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Ostermärsche vor der Renaissance?

Märsche und Abschlusskundgebungen stehen in diesem Jahr erneut im Zeichen des Ukraine-Kriegs. Die Zahl der Friedensaktivisten, die auf die Straße gehen, ist seit Jahren konstant.
. Foto: Kammerer, Bernd (.) Hunderte bei der Abschlusskundgebung des Ostermarsches am 21. April vergangenen Jahres auf dem Frankfurter Römer.
Frankfurt/Hamburg. 

Andreas Buro war schon beim ersten Ostermarsch in Deutschland dabei. Das war 1960. Und auch in diesem Jahr, 55 Jahre später, will der 86 Jahre alte Mann wieder dabei sein – in Dortmund. Die Ostermärsche haben sich nach seiner Ansicht stark verändert. „Sie sind heute keineswegs mehr das, was sie in den 60er Jahren waren, der erste Ansatz einer sozialen Bewegung“, sagt der emeritierte Frankfurter Politikprofessor, damals Sprecher der bundesweiten Ostermarschbewegung. „Jetzt sind die Ostermärsche ein Aktions-Instrument neben vielen anderen Dingen, die die deutsche Friedensbewegung zur Verfügung hat“, beschreibt er.

Tausende Friedensaktivisten werden in diesem Jahr mitmachen bei Protesten in Berlin, Büchel, Bremen, Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Erfurt, Frankfurt, Hamburg, Kassel, Nürnberg oder Stuttgart. Werden es mehr oder weniger als 2014? „Wir werden in etwa das erreichen, was auch im vergangenen Jahr auf die Straße gegangen ist, schätzt Peter Strutynski, Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag. Im Zentrum der Aktionen an diesem Wochenende stehen die Kritik am Ukraine-Krieg, an der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), an Auslandseinsätzen der Bundeswehr und an Atomwaffen. „Das Hauptthema ist sicherlich die Ukraine.“ Das sei der Krieg in Europa, der die Friedensbewegung vor allem beschäftige.

Andreas Buro war beim ersten Ostermarsch von Braunschweig aus nach Bergen-Hohne unterwegs zum dortigen Raketen-Übungsplatz. Anfangs war die Bewegung noch nicht so groß: „Da kamen vielleicht 800 Leute zusammen“, sagt der Aachener Friedenspreisträger. Das „Wunder“ sei erst ein Jahr später eingetroffen: Überall in Westdeutschland habe es Ostermärsche gegeben mit ganz unterschiedlichen Gruppen. Thematisch ging es damals schon um den Protest gegen Aufrüstung, Rüstungsexporte und Kriegsprovokation, auch wenn die Konfliktherde andere waren. „Heute kommt als wichtiges Moment hinzu, dass wir sagen: Konflikte müssen anders gelöst werden“, sagt Buro.

Die erste größere Welle der Ostermärsche ging nach seiner Einschätzung Ende der 1960er Jahre zu Ende. Der Nato-Doppelbeschluss 1979 brachte wieder Tausende auf die Straße. In den 1990er Jahren machten nach Angaben des Hamburger Friedensforschers Michael Brzoska weniger Menschen mit, während es im vergangenen Jahrzehnt wegen des Irak-Krieges und des Afghanistan-Konflikts wieder mehr Interesse gab. „In diesem Jahr denke ich schon, dass der Zulauf größer sein könnte, weil natürlich mit der Ukraine-Krise die Sorge vor einem Krieg in Europa doch wieder stark gewachsen ist“, sagt Brzosk, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg.

Und die Zukunft der Ostermärsche? „Ich denke, dass es im Moment wieder ein eher wachsendes Thema ist“, sagt Brzoska. In den 1990er und den 2000er Jahren sei es schwieriger gewesen, junge Leute für das Thema Frieden zu gewinnen. Ökologie oder Jugendfragen seien wichtiger gewesen. Die Sorge um die Zukunft in Europa beschäftige aber auch junge Leute zunehmend. Buro ist skeptischer: „Nachwuchs ist ein großes Problem.“ Eine Massenmobilisierung wie früher hält er nicht mehr für möglich.

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