoch entnehmen, dass die Somalia-Reise des Angeklagten Anfang 2012 rein private Gründe hatte. „Ich hatte in Deutschland massive Drogen- und Alkoholprobleme und brauchte deshalb Abstand“, hieß es in einer Mitteilung von ihm an hessische Verfassungsschützer. Bei seinen Verwandten auf dem Land habe er sein Leben wieder in den Griff bekommen und von Drogen und Alkohol abgeschworen: „Wäre ich in Deutschland geblieben, wäre ich vermutlich gestorben“. Später habe er dann ein Studium aufgenommen und geheiratet. „Ich würde niemals jemanden etwas zuleide tun“, so der dunkelhäutige Mann mit kahlgeschorenem Kopf und Vollbart.

Der Staatsschutzsenat steht jetzt vor einer umfangreichen Beweisaufnahme – zehn Verhandlungstage wurden vorerst terminiert, frühestens Mitte Januar ist mit einem Urteil zu rechnen.

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