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Vogelgrippe sorgt für leere Supermarkt-Regale: Ostern in Hessen – ohne Freilandeier?

In diesem Jahr beginnt die Eiersuche schon vor Ostern. Wer derzeit Freilandeier kaufen will, wird nämlich kaum noch fündig. Dafür gibt es einen triftigen Grund.
Freilaufende Hühner Foto: Arne Dedert (dpa) Hühner im Freigehege.
Frankfurt. 

Gähnende Leere im Supermarktregal, dort, wo sich normalerweise die Kartons mit den Freilandeiern stapeln. Auch die Bio-Eier direkt daneben sind knapp. Verbraucher, die momentan im Rhein-Main-Gebiet Eier aus Freilandhaltung kaufen wollen, haben es schwer. Denn die nach der Bio-Ware zweitteuerste Eier-Kategorie ist wegen der anhaltenden Vogelgrippe knapp geworden, weil die Geflügelfarmer ihre Tiere aus Schutzgründen nicht mehr ins Freie lassen durften. Zwar ist die Stallpflicht in einigen Regionen Hessens wieder aufgehoben, doch gerade zur starken Nachfrage vor Ostern gibt es große Lücken.

„Nach aktuellem Stand können wir zu Ostern keine Eier aus Freilandhaltung anbieten“, erklärt beispielsweise der Discounter Aldi-Süd. Der Markt sei wegen der Stallpflicht praktisch leer gefegt. Gleiches gilt für den Rewe-Markt in der Farmstraße 101 in Mörfelden-Walldorf. Dort werden derzeit keine Freiland-Eier mehr angeboten. Ähnlich sieht es im Rewe-Markt in der Gleisstraße 3 in Dreieich aus.

Inzwischen ist auch die dreimonatige Übergangsfrist der Europäischen Union ausgelaufen, die es den Bauern erlaubte, Eier von Freilandhennen auch dann noch als Freilandeier zu verkaufen, wenn die Tiere ausschließlich im Stall gehalten wurden.

Nach Ablauf der Frist müssen nun auch diese Eier mit einer 2 für Bodenhaltung gestempelt werden. Den damit eigentlich fälligen Preisabschlag von rund einem Drittel (60 Cent) pro Zehner-Packung haben Hersteller und Handel bislang mit einer besonderen Aktion abgefangen: „10 frische Eier aus Bodenhaltung (mit Wintergartenauslauf)“ prangt nun als Zusatzaufkleber auf vielen Kartons – zum alten Freilandpreis mit dem Hinweis: „Vorübergehend zum Schutz unserer Legehennen“.

Rekordpreise für Bio-Ware

Etliche Verbraucher sind wegen des knappen Freiland-Angebots inzwischen auf Bio-Ware umgeschwenkt, die zu Rekordpreisen angeboten wird. Im Hofheimer Kaufhaus Buch müssen die Kunden beispielsweise für zehn Bio-Eier 4,29 Euro zahlen, das 6-er-Pack kostet 3,29 und lose Eier 50 Cent das Stück.

Von den hohen Preisen für Bio-Eier profitieren die betroffenen Geflügelfarmer jedoch selten, wie der Geschäftsführer des Geflügelwirtschaftsverbands Hessen, Klaus-Peter Linn, informiert. „Wer an den Einzelhandel verkauft, schließt meist Kontrakte über sechs oder zwölf Monate ab. Darin sind Preise und Lieferverpflichtungen festgelegt. Preisschwankungen schlagen sich also nicht auf die Verkaufspreise der Farmer nieder“, erklärt er. Lediglich die Bauern, die ihre Ware auf Wochenmärkten verkauften, könnten von höheren Preisen profitieren, so Linn.

Durch die Verknappung von Freiland-Eiern verlagert sich die Nachfrage von Eiern auch auf solche aus Bodenhaltung, wie Wolfram Meyer vom Kronberger Hofgut Hohenwald berichtet. Fast täglich erreichen ihn Anrufe aus Supermärkten mit der Frage, ob er denn noch schnell Eier nachliefern könne. „Gerade Großhandelsketten haben fünf oder sechs Eierlieferanten. Da es zu wenige Eier gibt, wird versucht, dies logistisch irgendwie auszugleichen, was aber nur bedingt gelingen kann“, erklärt Meyer. Die große Nachfrage spürt auch der Niederurseler Martin Stark, der Eier aus Bodenhaltung vertreibt. „Wir profitieren sicher von der Vogelgrippe.“

Volker Illig, Ortslandwirt von Berkersheim und Freilandeier-Produzent, geht davon aus, dass sich die Lage nach Ostern normalisieren wird.

Marco Schäfer vom Charlottenhof in Bergen-Enkheim hofft, dass die Vogelgrippe bald überstanden ist. „Unsere Tiere waren zwei Wochen im Freien, dann gab es in Maintal-Bischofsheim einen weiteren Fall von Vogelgrippe. Seitdem sind unsere Tiere wieder drinnen.“ Noch hatte der Hof keine finanziellen Einbußen, doch hält die Stallpflicht an, muss Schäfer seine Eier von „Freilandhaltung“ auf „Bodenhaltung“ umdeklarieren. „Was das im Preis ausmacht, wissen wir noch nicht. Es werden wohl 20 bis 25 Prozent werden.“

Stallpflicht ist stressig

Im Landkreis Limburg-Weilburg sind die Regale der Lebensmittelmärkte noch gut gefüllt. Angelika Orth-Dernbach vom Ägidiushof in Beselich-Obertiefenbach verzeichnet zwar eine stark erhöhte Nachfrage und berichtet über viele Vorbestellungen für die Tage vor Ostern. Aber es gebe keine Knappheit. Die Stallpflicht für Geflügel wurde im Landkreis Limburg-Weilburg erst vor zwei Wochen aufgehoben. Während dieser Phase hätten ihre 500 Hühner deutlich weniger gelegt, sagt Angelika Orth-Dernbach.

Normalerweise laufen die Käufer auf dem Weg in den Ägidiushof-Laden an den freilaufenden Hühnern vorbei. Eingesperrt in den Stall würden die Vögel aggressiver und legten dann auch weniger, erklärt die Betreiberin. Doch inzwischen seien „ihre Damen“ wieder auf dem normalen Niveau.

(mlf,aw,hau,ulk,cris,sda,dpa)
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